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Investition von 130 Millionen Euro : Gießener Campus wird runderneuert

Noch zum Weglaufen hässlich: das Philosophikum an der Otto-Behaghel-Straße in Gießen Bild: Foto - F.A.Z. Wolfgang Eilmes

130 Millionen Euro stehen für die Sanierung des Universitätsstandorts Schiffenberger Tal bereit. Der Uni-Präsident rechnet aber mit Kosten in Höhe von 300 Millionen Euro.

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          Die Gießener Universität hat sich besonders in den Kultur- und Geisteswissenschaften einen Namen über Hessen hinaus erworben. Nicht Schritt gehalten damit hat die Entwicklung des Campus im Schiffenberger Tal. Um den Zustand vieler Gebäude ist es schlecht bestellt, sie entsprechen weder in Funktionalität noch in Ausstattung zeitgemäßen Anforderungen. Zudem bereitet die Bausubstanz der zum Teil mehr als 40 Jahre alten Gebäude Sorge, weil lange Zeit wenig für Sanierung und Renovierung getan wurde. Das Universitätsgelände am östlichen Stadtrand bedarf also der grundlegenden Erneuerung und Neustrukturierung. Gemeinsam mit dem Land und in Abstimmung mit der Stadt will die Justus-Liebig-Universität damit beginnen.

          Wolfram Ahlers

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für Mittelhessen und die Wetterau.

          Erster und wesentlicher Schritt ist ein städtebaulicher Wettbewerb, der die Frage beantworten soll, wie der im Osten der Stadt gelegene Campus sich künftig präsentiert. Dabei geht es in erster Linie zwar um das Areal mit einem halben Dutzend geisteswissenschaftlicher Fachbereiche auf einer Fläche von gut 30 Hektar. Von den Plänen betroffen sind zudem das umliegende Areal der juristischen und wirtschaftswissenschaftlichen Fakultäten und das Sportzentrum der Universität, also ein beachtliches Teil des Stadtgebiets zwischen Ortszentrum und der A 485.

          Stadt ein wichtiger Partner bei den Planungen

          All das tangiert die Verkehrsführung, von der Erweiterung bestehender Straßen bis zum Bau neuer Zubringer und Parkplätze. Weshalb auch die Stadt ein wichtiger Partner bei den Planungen ist. Die Ausschreibung für den Wettbewerb findet im nächsten Monat statt, der Sieger soll Ende des Jahres feststehen. Daran schließen sich 2012 die Bauplanungen für die Fakultäten an, in die sich auch Studenten, Dozenten und Verwaltungsmitarbeiter mit Vorschlägen einbringen können. 2014 sollen die ersten Bauvorhaben begonnen werden. Ermöglicht wird dieses Großprojekt, das in Etappen voraussichtlich mehr als ein Jahrzehnt in Anspruch nehmen wird, vor allem durch das Hochschulentwicklungsprogramm des Landes. Für Investitionen an der Gießener Universität stehen bis 2020 rund 135 Millionen Euro bereit.

          Nach den Worten von Universitätspräsident Joybrato Mukherjee zeichnet sich allerdings schon ab, dass sich bis Ende des Jahrzehnts nicht alle Vorhaben realisieren lassen und das bewilligte Geld aus dem Fördertopf nicht reicht. Das Gesamtinvestitionsvolumen beziffert er mit rund 300 Millionen Euro. Die Hochschulleitung setzt darauf, dass das fehlende Geld über eine Fortschreibung des Förderprogramms beschafft werden kann. Seine Zuversicht begründet der Universitätspräsident damit, dass der Sanierungs-, und Erneuerungsbedarf an der Liebig-Universität so groß sei wie an kaum einer hessischen Hochschule. Zum anderen benötige die Universität mehr Kapazitäten, um sich im Wettbewerb der Hochschulen besser behaupten zu können. Eine Reihe neuer Fächer und Studiengänge sind schon in den vergangenen Jahren ins Angebot gekommen, die Zahl der Studenten ist auf mehr als 24.000 gewachsen.

          Ausbau in den siebziger Jahren

          Hatte sich die 1607 gegründete Hochschule über mehr als 300 Jahre als Landesuniversität einen Namen gemacht, drohte ihr nach dem Zweiten Weltkrieg das Aus. Anders als Marburg wurde Gießen im Krieg zum Teil zerstört. Zahlreiche Gebäude fielen Bombenangriffen zum Opfer: Auch die meisten Universitätsbauten wurden vernichtet oder so beschädigt, dass ein Wiederaufbau nicht lohnte. Die damalige Ludwigs-Universität wurde geschlossen und sollte als Volluniversität auch nicht wieder eröffnet werden. Ende der vierziger Jahre belebte sich der Lehrbetrieb in bescheidenem Umfang als Spartenhochschule für Veterinärmedizin und Bodenkunde dann doch wieder.

          Später kam eine humanmedizinische Fakultät hinzu, und als Teil einer ersten Welle von Hochschulneugründungen in Deutschland kam man wieder auf Gießen zurück. Für die nach dem Gießener Chemiker Justus Liebig benannte Universität brauchte es Platz. Zunächst mussten vor allem die Geisteswissenschaften mit Provisorien vorliebnehmen, bis in den sechziger Jahren zusätzlich zum Hochschulquartier zwischen Bahnhof und Stadtring im Schiffenberger Tal ein neuer Campus entstand. Nur wenige Jahre nach Eröffnung zeichnete sich aber schon ab, dass die Universität weitere Forschungs- und Lehrgebäude brauchte, um die Zahl an Studenten aufnehmen zu können. Also folgte mit Beginn der siebziger Jahre eine abermalige Erweiterung im Schiffenberger Tal; der Campus dort wuchs in etwa auf das Doppelte seiner ursprünglichen Fläche. Heute studieren an diesem Standort ungefähr 10.000 Kommilitonen.

          Neues Erweiterungsgebäude für die Zentralbibliothek

          Hatten die Planer für den nun anstehenden Ausbau zunächst erwogen, sämtliche Gebäude zu sanieren und umzugestalten, stellten Gutachter fest, dass in den meisten Fällen Neubauten nicht teurer kämen. Vor allem Häuser auf dem Gelände des Philosophikums I, das in den siebziger Jahren entstand, sollen durch neue Institutsbauten ersetzt werden. In besserem Zustand befindet sich der Gebäudebestand des Philosophikums II aus den sechziger Jahren. Dort geht es vorrangig um Sanierungen. Als größtes Neubauvorhaben ist ein Erweiterungsgebäude für die Zentralbibliothek konzipiert, deren Bestände mit der Erweiterung des Fächerangebots erheblich gewachsen sind. Zudem braucht es neue Lesesäle und Arbeitsplätze für Bedienstete. Besonders wichtig ist der Bau eines neuen zentralen Unterrichtsgebäudes für mehrere Fachbereiche. Auch die seit längerem geplante größere Mensa soll in der ersten Bauphase verwirklicht werden.

          Die Arbeiten werden für Jahre parallel zum Lehrbetrieb stattfinden. Die Bauplanung muss eine Art Management einführen, das möglichst auf die Woche genau festlegt, wann und innerhalb welcher Zeit die Projekte zu realisieren sind.

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