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Kasseler Flughafen : Luftverkehrsverband gegen Ausbau von Calden

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Der hessische Steuerzahlerbund fordert eine neue Kosten-Nutzen-Berechnung zum Ausbau des Flughafens Kassel-Calden Bild: dpa

Der Luftverkehrsverband Barig hat sich angesichts absehbarer Mehrkosten von gut 70 Millionen Euro gegen einen Ausbau des Flughafens Kassel-Calden ausgesprochen. Keine seriöse Airline rechne mit realistischen Chancen, Strecken von Kassel aus mit einer vernünftigen Auslastung fliegen zu können.

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          Der Luftverkehrsverband Barig hat sich angesichts absehbarer Mehrkosten in Millionenhöhe gegen einen Ausbau des Flughafens Kassel-Calden ausgesprochen. „Aus Sicht der Fluggesellschaften spricht alles gegen den Standort“, erklärte Barig-Generalsekretär Martin Gaebges in Frankfurt. Keine seriöse Airline rechne mit realistischen Chancen, Strecken von Kassel aus mit einer vernünftigen Auslastung fliegen zu können. „In Kassel-Calden ist eine Investitionsruine programmiert.“ Die Gesellschafter müssten den Betrieb auf lange Sicht subventionieren. Der hessische Steuerzahlerbund fordert eine neue Kosten-Nutzen-Berechnung.

          Der Neubau des Flughafens wird nach neuen Berechnungen 225 Millionen Euro kosten statt der ursprünglich geplanten 151 Millionen Euro. Finanzminister Karlheinz Weimar (CDU) hatte die Mehrkosten in der vergangenen Woche vor allem mit gestiegenen Anforderungen an Sicherheitseinrichtungen begründet. Die Vertreter der Gesellschafter im Aufsichtsrat seien einstimmig für die Fortsetzung des Baus, so der Minister. Gesellschafter sind das Land, Stadt und Kreis Kassel und die Gemeinde Calden.

          Linksfraktion: Die Reißleine ziehen

          Barig hatte sich schon früher kritisch zu dem Neubau geäußert. Der Verband wies am Montag erneut darauf hin, es gebe im Umkreis von 1,5 Auto- oder ICE-Stunden um Kassel vier Flughäfen, nämlich Frankfurt, Hannover, Paderborn und Erfurt. Drei der Flughäfen seien bereits heute nicht ausgelastet.

          Der Bund der Steuerzahler Hessen forderte eine Überarbeitung der Kosten-Nutzen-Berechnung. Nach kritischen Äußerungen mehrerer Experten müsse der Landesregierung langsam klar werden, dass dieser Ausbau aus verkehrs- und finanzpolitischer Sicht unsinnig und aus volks- und betriebswirtschaftlicher Sicht äußerst fragwürdig sei, erklärte der Landesvorsitzende Ulrich Fried. „Ich sehe die große Gefahr, dass Steuergelder in einer Größenordnung von rund 225 Millionen Euro in den Sand gesetzt werden.“

          Die Linken im Landtag nannten die Barig-Erklärung eine Ohrfeige für die Landesregierung. Die Abgeordnete Marjana Schott forderte Weimar auf, „die Reißleine zu ziehen“. Dreistellige Millionensummen in ein unsinniges Projekt zu stecken, sei aberwitzig.

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