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Islamische Studien : Ministerin will Islamstudien in Mittelhessen

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Der Koran: Dieses Buch zu verstehen und auszulegen gehört zum Studium des Islams Bild: AFP

Das Fach Islamische Studien soll an den Universitäten Marburg und Gießen etabliert werden. Offenbar gibt es in der Regierung aber noch Gesprächsbedarf. Auch die Uni Frankfurt hat Fürsprecher.

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          Beim Aufbau eines mit Bundesmitteln geförderten Instituts für Islamische Studien in Hessen will das Wissenschaftsministerium die gemeinsame Initiative der Universitäten in Marburg und Gießen unterstützen. Wissenschaftsministerin Eva Kühne-Hörmann (CDU) sagte am Freitag, die beiden Universitäten böten „beste Voraussetzungen“ für die Institutionalisierung Islamischer Studien und die beabsichtigte Etablierung eines bekenntnisorientierten Religionsunterrichts. Auch das Land werde „erhebliche Mittel“ dafür aufwenden. Damit hätte die Universität in Frankfurt das Nachsehen.

          Der Wissenschaftsrat hatte im Januar empfohlen, an zwei bis drei staatlichen Hochschulen Einheiten für Islamische Studien zu schaffen. Dort sollen unter anderem Lehrer für einen Islamischen Religionsunterricht an Schulen ausgebildet werden. Das Bundesbildungsministerium hat dazu ein Förderprogramm aufgelegt – zunächst für fünf Jahre. Um Geld aus diesem Programm wollen sich die Universitäten in Marburg und Gießen gemeinsam bewerben; dabei werden sie vom Wissenschaftsministerium unterstützt.

          Unterstützung für Marbug und Gießen „logisch“

          Dessen Sprecher sagte, die Entscheidung sei „logisch“. Sie folge einer 2006 vorgenommenen Strukturreform, bei der das Zentrum für Nah- und Mitteloststudien nach Marburg gekommen sei. Frankfurt habe es damals nicht gewollt. Außerdem entspreche die Goethe-Universität nicht den Förderkriterien des Bundes; es gebe dort nicht das ganze vom Bund geforderte wissenschaftliche Umfeld.

          Der für Islamische Studien zuständige Vizepräsident der Frankfurter Universität, Matthias Lutz-Bachmann, meint hingegen, die Marburger Universität habe nicht die für die Einrichtung eines solchen Fachs nötige Infrastruktur. In Frankfurt gibt es seit 2009 ein Institut, an dem von diesem Wintersemester an das Fach Islamische Studien angeboten wird. Damit wird das bestehende Lehrangebot des Instituts und seiner Vorläufer weiterentwickelt. Verantwortlich für die Lehre sind jene Professoren, deren Lehrstühle von der türkischen Religionsbehörde Diyanet gestiftet worden sind. Die Behörde und die Universität kooperieren seit 2003 miteinander. Die Hochschule hatte vor, das Institut auch mit Mitteln des Bundes zu erweitern. Mit dem Verweis auf das schon bestehende Institut hatten muslimische Teilnehmer des Runden Tischs, der zur Vorbereitung eines Islamischen Religionsunterrichts in Hessen eingerichtet wurde, Kühne-Hörmann gebeten, Frankfurt zu unterstützen – offenbar ohne Erfolg.

          Jörg-Uwe Hahn: Frankfurt einige Schritte voraus

          Unterdessen hat sich aber auch Integrationsminister Jörg-Uwe Hahn (FDP) für Frankfurt ausgesprochen. Er bestätigte, dass er jüngst bei einem Empfang im Fastenmonat Ramadan gesagt habe, er wolle das, was in Marburg und Gießen geschehe, nicht kleinreden, aber Frankfurt sei schon einige Schritte voraus. Er sagte auf Anfrage zudem, Frankfurt sei der geeignete Ort, um die Einführung eines Islamischen Religionsunterrichts und die Migration wissenschaftlich zu begleiten. In seiner jüngsten Regierungserklärung hatte Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) den neuen Bachelorstudiengang in Frankfurt ausdrücklich befürwortet. Danach gefragt, sagte der Sprecher Kühne-Hörmanns, die Entscheidung des Ministeriums bedeute ja nicht das Ende des Frankfurter Modells. Die Marburger Universitätspräsidentin Katharina Krause hob hervor, dass die für eine Islamische Theologie nötigen „Bezugsfächer“ in Marburg und Gießen in seltener Vollständigkeit vorhanden seien. Sie verwies unter anderem auf das Zentrum für Nah- und Mitteloststudien, die Arabistik, die Iranistik und die Islamwissenschaft in Marburg, die Turkologie sowie das Zentrum Östliches Europa in Gießen. Die Universitäten hätten geistes- und sozialwissenschaftliche Schwerpunkte für Kulturräume aufgebaut, aus denen die meisten Zuwanderer islamischer Religion in Deutschland stammten, so Kühne-Hörmann.

          Gedacht ist daran, dass die Lehrenden zwischen den beiden Universitäten pendeln, um Vorlesungen und Seminare zu halten. Krause sagte, weil es seine Zeit brauche, bis die ersten Absolventen des Studiengangs als Lehrer für einen Islamischen Religionsunterricht zur Verfügung stünden, wolle man „möglichst zügig“ eine Weiterbildung anbieten, damit es schon vorher Lehrer geben könne.

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