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Kassel-Calden : Motorsägen heulen für den Flughafenausbau

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Harvester bei der Arbeit: Per Holzerntemaschine werden Bäume nahe Kassel-Calden gefällt, um Platz für den Flughafen zu machen Bild: dpa

Mit der Rodung eines Wäldchens hat die heiße Phase im Ausbau des Flughafens Kassel-Calden begonnen. Forstarbeiter pflügten mit schwerem Gerät erste Schneisen in ein Waldgebiet an der B 7, die für die Erweiterung der Piste verlegt werden muss.

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          Im Kasseler Vorort Calden hat der Ausbau des Kasseler Flughafens begonnen. Bis Weihnachten sollen 13 Hektar Wald im Hegeholz gerodet werden. Auf der Fläche wird die Bundesstraße 7, die bislang Calden durchschneidet, um den Ort herumgeführt; sie wird künftig entlang dem neuen, erweiterten Flughafenareal verlaufen. Gegner des Ausbaus demonstrierten gestern nicht an der Baustelle gegen die Investition.

          Möglichst bis zum Jahr 2012 soll in Kassel-Calden eine Start- und Landebahn von 2.500 Metern Länge gebaut sein, die hindernisfrei für Flugzeuge zu erreichen sein wird. Die alte Bahn ist kürzer und nur unter Einschränkung zu nutzen, da Berge in der Verlängerung der Piste liegen. Die Kosten des Flughafenausbaus wurden im Jahr 2000 mit 150 Millionen Euro kalkuliert. Kritiker des Vorhabens fürchten, der Bau werde teurer. In den östlichen Bundesländern hingegen konnten während der vergangenen Jahre zahlreiche Infrastrukturprojekte günstiger als geplant gebaut werden, weil die Preise in der darbenden Baubranche gesunken waren.

          Schlüsselregion für Logistik

          Der Flughafen Calden zählt heute etwa 100 Starts und Landungen am Tag. Dort gibt es 600 zum Teil hochkomplexe Arbeitsplätze, vor allem in der Luftfahrtindustrie. 40 Prozent der Gewerbesteuereinnahmen der Stadt Kassel stammen von Unternehmen, die den Flughafen regelmäßig nutzen.

          Waldarbeiter zerlegten an Ort und Stelle die gefällten Bäume per Motorsäge

          Am Flughafen entsteht auch ein neues Gewerbegebiet. In und um Kassel fehlen gut erschlossene Gewerbeflächen. Alle Reserven wurden während der vergangenen Jahre innerhalb kurzer Frist verbraucht, da Kassel wegen seiner Lage zu einer Schlüsselregion für die Logistik geworden ist. Die Arbeitslosenquote in Nordhessen ist während der vergangenen zehn Jahre um etwa ein Drittel gesunken und liegt kaum noch höher als die im Süden des Landes.

          Ausgleichsmaßnahmen

          Nach der Rodung, teilte die Flughafengesellschaft mit, entstehe in der Nachbarschaft neuer Wald. Insgesamt würden auf 56 Hektar Ausgleichsfläche neue Bäume gepflanzt. Im Winter des nächsten Jahres sollen weitere vier Hektar des Hegeholzes gerodet werden. Auf der Fläche soll die sogenannte Anflugbefeuerung, das sind Landelichter, errichtet werden. Für die Sicherheit des Flugbetriebs werden zudem auf einem 33 Hektar großen Stück des Hegeholzes hohe Bäume entfernt und durch niedriger wachsende Baumarten ersetzt. Damit können sich nach Angaben der Flughafengesellschaft auf diesem Areal mit der Zeit niederwald- und mittelwaldähnliche Verhältnisse einstellen. Neu gepflanzt werden beispielsweise Elsbeere und Kirsche, aber auch Wildobstarten. Als Ausgleich für den Flughafen-Ausbau ist die ökologische Aufwertung auf mehr als 400 Hektar Fläche in der Umgebung vorgesehen.

          Die Bürgerinitiativen gegen den Flughafenneubau Kassel-Calden kritisierten die beginnende Rodung. Nachdem alle rechtlichen Verfahren gegen den Neubau beendet seien und mit dem Bau begonnen worden sei, erwarten die Bürgerinitiativen nach eigenen Worten eine aktuelle Kostenberechnung.

          VCD: „Hoher Schaden“

          Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) warnte vor einer „wirtschaftlichen Fehlentwicklung“. Den Investitionen in Höhe von mehr als 150 Millionen Euro stehe kein Nutzen, sondern ein „hoher Schaden“ gegenüber. Zusätzliche Arbeitsplätze werde es kaum geben. Der VCD erwatet sogar, dass durch den prognostizierten Flugverkehr anderen Wirtschaftszweigen Kaufkraft entzogen werde und heimische Jobs verlorengingen. Der VCD begründete dies nicht. Der Club fürchtet aber, dass der Flughafen subventioniert werden müsse, da alle Regionalflughäfen in Deutschland defizitär arbeiteten.

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