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Hessischer Friedenspreis : Der Koran als Friedenslehre

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Friedensaktivistin: Die 45 Jahre alte Dekha Ibrahim Abdi aus Kenia Bild: dpa

Die kenianische Friedensaktivistin Dekha Ibrahim Abdi erhält den Hessischen Friedenspreis 2009. Die 45 Jahre alte Muslimin ist eine weltweit tätige Friedensaktivistin, die sich besonders um die Vermittlung in ethnisch-religiösen Konflikten bemüht.

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          Die kenianische Friedensaktivistin Dekha Ibrahim Abdi erhält den Hessischen Friedenspreis 2009. Die 45 Jahre alte Muslimin sei eine weltweit tätige Friedensaktivistin, die sich besonders um die Vermittlung in ethnisch-religiösen Konflikten bemühe, sagte Harald Müller, der Vorstandsvorsitzende der Hessischen Stiftung für Friedens- und Konfliktforschung, in Wiesbaden. Die Kraft für ihre Arbeit schöpfe Abdi, die 2005 für den Friedensnobelpreis nominiert war und 2007 den Alternativen Nobelpreis erhielt, aus ihrer Religion; den Koran verstehe sie als Friedenslehre.

          Ralf Euler

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, verantwortlich für den Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Bereits als junge Frau habe sich Abdi für die gewaltfreie Konfliktlösung eingesetzt, berichtet Müller weiter. Ihr Friedenskonzept kombiniere akademische Theorie mit praktischen Erfahrungen und diskretem Einsatz für ein friedliches Zusammenleben mit öffentlicher Mobilisierung. Abdi wuchs nach Angaben von Müller im Nordosten Kenias in der Grenzregion zu Somalia mit christlichen Schulfreundinnen auf und habe dort bereits als Schülerin eine Gruppe von Vermittlern um sich geschart, um gewaltsamen Auseinandersetzungen vorzubeugen. Als in dem Gebiet 1998 Muslime brutal gegen Christen vorgegangen seien, habe sie einen Nothilfeausschuss muslimischer Frauen gegründet, die christliche Frauen geschützt hätten.

          Zivilgesellschaftliches Friedensengagement

          In Schwarzafrika, das häufig als hoffnungsloser Fall abgestempelt werde, übernähmen gerade Frauen oft eine tragende Rolle in der Zivilgesellschaft, sagte der hessische Friedensforscher. Die zahlreichen ethnischen und religiösen Konflikte in Afrika seien „keine Naturgegebenheiten“, sondern würden von einem „Gewaltunternehmertum“ geschürt. Dem setzten Frauen wie Abdi das Konzept eines „Friedensunternehmertums“ entgegen. Auf einem Kontinent, in dem die Politik oft „Teil des Problems“ sei, biete die Preisträgerin ein herausragendes Beispiel für zivilgesellschaftliches Friedensengagement.

          Der mit 25.000 Euro dotierte Friedenspreis wird am 21. Januar im Landtag in Wiesbaden überreicht. Die Laudatio wird die Generalsekretärin der deutschen Sektion von Amnesty International, Monika Lüke, halten. Abdi ist nach der ersten Preisträgerin, der Norwegerin Marianne Heiberg-Holst, die 1994 für ihre Vermittlungsbemühungen zwischen Israel und der Palästinensischen Befreiungsorganisation PLO ausgezeichnet wurde, die zweite Frau, die den Preis bekommt.

          Kuratorium

          Der Hessische Friedenspreis wurde 1993 vom früheren Ministerpräsidenten Albert Osswald (SPD) und der von ihm begründeten Stiftung ins Leben gerufen und wird jedes Jahr vergeben. Dem Kuratorium gehören unter anderen Landtagspräsident Norbert Kartmann (CDU) und sein Stellvertreter Lothar Quanz (SPD), der frühere hessische Finanzminister Karl Starzacher (SPD) sowie Vertreter der drei deutschen Friedensforschungsinstitute in Frankfurt, Hamburg und Heidelberg an.

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