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Schiersteiner Brücke : Das musste ja so kommen

Die Schiersteiner Brücke ist marode - so wie viele andere Brücken, Straßen und Schienen in Deutschland. Das ist die Quittung für eine Politik, die Infrastruktur viel zu lange als nachrangige Größe betrachtet hat.

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          Dass die Schiersteiner Brücke zusammenkracht, ist ein Menetekel. Die Brücke, die zwischen Mainz und Wiesbaden über den Rhein führt, ist eine der wichtigsten Autobahnverbindungen in der vom Verkehrskollaps bedrohten Region Rhein-Main. Seit Jahren wird an der neuen Brücke gearbeitet, die direkt neben der alten verläuft. Wer die Schiersteiner Brücke mit gemessenem Tempo von sechzig Stundenkilometern passiert, kann sich davon überzeugen: Hier wird Tag und Nacht gearbeitet. Im Sanierungsprogramm des Bundesverkehrsministers taucht die Schiersteiner Brücke mit Kosten von 225 Millionen Euro als teuerster Einzelposten auf.

          Quittung für heillose Verkehrspolitik

          Dass die Fahrbahn der alten Brücke sich nun um vier Zentimeter senkte und über Nacht eine Totalsperrung nötig wurde, konnte niemand voraussehen. Dass sich daraus binnen Minuten ein heilloses Verkehrschaos entwickeln würde, dürfte hingegen jedem klar sein. Und auch, dass sich daran, sollte die Brücke gesperrt bleiben, so schnell nichts ändern wird. Fehlt die Brücke, müssen Hunderttausende in der Region umdisponieren. Die Bahn dürfte es freuen, steht nur zu hoffen, dass das Stellwerk am Mainzer Bahnhof nicht, wie schon einmal, zu schwach besetzt ist.

          Auch wenn nun alles an einem Stahlträger hängt, der gebrochen und die Ursache für die Sperrung sein soll: Abgezeichnet hat sich eine solche Entwicklung schon lange, sie ist die Quittung für eine Verkehrspolitik in Bund und Land, vor allem in Rheinland-Pfalz, die die Infrastruktur viel zu lange als nachrangige Größe betrachtet hat. Die Straßenverkehrsverbindungen rund um die Landeshauptstadt Mainz sind seit Jahr und Tag von Überlastung geprägt. Die letzte Großtat der Verkehrsplaner war der Bau eines kleinen Tunnels auf der Autobahn A 60, der sich als veritabler Stau-Produzent erwiesen hat.

          Chronisch überlastete Autobahn

          Bis dato war in Mainz mit Blick auf die Autobahn 643, die über die Schiersteiner Brücke führt, vor allem der „Große Sand“ das Thema: Ein in der Tat außergewöhnliches, 127 Hektar kleines Naturschutzgebiet; eine Binnendüne, die vor 12.000 Jahren entstanden sein soll und in der für hiesige Breiten ungewöhnliche Steppenpflanzen wachsen. Die Autobahn, die stets überlastet ist, führt mitten durch das Gebiet hindurch. Sie müsste, um den Verkehr halbwegs zu bewältigen, dreispurig statt zweispurig sein.

          Für die dreispurige Variante gibt es Geld vom Bund, für die zweispurige, welche die rot-grüne Landesregierung, die SPD-geführte Stadtregierung und eine Bürgerinitiative wollen, nicht. Auch nicht für die Notlösung, die Autobahn zweispurig zu lassen und eine dritte Bedarfsspur einzurichten. Darüber wird in Mainz seit Jahr und Tag gestritten, als sei Verkehrspolitik eine ewig währende Fastnacht. Und jetzt? Ist die Brücke weg. Und es führt kein Weg mehr über den Rhein.

          Michael Hanfeld
          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

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