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Autor Seep Jakobs im Porträt : Mit dem King im Kurhotel

Hochschulsprecher und Autor: Erhard alias Seep Jakobs, daheim in Laubach Bild: Rainer Wohlfahrt

Unter seinem bürgerlichen Namen spricht Erhard Jakobs für die Technische Hochschule Mittelhessen. Unter dem Künstlernamen Seep verfasst er Lyrik und Geschichten. Ein Porträt.

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          Spätestens nach vier, fünf Seiten fragt sich der Leser: Hat der Autor wirklich Caleb Followill, den Frontmann der Alternative-Rock-Band Kings of Leon, in einem italienischen Kurhotel getroffen? Schließlich hat die amerikanische Gruppe, die neulich beim Hessentag in Rüsselsheim war, 2010 eine Tournee abbrechen müssen und dies auf ihrer Internetseite mit Erschöpfung und Stimmproblemen von Sänger Followill begründet. Könnte also hinkommen. Und Autor Seep Jakobs beschreibt die Begegnung so glaubwürdig, dass die Frage nach einer Antwort verlangt. Darauf angesprochen, lächelt Jakobs fein und holt zu einer Erklärung aus. Aber dazu später.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die einen schreiben Bücher für ihren Lebensunterhalt. Besonders Schauspieler schaffen auf diese Weise gerne eine zweite Einnahmequelle. Andere wiederum probieren aus, ob Texte überhaupt als Ausdrucksform für sie taugen. Auf Seep Jakobs trifft nichts von alledem zu. Der 58 Jahre alte gebürtige Trierer verdient als Pressesprecher der Technischen Hochschule Mittelhessen sein Geld und schreibt in seiner Freizeit. Zu sagen, das tue er nebenbei, wäre ungerecht. Jakobs verfasst schon deutlich länger Gedichte, Kurzgeschichten und Romane als Pressetexte für die Fachhochschule. Seit vier Jahrzehnten, um es genau zu sagen.

          Eine Art geistiges Zentrum im Wald

          Sein Erweckungserlebnis hatte er seinerzeit in einer Künstlerkolonie im Wald nahe seinem Heimatdorf. „Das war eine Art geistiges Zentrum, das man als Dörfler mit einer Großstadt oder Universität verband.“ An diesem Ort der Steinbildhauerei habe er das literarische Schreiben eingeführt. Als Sprecher arbeitet Jakobs dagegen erst seit Mitte der achtziger Jahre, zuerst in Mainz, wo er auch Journalismus, Germanistik und Philosophie studierte, und seit 1991 in Gießen.

          Die Trennung zwischen Broterwerb und seiner Rolle als Autor zeigt sich an seinem Teilpseudonym, unter dem er auch vor ein paar Wochen den Kurzgeschichtenband „Kommen und Gehen“ vorgelegt hat. Auf dem Cover des mit gelbem Ganzleinen, Gold-Reliefprägung und Lesebändchen hochwertig gearbeiteten Buchs steht eben Seep Jakobs als Verfasser. Wer an der Technischen Hochschule einen Mann mit diesem Namen sucht, wird indes nicht fündig, jedenfalls nicht gleich. Denn der Pressesprecher Jakobs heißt Erhard. Der Name Seep geht auf seinen Großvater mütterlicherseits zurück. Der hieß Josef, nannte sich wegen einer Liebe zum Lateinischen Josephus, woraus wiederum die Kurzform entstand. „So hat er sich tituliert, wenn er ein paar Gläser Wein intus hatte“, sagt Jakobs lächelnd und fügt hinzu, jemand aus der Familie habe geglaubt, er ähnele dem Opa. So sei er zu Seep gekommen.

          Sich so zu nennen folge einer grundsätzlichen Erwägung. Anders als die Sprecherarbeit sei das Schreiben sein „selbstbestimmtes Spiel“ und ein Stück weit auch Selbstvergewisserung. „Ich habe nichts anderes gelernt“, fügt er trocken hinzu. Dass der Justitiar der Hochschule ihn bei Lesungen mit der Gitarre begleite, sei keine Vermengung von Beruf und künstlerischem Hobby: „Er macht das ja nicht als Justitiar, sondern als Freund.“

          „Der vierte Flur hat etwas Irres“

          Für Lesungen aus seinem neuen, mit 43 Zeichnungen illustrierten Band „Kommen und Gehen“ (Edition Buschwerk) kann er aus zwölf Kurzgeschichten auswählen. Zweieinhalb Jahre hat er für das Buch gebraucht, das eine eigentümliche Ordnung aufweist: Jakobs hat die Storys in einem Gästehaus plaziert und dasselbe in Flure unterteilt. Auf dem ersten Flur begegnen dem Leser junge Leute zwischen Schule, Studium und Berufsleben, auf dem zweiten dominieren Studenten aus einer Zeit, in der alternative Lebensweisen noch in Mode waren und Karriere nicht so im Vordergrund stand. „Das Studium haben wir als Schonzeit empfunden“, sagt Jakobs rückblickend. Der dritte Flur ist für Menschen im Berufsleben reserviert und für den mitunter gewaltigen Unterschied, wie sich Personen einerseits privat und andererseits öffentlich geben.

          „Der vierte Flur hat etwas Irres“, sagt der Autor selbst. Genau dort taucht der Frontmann von Kings of Leon auf und spielt auf der Gitarre des Erzählers. Und wie war das nun – hat er Caleb Followill getroffen? „Ich bin nicht wie Karl May, der über Amerika geschrieben hat, ohne jemals dort gewesen zu sein – ich schreibe lieber über das, was ich geschnuppert, gesehen und geschmeckt habe.“ Das Kurhotel kenne er. Die Platten der Kings of Leon kenne er auch. „Aber fragen Sie mich nicht, wie ich darauf gekommen bin, den Sänger in dem Hotel auftauchen zu lassen.“

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