https://www.faz.net/-gzg-9uh

Minister Boddenberg : „CDU hat nicht an Profil verloren“

Für Hessen in Berlin: Michael Boddenberg (rechts) im Gespräch mit F.A.Z.-Herausgeber Werner D‘Inka (Mitte) und Ressortleiter Matthias Alexander. Bild: Wolfgang Eilmes

Der hessische Minister für Bundesangelegenheiten, Michael Boddenberg, hat die neue Mittelschule verteidigt. Man müsse die unterschiedlichen Begabungen junger Menschen fördern, sagte der CDU-Politiker in einem Redaktionsgespräch, in dem er die Abkehr von der Atomenergie rechtfertigte.

          Für mehr Chancengerechtigkeit in der Bildung spricht sich der hessische Minister für Bundesangelegenheiten, Michael Boddenberg (CDU), aus. Eine Stärke der in Hessen neuen Mittelschule werde es sein, dass sie die unterschiedlichen Abschlüsse erhalte, sagte er im Redaktionsgespräch mit der Rhein-Main-Zeitung. „Wir wollen ein differenziertes Angebot.“ Man müsse die unterschiedlichen Begabungen junger Menschen fördern. Das müsse auch mit einer besseren Berufsvorbereitung einher gehen.

          Katharina Iskandar

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Boddenberg warnte davor, in der Debatte um die Hauptschulen falsche Signale zu senden, die Eltern verunsicherten. Es gehe darum, klare Strukturen zu schaffen, ohne Einzelne zu benachteiligen. „Jemand, der nach der Hauptschule eine Ausbildung und dann die Meisterprüfung macht, soll dann auch die Hochschulberechtigung bekommen“, sagte Boddenberg. „Es darf keine Sackgassen geben.“

          „Grüne habe nur scheinbar klareres Profil“

          Skeptisch sieht der Minister den Aufschwung der Grünen. Der jüngste Wahlerfolg auf Landes- und kommunaler Ebene sei unter anderem auch auf die Katastrophe in Fukushima zurückzuführen, sagte er. Die Partei habe nur vermeintlich ein klareres Profil als die CDU. Er sei gespannt, wie grüne Politik in Baden-Württemberg gestaltet werde, etwa im Umgang mit dem Projekt „Stuttgart 21“. Den Grünen in Boddenbergs Heimatstadt Frankfurt, die mit der CDU gemeinsam regieren, bescheinigte der Minister, „durchaus bürgerlich“ zu sein. Gefragt nach seinen Ambitionen auf eine Kandidatur für das Amt des Frankfurter Oberbürgermeisters, die ihm vor einigen Monaten nachgesagt worden waren, wies Boddenberg darauf hin, dass es schon genügend Interessenten in der CDU gebe. Er sagte, er sehe sich selbst als Landespolitiker.

          Aus Sicht des Ministers hat die Wende im Umgang mit der Atomkraft nicht dazu geführt, dass die CDU an Profil verloren hat. „Man hat eine emotionale Entscheidung treffen müssen“, sagte Boddenberg. Dem hätten zwar die Fakten, dass ein Flugzeugabsturz oder andere Katastrophen in der Region eher unwahrscheinlich seien, entgegen gestanden. Dennoch habe man den Willen des Volkes nicht ignorieren können, „das in besonderer Weise Anteil an der Katastrophe von Fukushima genommen hat“.

          Neue Gremien gegründet

          Dass immer mehr wichtige politische Entscheidungen ohne Beteiligung des Bundestags gefällt werden, sieht Boddenberg mit Sorge. Allerdings habe die Finanzkrise auch gezeigt, dass manchmal innerhalb kürzester Zeit reagiert werden müsse. Diese Erkenntnis habe dazu geführt, dass viele neue Gremien gegründet worden seien. Diese Gremien seien eine große Hilfe bei den oft schwierigen Entscheidungsprozessen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Bsirskes Zeit bei Verdi : Immer wieder Frank

          Verdis Vorsitzender Frank Bsirske geht in Rente. 19 Jahre lang leitete er die größte Baustelle der Gewerkschaftsbewegung. Fertig ist sie noch nicht.
          Ashton Applewhite

          Altersdiskriminierung : „Man kann nicht jung bleiben“

          Die Amerikanerin Ashton Applewhite kämpft gegen eine Form der Diskriminierung, über die kaum jemand spricht, obwohl sie jeden irgendwann treffen wird. Ein Gespräch über Altersdiskriminierung.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.