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Markt wächst : Keltereien klagen über schwache Apfel-Ernte

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Einsam: Vielerorts hängen nur wenige Äpfel an den Bäumen der Streuobstwiesen, die für die Kelterer wichtig sind Bild: dpa

Licht und Schatten beim Apfelwein: Der Markt für das berühmteste Getränk Hessens wächst - auch außerhalb des Landes. Dafür macht in diesem Jahr das Wetter zu schaffen - mit Frösten im Frühjahr und viel Regen im Sommer.

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          Der Markt für Apfelwein wächst, doch der Rohstoff macht sich in diesem Jahr etwas rar. Von der schlechtesten Apfelernte seit Anfang der 1990er Jahre spricht gar der Geschäftsführer der Kelterei Rapps, Volker Thoma. Ähnlich klingt das beim Vorsitzenden des Verbands der Hessischen Apfelwein- und Fruchtsaft-Keltereien, Martin Heil: „Die Ernte lief dieses Jahr nicht besonders gut. Der Frost im Frühjahr hat dafür gesorgt, dass die frühen Apfelsorten in ganz Hessen nicht richtig reifen konnten“.

          Nichtsdestotrotz gibt sich Heil optimistisch. „Wir Verbände sprechen von einer Alternanz. Auf ein Jahr gute Ernte folgt meistens ein Jahr mit schlechterer Ernte, in dem sich die Bäume etwas erholen“, sagte er. Zudem gebe es viel positive Bewegung im Apfelweinmarkt. „Der Trend für Apfelwein-Mischgetränke ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Gleichzeitig beobachten wir aber auch, dass viele junge Menschen zum klassischen, puren Apfelwein zurückkehren.“

          Blüten bereits im Frühjahr erfroren

          Auch Georg Herberth, Geschäftsführer der Kelterei Herberth in Kronberg, sieht Positives wie Negatives. „Dieses Jahr hatten wir im Sommer mit sehr heftigen Niederschlägen zu kämpfen, viele Blüten sind bereits im Frühjahr erfroren - das war eine Katastrophe“, sagte er. Der Markt für das hessische Nationalgetränk wachse indes sowohl in Deutschland als auch weltweit. Während die Bier-Industrie eher zurückgehe, finde der Apfelwein nach und nach auf der ganzen Welt einen Markt, vor allem in Osteuropa und Amerika.

          Zum ersten Mal gibt es Herberth zufolge beispielsweise am 6. und 7. September das Global Cider Forum in Frankfurt - das erste Forum, auf dem Hersteller aus der ganzen Welt von Apfelwein, englischem Cider oder französischem Cidre miteinander in Kontakt treten und voneinander lernen können.

          „Apfelwein ist ein Volksgetränk“

          Mit Blick auf die maue Ernte spricht Thoma von deutlichen regionalen Unterschieden. In Süddeutschland, insbesondere in Hessen, sei sie besonders von schlechten Wetterbedingungen betroffen gewesen. Den Norden habe es hingegeben nicht ganz so schlimm erwischt. Und die Äpfel für den Äppler kommen längst nicht alle nur aus Hessen, sondern auch aus Nachbarländern wie Rheinland-Pfalz oder dem Ausland, etwa aus Polen, wie Heil sagt.

          Um das hessische Nationalgetränk ungeachtet saisonaler Widrigkeiten gebührend zu ehren, beginnt am Freitag das siebte Frankfurter Apfelweinfestival. „Der Apfelwein ist ein Volksgetränk und Teil unserer kulturellen Tradition. Er steht für Lebensqualität“, sagte Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) am Mittwoch bei der Vorstellung des Programms.

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          Bis zum 20. August gibt es dann auf dem Roßmarkt in der Innenstadt zahlreiche Variationen des „Stöffche“, Apfelwein-Cocktails, Keltervorführungen sowie ein Bühnenprogramm mit hessischen Bands und Partymusik. Mehr als 100 verschiedene Produkte werden an 30 Ständen gezeigt - darunter auch Speisen wie Steak mit Apfelweinsoße, Apfelweinbratwurst und Apfelweinschinken. Etwa 120 000 Besucher werden erwartet. Der Höhepunkt wird die Verleihung des „Goldenen Apfels“ am 15. August sein, der jedes Jahr für besonderes Engagement zum Schutz und Erhalt hessischer Streuobstwiesen verliehen wird.

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