https://www.faz.net/-gzg-8lryy

Johann Peter Krafft : In Österreich verehrt, in Hanau fast vergessen

Der Historien- und Porträtmaler Johann Peter Krafft gilt als einer der berühmtesten Maler seiner Zeit. Auch in Hanau soll sein Ansehen wachsen.

          Was haben die Brüder Grimm und Johann Peter Krafft gemeinsam? Sie alle sind Berühmtheiten auf ihren Fachgebieten, sie wurden in Hanau geboren, und sie verließen die Stadt schon in jungen Jahren. Die Märchensammler Jacob und Wilhelm Grimm verabschiedeten sich von ihrer Geburtsstadt als Kinder, der Maler Johann Peter Krafft ging im Alter von 19 Jahren nach Wien, wo er als Historienmaler und Porträtist Karriere machte. Seine teils monumentalen Gemälde hängen heute nicht nur im Tiroler Landtag und im Wiener Belvedere, sondern auch im Museum Eremitage in Sankt Petersburg, im Deutschen Historischen Museum in Berlin und im Pariser Louvre. Auch im Kaisersaal des Frankfurter Römers ist Krafft vertreten: Seine Darstellung von Ferdinand II. reiht sich ein in die Kaisergalerie, denn die Habsburger selbst hatten Krafft damit beauftragt.

          Luise Glaser-Lotz

          Korrespondentin der Rhein-Main-Zeitung für den Main-Kinzig-Kreis.

          Während die Österreicher Johann Peter Krafft als eine Art Nationalmaler verehren, gilt er im eigenen Land eher wenig. In Hanau, das sich Brüder-Grimm-Stadt nennt, reicht sein Stellenwert bei weitem nicht an das der berühmten Brüder heran. Auch andere große Söhne der Stadt wie der Tierplastiker August Gaul und der Komponist Paul Hindemith werden umfassend gewürdigt, etwa mit dem Paul Hindemith Musikpreis sowie einer Museumsabteilung in Gauls Geburtsort Großauheim. Für den Maler Moritz Daniel Oppenheim ließ die Stadt ein Denkmal auf dem Freiheitsplatz errichten, und Ludwig Emil, dem malenden Grimm-Bruder, ist ein Kunstpreis gewidmet. Mit dem Namen Johann Peter Krafft aber können nur wenige Hanauer etwas anfangen, dabei äußerte schon Johann Wolfgang von Goethe über den Maler, dieser sei ein genialer Künstler, der auch aus der Ferne seiner Vaterstadt alle Ehre mache.

          Teil der Hanauer Migrationsgeschichte

          Für Katharina Bechler, Leiterin der städtischen Museen, gilt das Vermächtnis von Johann Peter Krafft als großer kultureller Schatz. Um den Maler ins Gedächtnis der Stadt zurückzurufen, organisierte sie die Ausstellung „Wiener Welten – Johann Peter Krafft“ in den Galerieräumen des Museums Schloss Philippsruhe mit wertvollen Leihgaben (F.A.Z. vom 7. Juli). In der Person von Johann Peter Krafft und in seiner Familie konzentrieren sich viele Aspekte, die das Hanauer Kultur-, Sozial- und Wirtschaftsleben einst geprägt haben, sagt Bechler. Das beginnt bei seiner Abstammung. Krafft wurde am 15. September 1780 als Sohn des aus dem Elsass stammenden Emailmalers Johann Ignaz Krafft und dessen Gattin Anna Katharina Magdalena Donné, Tochter eines protestantischen Textilfabrikanten, in Hanau geboren.

          In der Stadt am Main wurde die französisch-protestantische Familie Teil der Hanauer Migrationsgeschichte, die geprägt war von der Gründung der Neustadt durch die niederländisch-wallonischen Glaubensanhänger. Calvinistische Flüchtlinge aus Antwerpen, Flandern und der Wallonie hatten im ausgehenden sechzehnten Jahrhundert nicht nur den Grundstein für den neuen Teil Hanaus gelegt, sondern auch dafür gesorgt, dass sich die Stadt mit der Ansiedlung von Juwelieren und Edelmetallschmieden aus Frankreich zu einem europäischen Zentrum für die Herstellung von Schmuck, Golddosen und weiterer kostbarer Galanteriewaren entwickelte.

          Weitere Themen

          Abtreibungsgegner auf Abstand

          Mahnwachen vor Beratungsstelle : Abtreibungsgegner auf Abstand

          Immer wieder demonstrieren Abtreibungsgegner vor Beratungsstellen oder Arztpraxen. Die Linke in Hessen will diesen Kundgebungen per Gesetz einen Riegel vorschieben – unklar ist, ob das mit dem Grundgesetz vereinbar ist.

          Topmeldungen

          So sieht sich 8Chan selbst: Twitterprofil der Plattform.

          Internetforum „8chan“ : Der Alpha und die Betas

          Vom Meme zum Massaker: Wie radikalisieren sich junge Männer in Internetforen wie „8chan“? Warum verehren sie Donald Trump? Und warum gibt es sie überhaupt?

          Eintracht Frankfurt : Wie ein Achtelfinale

          Eintracht-Torhüter Kevin Trapp erwartet ein „großes“ Play-off-Hinspiel bei Racing Straßburg und misst ihm besondere Bedeutung bei. Rund um das Stadion gelten für die rund 1200 Anhänger besondere Auflagen.
          Sparen, damit man es im Alter krachen lassen kann: Haben sich womöglich die Präferenzen der Menschen verändert?

          Debatte über das Sparen : Lieber später als heute das Geld auf den Kopf hauen

          Bisher dachten Wissenschaftler, Menschen geben Geld lieber heute als später aus. Doch in einer alternden Gesellschaft könnte sich das ändern. Das würde auch das Phänomen negativer Zinsen erklären. Müssen Ökonomen ihre Lehrbücher umschreiben?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.