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Kommentar : Irmer in der CDU fehl am Platz

  • -Aktualisiert am

Christdemokrat: Der hessische Landtagspolitiker Hans-Jürgen Irmer Bild: dpa

Hans-Jürgen Irmer hat nicht mehr viele Freunde in der CDU. Und auch seine kruden Ansichten zu Ausländern, Muslimen und Homosexuellen passen nicht recht zu einer Partei mit dem Attribut „christlich“.

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          Nicht wenige im Hessischen Landtag, auch jenseits der eigenen Fraktion, halten den CDU-Abgeordneten Hans-Jürgen Irmer für einen Menschen von überdurchschnittlicher Intelligenz. Klugheit hingegen sagt ihm schon lange niemand mehr nach, auch nicht in den eigenen Reihen. Allzu oft hat der Oberstudienrat aus Wetzlar mit abfälligen Äußerungen über Ausländer, Muslime und Homosexuelle die Grenzen des für eine Volkspartei Zumutbaren überschritten.

          Irmers Auffassung nach gibt es zu viele Muslime in Deutschland, steht der Koran in ursächlichem Zusammenhang mit dem islamischen Terrorismus und sind Homosexuelle „nicht normal“.

          Wer solche kruden Ansichten vertritt, sollte sich überlegen, ob eine unter dem Attribut „christlich“ firmierende Partei für ihn noch die richtige ist. Wer weiß, womöglich spielt Irmer schon mit dem Gedanken an einen Wechsel zur rechtspopulistischen AfD, wo Schwarzweißmalerei, Stammtischparolen und vermeintlich einfache Lösungen derzeit en vogue sind. Das wäre immerhin ein konsequenter Schritt und - auch wenn Irmer in seinem Wetzlarer Wahlkreis bei der Landtagswahl 2013 eine Mehrheit erreicht hat - für viele in der Hessen-Union inzwischen eher eine Erleichterung als ein Schock.

          Irmers am Samstag verkündeter Rückzug als stellvertretender Vorsitzender und bildungspolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion erfolgte allerdings alles andere als freiwillig. Anlass war vielmehr der geballte Zorn von CDU-Mandatsträgern, der wegen eines von ihm verfassten islamkritischen Artikels und einer von ihm zu verantwortenden korankritischen Anzeige bei einer Klausurtagung der Partei über dem Unbelehrbaren niederging. „Jetzt reicht’s“, lautete das Verdikt einer großen Mehrheit vor dem Hintergrund, dass es sich bei weitem nicht um die erste Grenzüberschreitung des CDU-Rechtsaußen handelt und er mit seinem Verhalten zunehmend die gedeihliche Zusammenarbeit in der schwarz-grünen Regierungskoalition gefährdet.

          Freunde hat der noch vor einem Jahr mit deutlicher Mehrheit zum Fraktionsvize gewählte Rechtsaußen zumindest unter den CDU-Landtagsabgeordneten nicht mehr viele. Selbst jene, die Irmers Ängste vor dem Islam nachvollziehen können, haben kein Verständnis für die Art und Weise, wie er sie artikuliert.

          Er stehe zu seinen Überzeugungen, deshalb habe er sich von der Spitze einer Fraktion zurückgezogen, die diese offenbar nicht teile, behauptet Irmer. Vielleicht kommt er in einem nächsten Schritt zu der Erkenntnis, dass er mit seiner dumpfdreisten Weltvorstellung in der CDU generell fehl am Platze ist. Die logische Konsequenz wäre der Parteiaustritt.

          Ralf Euler
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, verantwortlich für den Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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