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Krankheiten : In Hessen durchschnittlich weniger Infektionen

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Forschungslabor: Krankheiten wie Cholera oder Hepatitis müssen gemeldet werden Bild: ddp

Salmonellen lauren im lauwarmen Dessert des Grillfests, und Zecken warten als Überträger von FSME und Borreliose im Gestrüpp. Welche Infektionskrankheiten tatsächlich in Hessen häufiger, welche seltener werden und warum, erschließt sich meist aber nicht aus den Warnungen vor diesen Gefahren.

          Im Sommer lauern Salmonellen im lauwarmen Dessert des Grillfests, und Zecken warten als Überträger von FSME und Borreliose im Gestrüpp auf unvorsichtige Waldläufer. Noroviren hingegen verbreiten sich vorwiegend im Winter, und auch Grippewellen drohen meist in der kalten Jahreszeit. Welche Infektionskrankheiten tatsächlich in Hessen häufiger, welche seltener werden und warum, erschließt sich meist aber nicht aus den alljährlich wiederkehrenden Warnungen vor diesen Gefahren.

          Genau betrachten dies die Mitarbeiter der „Abteilung I – Gesundheitsschutz“ des Hessischen Landesprüfungs- und Untersuchungsamtes im Gesundheitswesen (HLPUG) mit Sitz in Dillenburg. Sie erfassen die Daten von mehr als 40 meldepflichtigen Krankheiten, von Cholera über Hepatitis bis zu Yersiniose, die ihnen nach dem Infektionsschutzgesetz von Ärzten, Laboren und Gesundheitsämtern zugeleitet werden.

          „Tuberkulose vergleichsweise selten“

          „Insgesamt liegen die Meldezahlen in Hessen meist unter dem Bundesdurchschnitt“, sagt Anja Hauri, Fachbereichsleiterin Epidemiologie im HLPUG. Innerhalb Deutschlands bestehe ein auffälliges Ost-West-Gefälle mit höheren Meldezahlen in Ostdeutschland. Meist werde dies damit erklärt, dass dort Fälle zuverlässiger gemeldet würden. Für Hessen stellen die Epidemiologen vor allem drei Besonderheiten fest: Da Hessen nach Bayern und Baden-Württemberg das größte Risikogebiet für die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) besitzt, ist die Zahl der Neuerkrankungen hier relativ hoch. So verzeichnet die Meldestatistik für die Jahre von 2002 bis 2006 einen Anstieg von 13 auf 51; danach waren es aber wieder weniger, 2008 nur zwölf.

          Durch die hohe Zahl der Tuberkuloseerkrankten im Rhein-Main-Gebiet hat Hessen außerdem nach den Stadtstaaten die höchste Tuberkuloseinzidenz in Deutschland. Jedoch weist die Statistik einen fallenden Trend auf. Zwischen 2002 und 2008 sank die Zahl der Fälle kontinuierlich von 709 auf 413. „Tuberkulose ist heute vergleichsweise selten geworden, aber keinesfalls ausgerottet“, sagt Hauri. Ein großer Teil der Erkrankungen werde bei Personen festgestellt, die nicht in Deutschland geboren worden seien.

          Kindergesundheitsschutzgesetz

          Kein Trend lässt sich in Hessen bei der Zahl der Masernfälle beobachten, aber einen auffälligen Ausbruch gab es im Jahr 2005. Besonders im Gebiet Offenbach/Frankfurt/Wetteraukreis erkrankten in jenem Jahr ungewöhnlich viele Menschen, in ganz Hessen insgesamt 259. Eine nicht geimpfte 14 Jahre alte Schülerin starb an der scheinbar harmlosen Kinderkrankheit. In den folgenden Jahren traten jedoch wieder weniger Fälle auf: 2008 waren es 38, 2007 nur 13.

          Die einzige Infektionskrankheit, die inzwischen dank konsequenter Impfungen selbst in den entlegensten Teilen der Welt ganz ausgerottet werden konnte, sind die Pocken. Seit 2002 ist Deutschland von der Weltgesundheitsorganisation außerdem als „poliofrei“ zertifiziert. Die Kinderlähmung kann aber in Einzelfällen aus dem Ausland wieder eingeschleppt werden, vor allem aus Afrika und Südostasien. Auch Masern hält die Organisation für weltweit ausrottbar. Voraussetzung wäre dafür, dass 95 Prozent der Bevölkerung geimpft sind. In Deutschland haben etwa 90 Prozent der Erstklässler die erste der erforderlichen Masern-Impfungen erhalten, die zweite Impfung nahmen nur 70 Prozent wahr. In Hessen soll seit 2007 das Kindergesundheitsschutzgesetz dazu beitragen, dass Eltern ihre Kinder wie empfohlen impfen lassen. Es sieht vor, dass Kinder bei der Aufnahme in eine Gemeinschaftseinrichtung wie einer Kindertagesstätte eine Bescheinigung vorlegen, dass sie alle Schutzimpfungen erhalten haben oder dass die Impfung explizit nicht gewollt war. Dies soll bewirken, dass Eltern die Impfung zumindest nicht einfach vergessen.

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