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„Meine Zeitung“ - Frankfurter Schüler lesen die F.A.Z. : Keine Angst vor schwierigen Themen

Meinung, Medien, Mode: Das ABC-Darium der Schüler der Carl-Schurz-Schule zeigt, was alles in und wer hinter hier der Zeitung steckt Bild: F.A.Z. - Frank Röth

Mehr als 40 Klassen aus 16 Schulen haben beim Projekt „Meine Zeitung“ mitgemacht. Sie haben nicht nur die Zeitung regelmäßig gelesen, sondern Themen in Langzeitprojekten verfolgt - und die meisten haben eigenständig Artikel verfasst.

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          Der Sport ist besonders beliebt bei Schülern des Projekts „Meine Zeitung“. Für ihre eigenen Artikel haben sie sich aber auch mit Politik, Sozialem, Kultur und Wirtschaft befasst.

          Patricia Andreae

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Sie alle haben einen Preis verdient: Die mehr als 1200 Schüler der 46 Klassen und ihre Lehrer, die in diesem Frühjahr am Projekt „Meine Zeitung“ teilgenommen, ja, man möchte fast sagen, es auf sich genommen haben. Denn es ist ein wenig so, als habe man ein zusätzliches Unterrichtsfach hinzubekommen, für das es jeden Tag ein neues Lehrbuch durchzuarbeiten gilt. Denn jeder Schüler der teilnehmenden Klassen hat vier Monate lang jeden Tag ein eigenes Exemplar der F.A.Z. und der Sonntagszeitung bekommen und es für sein Lesetagebuch oder seine Langzeitstudie ausgewertet.

          Die besten sieben Arbeiten dieser Art sind bei einer großen Abschlussfeier in der Alten Oper mit Preisen ausgezeichnet worden. Und die Jury hatte es nicht leicht, aus der Vielzahl der Einsendungen die sieben besten auszuwählen. Denn viele Schüler haben sich mit ihren Mappen sehr große Mühe gemacht: Artikel zu einem Thema nicht nur gesucht, gesammelt, ausgeschnitten und eingeklebt, sondern auch Zusammenfassungen geschrieben, Kommentare und Schlussfolgerungen. Sie haben es zu ihrem Thema gemacht und es wirklich durchdrungen.

          Die Klasse G5a der Schule am Ried

          Zusammenhänge besser verstehen

          Und einige sind dabei zu dem Schluss gekommen, dass sie nach dieser Arbeit besser verstehen, worum es beispielsweise bei den Auseinandersetzungen im Nahen Osten und bei der Wirtschafts- und Finanzkrise geht oder was im Laufe der Monate in der Stadt Frankfurt oder bei der Eintracht geschehen ist, wie sich die Berichterstattung bei einem plötzlich aufkommenden und dann wieder abflauenden Thema wie der „Schweinegrippe“ entwickelt oder auch nach welch unterschiedlichen Kriterien Todesanzeigen gestaltet sind. Die meisten Teilnehmer haben festgestellt, dass sie in dieser Zeit etwas schlauer geworden sind und Zusammenhänge besser verstehen können. Das Logo des Projekts, ein zeitungslesender Schüler, macht deutlich, dass es auch ganz junge kluge Köpfe gibt und solche, die in den vergangenen Monaten ein bisschen klüger geworden sind.

          Dazu haben vor allem auch die Lehrer beigetragen, die sich zum Teil mit viel Kreativität für das Projekt „Meine Zeitung“ engagiert haben, das die F.A.Z. zusammen der Frankfurter Stiftung Polytechnische Gesellschaft und mit Unterstützung des Aachener Izop-Instituts organisiert. Es ist keine leichte Aufgabe für Lehrer, im Sommerhalbjahr, wenn Abiturprüfungen, Klassenfahrten und dann auch noch ein Turnfest den Zeitplan für den normalen Schulstoff schon eingrenzen, auch noch ein solch umfangreiches Projekt zu bewältigen. Schließlich gilt es nicht nur logistische Fragen zu lösen wie die tägliche Anlieferung und Verteilung der Zeitung, sondern auch Konzepte zu entwickeln, wie man die Schüler zur täglichen Lektüre motivieren und mit der Zeitung im Unterricht - möglichst sogar fächerübergreifend - arbeiten kann.

          Viele Lehrer haben auch in diesem Jahr wieder interessante Ansätze gefunden. So hat beispielsweise eine Lehrerin die Teaserleisten der Sonntagszeitung, in denen die Themen unter zusammenpassenden Überschriften oder Schlagworten angerissen werden, zu einer Aufgabe zusammengestellt. Ein anderer Kollege hat seine Schüler aufgefordert, nach der „Erpresser-Brief-Technik“ aus ausgeschnittenen Worten und Buchstaben einen Text zusammenzustellen. Herausragend war das von Pia Jansen mit ihrer Klasse aus der Carl-Schurz-Schule vorgeführte ABC-Darium. Schon bei der Auftaktveranstaltung begeisterte es das Publikum, und so wurde es bei der Abschlussfeier noch einmal gezeigt.

          Auf Recherchetour

          Auch durch solche Methoden haben selbst in Klassen mit besonders vielen Kindern, in deren Familien kaum Deutsch gesprochen, geschweige denn normalerweise eine deutsche Zeitung gelesen wird, sich die Schüler an dieses Medium herantasten können. Sie haben Collagen gebastelt, Bilder ausgeschnitten, nach bestimmten Themen und Personen gesucht, den Lokalteil gelesen und - natürlich ganz besonders die Fußballfans - den Sportteil schätzen gelernt.

          Der Sport ist nicht nur beim Lesen der Zeitung beliebt und wird deshalb gern für die Langzeitarbeiten gewählt. Auch wenn es zum Abschluss des Projekts ans Schreiben geht, sind Sportthemen begehrt. In vielen Klassen wächst im Laufe des Projekts auch das Interesse an der Arbeit bei der Zeitung. Einige Klassen konnten auch diesmal bei einem Besuch in der Redaktion und der Druckerei vieles darüber erfahren, wie eine Zeitung gemacht wird.

          Zum Abschluss der intensiven Beschäftigung mit der Zeitung haben sich die Klassen selbst auf Recherchetour begeben. Eine Auswahl ihrer Texte veröffentlichen wir auf den folgenden Seiten - mit Rücksicht auf die Autoren weitgehend unbearbeitet. Einige Kürzungen allerdings waren unvermeidlich, damit jede Klasse wenigstens einen Text unterbringen konnte - für jene Beiträge, die wir auf den folgenden Seiten mitnehmen konnten, bietet das Internet uns diesmal die Möglichkeit, sie wenigstens nicht unveröffentlicht zu lassen. So wird „Meine Zeitung“ in einigen Tagen dort komplett dokumentiert zu finden sein. Denn auch wenn das Projekt den Untertitel hat „Frankfurter Schüler lesen die F.A.Z.“, so gehört es dazu, dass die Schüler selbst einmal versuchen, für die Zeitung zu schreiben.

          Manch eine Klasse hat dabei die Form des Interviews gewählt, schon weil dies vielen Schülern die Möglichkeit bietet, sich an einem Beitrag zu beteiligen. Und sie haben dabei allerhand gelernt - auch was es bedeutet, lange Antworten niederzuschreiben und auf ein lesbares Maß zu kürzen. Der Klasse, die Oberbürgermeisterin Petra Roth interviewt hat, gelang das so gut, dass deren Pressesprecher uns anschließend schrieb: „Die können sie jetzt immer schicken.“ Immer sicher nicht - aber bestimmt noch öfter.

          Ein Buch des Lebens (von Roland Kaehlbrandt)

          Können sich Zehn- bis Zwölfjährige Tag für Tag in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung mit Börsenkursen, Opernkritiken, den Problemen im Nahen Osten oder der Schweinegrippe beschäftigen? Ja, sie können es. Denn sie entdecken die Tageszeitung als ein Buch des täglichen Lebens. Ein Buch mit echten Nachrichten. Echtheit, das interessiert Kinder.

          Auch die Darstellungsformen faszinieren sie: Kolumnen, kleine Meldungen, große Reportagen. Natürlich kann eine Ballung von Fachbegriffen einen Zehnjährigen schon einmal entmutigen. Deshalb lernen die Schüler im Projekt „Meine Zeitung“, wie sie sich auch schwierige Texte erschließen können. Mit der Unterstützung ihrer kreativen Lehrerinnen und Lehrer holen sie aus ihrer Zeitung heraus, was drinsteckt. „Wo viel drinsteckt, da kann man auch viel herausholen“, hat F.A.Z.-Herausgeber Werner D'Inka mir neulich gesagt. Und es steckt für jeden etwas drin in dieser Zeitung, eben weil sie so vielseitig ist. Vielseitigkeit, das ist wiederum etwas, was unsere Polytechnische Stiftung fördert. „Polytechnik“, das bedeutet „viele Fähigkeiten“. Allein das Projekt „Meine Zeitung“ fördert drei davon: Sprachfähigkeit, Leselust und Ausdrucksreichtum.

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