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Im Gespräch: Dorothea Henzler und Mathias Wagner : „Noch zuwenig auf den Weg gebracht“

Dorothea Henzler (FDP): „Eine klare Linie ist noch nicht zu erkennen” Bild: Frank Röth

Die hessischen Landtagsabgeordneten Dorothea Henzler (FDP) und Mathias Wagner (Die Grünen) sprechen im Interview über Schulpolitik, den neuen Kultusminister Jürgen Banzer und eine mögliche Jamaika-Koalition.

          5 Min.

          Frau Henzler, Herr Wagner, angenommen, Sie sollten einem Freund im Ausland erzählen, was in der hessischen Schulpolitik gerade passiert. Was sagen Sie?

          Ralf Euler
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, verantwortlich für den Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
          Jacqueline Vogt
          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung, verantwortlich für den Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Henzler: In Hessen ist momentan alles im Umbruch, und augenscheinlich ist alles möglich. Eine klare Linie ist aber noch nicht zu erkennen, und niemand weiß, wo es wirklich hingehen wird.

          Wagner: Ich würde ihm sagen, es ist eine sehr spannende Zeit, und manches, was bisher als unveränderbar galt, ist in Bewegung gekommen. Ich schließe mich Frau Henzler dahingehend an, dass bisher zuwenig wirklich auf den Weg gebracht worden ist. Die geschäftsführende Landesregierung ist eine Ankündigungsregierung und keine, die kraftvoll handelt.

          Mathias Wagner (Die Grünen): „Wir wollen 1000 neue Lehrer”
          Mathias Wagner (Die Grünen): „Wir wollen 1000 neue Lehrer” : Bild: Frank Röth

          Der neue CDU-Kultusminister Jürgen Banzer hat einige Positionen seiner Vorgängerin geräumt. Was hat er bis jetzt richtig gemacht?

          Henzler: Er geht ganz anders auf die Schulen zu, offen und vertrauensvoll und begegnet ihnen nicht mit dem abgrundtiefen Misstrauen, wie es das Ende der Amtszeit von Karin Wolff gezeigt hat. Er tritt angenehm auf, und das kommt rüber, obwohl er viele Dinge noch nicht hat anweisen lassen, die dringend nötig wären. Es wäre nämlich sehr viel administrativ zu erledigen, damit die größten Baustellen bereinigt werden.

          Welche?

          Henzler: Zum Beispiel ist im Dezember 2007 schon beschlossen worden, dass Schulen Girokonten führen dürfen. Dazu gibt es aber bis heute keine Verordnung, und deshalb kann auch kein Geld bei den Schulen direkt ankommen.

          Wagner: Banzer macht richtig, dass er Offenheit signalisiert. Was er wirklich will, ist aber noch nicht erkennbar. Die Schulpolitik der vergangenen Jahre war in Hessen von Karin Wolff und von Roland Koch bestimmt, und was der Ministerpräsident jetzt will und damit die CDU, ist noch nicht klar: Ändert die Partei ihren Kurs mit Jürgen Banzer, oder tut sie das nicht?

          Klar gesagt worden ist etwas zum Thema G8. Nicht nur sollen, wie der Landtag eine Initiative der Grünen beschloss, die kooperativen Gesamtschulen zwischen verkürzter und neunjähriger Gymnasialzeit wählen können. Der Kultusminister will diese Wahlfreiheit auch für Gymnasien. Ist das nur Kosmetik?

          Wagner: Vor allem ist es verwunderlich, dass er diese Debatte jetzt führt. Er hat nämlich keinerlei Initiative ergriffen, diese Wahlfreiheit herbeizuführen, und aufgrund dieser Tatenlosigkeit könnte das frühestens zum Schuljahr 2009/2010 greifen. Was Herrn Banzer reitet, mit einem Jahr Vorlaufzeit so eine Diskussion loszutreten und Unruhe in die Schulen zu bringen, ist für mich nicht nachvollziehbar.

          Henzler: Die Wahlfreiheit für die kooperativen Gesamtschulen ist eine alte FDP-Forderung. Karin Wolff hatte das damals abgelehnt mit dem Argument, das bedeute zuviel Unruhe. Wir brauchen Alternativen zu G8 am Gymnasium, aber innerhalb des Gymnasiums beides zu machen ist nicht förderlich.

          Wahrscheinlich wird es doch darauf hinauslaufen, dass ein großer Teil der Gymnasien gar nicht zu G9 zurückkehren will.

          Henzler: Das sind die Signale aus der Schulpraxis. Deshalb meine ich ja, wir sollten die Gymnasien lassen, wie sie sind, mit G8, aber die Rahmenbedingungen verbessern.

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