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Hotline für Nahverkehr : „Wann kommt meine Bahn?“

Manch einer sieht die Fusion der Verkehrsverbünde RMV und NVV als ungeschickt an (hier ein Bus des RMVs). Die Lösung: eine Kooperation. Bild: Rainer Wohlfahrt

Wie komme ich von Bruchköbel nach Hochheim? Wann fährt die letzte S-Bahn zum Flughafen? Warum kommt mein Bus nicht? Frankfurt möchte eine zentrale, unentgeltliche Hotline für den gesamten Nahverkehr der Region.

          Wie komme ich von Bruchköbel nach Hochheim? Wann fährt die letzte S-Bahn zum Flughafen? Warum kommt mein Bus nicht? Durchschnittlich 600 Anrufe dieser Art gehen täglich über die RMV-Hotline beim Rhein-Main-Verkehrsverbund ein. Bei Eis und Schnee sogar bis zu 1000. Die Telefonnummer kann man sich gut merken: Zuerst die Servicenummer 0 18 05, dann „RMVinfo“ in der Reihenfolge der Buchstaben auf dem Display des Mobiltelefons wählen, also 76 84 63 6. Die Hotline ist 24 Stunden am Tag besetzt. Wer dort anruft, möchte in der Regel Fahrplanauskünfte und Ratschläge bekommen. Manche beschweren sich aber auch, weil eine Straßenbahn dreckig war, ein Busfahrer unfreundlich oder eine Haltestelle schlecht beleuchtet.

          Hans Riebsamen

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Obwohl der Frankfurter Nahverkehr Teil des Rhein-Main-Verkehrsverbundes ist und man über die RMV-Hotline jederzeit Auskünfte über den Verkehr in der Mainmetropole bekommt, betreibt auch die Frankfurter Nahverkehrsgesellschaft Traffiq 24 Stunden am Tag eine eigene Hotline. Sie beginnt ebenfalls mit der Servicenummer 0 18 05, danach folgen 069 960, also die Frankfurter Vorwahlnummer einmal in der richtigen und einmal in der umgekehrten Reihenfolge. Traffiq habe von der Stadt Frankfurt den Auftrag zur Kundenbetreuung erhalten, sagt Unternehmenssprecher Peter Lieneck. Traffiq könne mit dem Infotelefon lokale Informationen weitergeben, die sonst dem Kunden nicht bekannt würden. Die Kosten für die eigene Hotline lägen bei 120.000 bis 130.000 Euro im Jahr.

          Möglichst noch vor dem Fahrplanwechsel im Dezember soll eine Lösung gefunden sein

          In Frankfurt gibt es sogar noch eine dritte Hotline, nämlich die der Frankfurter Verkehrsgesellschaft (VGF), die in der Stadt die Straßenbahnen, U-Bahnen und einen Teil des Busverkehrs betreibt. Ihre Nummer lautet 069 / 19449. Allerdings bekommt der Kunde dort nur während der normalen werktäglichen Geschäftszeiten von 8 bis 19 Uhr und samstags von 10 bis 18 Uhr Auskunft. Man könne auf eine eigene Nummer nicht verzichten, sagt ein VGF-Sprecher, weil man einen direkten Draht zum Kunden benötige. Über die Beschwerden erfahre die VGF schnell, wo es im Unternehmen Defizite gebe. Bei Fahrplanauskünften seien die Kunden beim RMV mit seiner Hotline gut aufgehoben.

          Jetzt möchten CDU und Grüne in Frankfurt eine gemeinsame Beschwerde- und Informations-Nummer aller drei genannten Gesellschaften einrichten. Die stadteigene Traffiq solle eine zentrale und nach Möglichkeit kostenfreie Rufnummer einrichten, heißt es in einem gemeinsamen Antrag der Koalitionspartner an die Stadtverordnetenversammlung. Traffiq möge darüber Verhandlungen mit dem Rhein-Main-Verkehrsverbund aufnehmen. Möglichst noch vor dem Fahrplanwechsel im Dezember soll eine Lösung gefunden sein.

          „Beschwerdenummer“ oder Informationsangebot?

          Keinesfalls darf es aber nach dem Willen von CDU und Grünen einen Frankfurter Insellösung geben. Denn wenn nur Frankfurt das Info-Telefon gebührenfrei stelle, wichen viele Kunden aus der Region auf das unentgeltliche Frankfurter Angebot aus. Die Stadt hätte die Kosten auch für Nicht-Frankfurter zu tragen.

          Beim RMV weist man darauf hin, dass es eine solche genannte Nummer längst gebe, nämlich besagte 01805RMVinfo. Den Begriff „Beschwerdenummer“ halten die Verbundverwalter in Hofheim allerdings für falsch gewählt, sie begreifen die Hotline in erster Linie als Informationsangebot. Beschwerden werden zwar auch über diese Nummer angenommen. Doch weil dabei erfahrungsgemäß leicht Missverständnisse auftreten, empfiehlt der RMV den Kunden, ihre Klagen in einem E-Mail-Vordruck oder einem Brief schriftlich zu formulieren. Dann könne ein Missstand zielsicher abgestellt werden.

          Mehrkosten bis zu einer viertel Million Euro im Jahr

          Skeptisch sieht man beim RMV die Frankfurter Forderung nach einer gebührenfreien Nummer. Bisher zahlt ein Anrufern, der aus dem Festnetz die Hotline-Stelle des RMV oder der Traffiq anwählt, 14 Cent pro Minute. Die Nummer des VGF ist ihrerseits aus dem Frankfurter Netz zum Ortstarif zu erreichen. Die im RMV vereinten Kommunen haben sich auf geteilte Kosten geeinigt. Will heißen: Jeder Anrufer, ob er nun aus Hanau, Wiesbaden oder der Wetterau telefoniert, zahlt denselben Minutentarif, nämlich 14 Cent. Bei Anrufen über das Handy hängen die Höhe der Kosten vom jeweiligen Tarif des Anrufers ab.

          Würde die RMV-Hotline für die Anrufer kostenfrei gestaltet, könnte dies teuer für den Verbund werden. Man rechnet in der Hofheimer Zentrale mit Mehrkosten bis zu einer viertel Million Euro im Jahr. Sie müssten von den Gesellschaftern, also von allen Kommunen und Kreisen im Verbund, gemeinsam getragen werden. Die Frage lautet für den RMV, ob dies eine vernünftige Ausgabe wäre und ob man das Geld nicht besser in den Verkehr auf den Strecken stecken sollte. Bei den anderen großen Verkehrsverbünden in Deutschland, so heißt es, würden die Info- und Beschwerdetelefone auch nicht unentgeltlich angeboten. Man sei aber durchaus bereit, mit Frankfurt eine Lösung zu finden. Zuständig für die Hotline ist RMV-Sprecher Peter Vollmer. Er ist aufgeschlossen für Gespräche mit den Frankfurtern: „Wir sind bereit, eine Lösung zu finden. Sie muss aber finanziell vertretbar sein.“

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