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Lebensmittel-Imitate : Lautenschläger sieht Internet-Pranger als Erfolg

  • Aktualisiert am

Wer Käse-Imitate wie dieses hier in der Küche verwendet, muss es seinen Kunden mitteilen Bild: dpa

„Wer seinen Kunden Mogelschinken serviert, begeht üble Verbrauchertäuschung“, meint Verbraucherschutzministerin Lautenschläger. Und weil ein Edel-Italiener aus Wiesbaden seine Rohstoffe nicht korrekt ausweist, steht er nun am Internet-Pranger.

          Im Kampf gegen Mogelschinken oder Schummelkäse zeigen die Kontrollen nach Angaben des hessischen Verbraucherschutzministeriums Wirkung. Seit vergangenem September sind in Hessen 3392 Gastronomiebetriebe wegen Schinken- und Käse-Imitaten untersucht worden, wie das Ministerium in Wiesbaden berichtete. Damit seien die Kontrollen aus den Vorjahren deutlich intensiviert worden. Gezielt hätten die Behörden hessenweit auf Mogelschinken und Schummelkäse geprüft - und zwar mit Erfolg.

          Bei 295 Betrieben mussten die Kontrolleure noch einmal anrücken und erneut prüfen. Rein rechnerisch gab es damit etwa in jedem elften der kontrollierten Betriebe Grund für eine Beanstandung wegen Imitaten. Die Ermahnungen der Prüfer zeigten Wirkung: Bis auf ein einziges Restaurant, einen Italiener in Wiesbaden, seien alle der Aufforderung nachgekommen, die kritisierten Produkte entweder korrekt zu kennzeichnen oder einfach echten Schinken und Käse zu verwenden. Als Konsequenz drohte zur Strafe eine Veröffentlichung im Internet.

          „Mogelschinken ist Verbrauchertäuschung“

          Bei dem Wiederholungstäter machte das Ministerium nun Ernst: Seit dieser Woche steht der Edel-Italiener am Internet-Pranger. Auf der Ministeriumsseite sind Name und Adresse des italienischen Restaurants aufgeführt. Es wird angekreidet, dass „Formfleisch-Vorderschinken, zerkleinert, gepökelt und geformt, ohne Speck und Schwarte, gekocht“ verbotenerweise „in der Speisekarte irreführend bei den Speisen Italienischer Salat Rucola Art, Pizza Quattro Stagioni, Pizza Calzone als Schinken bezeichnet“ wurde.

          Hessens Ministerin für Verbraucherschutz, Silke Lautenschläger (CDU), sagte der Nachrichtenagentur dpa: „Wer seinen Kunden Mogelschinken serviert, begeht üble Verbrauchertäuschung. Denn dies ist ein minderwertiges Produkt, das nichts mit echtem Schinken zu tun hat. Und ich sage sehr klar: Verbrauchertäuschung ist kein Kavaliersdelikt.“ Lautenschläger verteidigte die Prangerwirkung der Veröffentlichung: „Wir haben immer gesagt: Wer zum zweiten Mal mogelt, kommt ins Internet. Spätestens seit heute weiß jeder, dass wir das sehr ernst meinen.“ Die Praxis werde beibehalten.

          Beifall vom Bauernverband

          In dem betroffenen Restaurant - laut eigener Darstellung mit seinen „kulinarischen Zaubereien“ eine „der ersten Adressen“ in der Landeshauptstadt - wollte am Donnerstag niemand Auskunft über die möglichen Folgen für das Unternehmen geben. „Das Telefon stand heute nicht still“, sagte ein Mitarbeiter, der weitere Details nicht nennen wollte. Zwei wütende Einträge im Online-Gästebuch des Restaurants waren gegen Mittag wieder gelöscht worden. Es handelt sich um einen italienischen Familienbetrieb. Der Sohn soll das Geschäft seines Vaters fortführen.

          Hessens Bauernpräsident Friedhelm Schneider heißt das Handeln des Ministerium gut: „Wer Verbraucher trotz mehrfacher Mahnung täuscht, muss gemaßregelt werden“, wird er in einer Mitteilung zitiert. Landwirte produzierten in Deutschland unter Beachtung sehr strenger Verbraucher-, Tier-, Umwelt- und Naturschutzstandards und brächten somit qualitativ hochwertige Lebensmittel auf den Markt.

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