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Im Gespräch: Margarita Kaufmann, Odenwaldschule : „Wir öffnen unsere Türen für jede Inspektion“

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Will an den Prinzipien des Gründers Paul Geheeb festhalten: Margarita Kaufmann, Schulleiterin der Odenwaldschule Bild: Wonge Bergmann

Margarita Kaufmann ist seit 2007 Leiterin der Reformschule in Heppenheim. Im Interview äußert sie sich um Umgang mit den Missbrauchsvorwürfen. An den Prinzipien des Gründers Paul Geheeb will sie festhalten.

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          Margarita Kaufmann, 54 Jahre alt, ist seit 2007 Leiterin der Reformschule. An den Prinzipien des Gründers Paul Geheeb will sie festhalten.

          Jetzt gerät der Trägerverein der Odenwaldschule in die Kritik. Hat er in der Vergangenheit richtig gehandelt, wie reagiert er aktuell?

          Der Trägerverein der Odenwaldschule wird durch den Vorstand vertreten. Dieser hat die Aufarbeitung mitgetragen und war zum Beispiel in den sogenannten Frankfurter Gesprächen durch eine Person vertreten. In der letzten Vorstandssitzung am 26. Februar wurde der von mir vorgelegte Maßnahmenkatalog verabschiedet. Über seine Haltung und Aktivitäten in der Vergangenheit kann ich nicht urteilen. Der Vorstand hat sich sicher auch 1998 und 1999 hinter die Schulleitung gestellt, die vor Ort entschieden hat, wie die Schule mit dem Thema umgeht.

          Ist die Schule nach den jüngst bekanntgewordenen Vorwürfen nicht grundsätzlich in Gefahr?

          Die Schule geriete dann in Gefahr, wenn sie nun nicht handeln würde. Ich sehe mich in der Verpflichtung, besonders auch im Hinblick auf das Jubiläum und in Verpflichtung gegenüber dem Schulgründer Paul Geheeb, die Schule wieder auf gesunde – und da meine ich auch moralische – Füße zu stellen. Erst wenn diese Vorfälle aufgearbeitet sind, wird die Odenwaldschule innerlich gesunden können. Grundsätzlich halten wir an dem Vermächtnis Paul Geheebs fest, der sich für eine Pädagogik vom Kinde aus und eine Ganzheitlichkeit der Bildung einsetzte. Lernen mit Kopf, Herz und Hand. Und das Motto des griechischen Philosophen Pindar „Werde, der du bist“ ist uns dabei erster Wegweiser.

          Schon heißt es, das Land wolle Genehmigungen überprüfen. Müssen Sie sich sorgen?

          Zunächst bin ich dankbar für jede Unterstützung im Bezug auf Aufklärung, ich stehe auch im Kontakt mit Ministerin Henzler und dem regional zuständigen Schulamt. Da die aktuell bekannten Vorfälle in den siebziger und achtziger Jahren geschahen, ist diese Sorge hoffentlich nicht so sehr begründet. Wir öffnen selbstverständlich unsere Türen für jede Form der Schulinspektion.

          Wie hat die Schule in den vergangenen Jahren vorgesorgt, dass sich die schlimmen Vorkommnisse der Vergangenheit nicht wiederholen?

          Die Personalauswahl ist ein Thema, dem wir uns sehr ausführlich und sorgfältig widmen. Alle neuen Mitarbeiter haben ein Jahr Probezeit, wir fragen vor der Festeinstellung direkte Kollegen, auch die aus dem Heimbereich, und wir fragen unseren Vertrauensausschuss, der sich aus Schülern zusammensetzt, die vorher in der Schule Erkundigungen einholen. Die Schule hat Supervision eingeführt, regelmäßige Familienhauptbesprechungen und diesen Ausschuss zum Schutz vor sexualisierter Gewalt. Wir streben grundsätzlich eine doppelte Familienführung an, so dass immer zwei Personen eine Heimfamilie betreuen.

          Wie reagieren die derzeitigen Schüler auf die Vorkommnisse von damals?

          Das Interesse ist groß, die Schüler reden viel, fragen und sehen natürlich das riesige Medieninteresse, das nicht alle gut finden. Heute Morgen haben wir eine sogenannte Schulgemeinde durchgeführt, eine Schulversammlung, die Paul Geheeb eingeführt hat. Dabei kamen alle Schüler und Mitarbeiter zusammen, und wir haben sehr offen darüber gesprochen. Mein Anliegen war dabei auch, den Schülern deutlich zu machen, dass zu jeder Zeit viel Mut notwendig ist, um sich gegen Übergriffe jeder Art zu wehren, und dass der derzeitige Blick in die Vergangenheit an uns die Frage stellt, ob wir anders gehandelt hätten, als damals gehandelt wurde, ob wir den Mut gehabt hätten, an die Öffentlichkeit zu gehen oder zumindest Missstände anzuzeigen.

          Die Fragen stellte Werner Breunig.

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