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Hessische Politiker : Im Urlaub keine Experimente

Macht Pause von der Politik: Dorothea Henzler wandert. Bild: Wolfgang Eilmes

Die hessischen Politiker bleiben ihren Ferienorten treu, nur Umweltministerin Puttrich geht in die Luft.

          2 Min.

          Die meisten hessischen Landespolitiker folgen in diesem Sommer der Grundregel aller Urlaubsexperten. Getreu der Erkenntnis, dass die ersehnte Entschleunigung besonders schnell einsetzt, wenn man die Ferien an einem gewohnten Ort verbringt, meiden sie Experimente. Das gilt vor allem für den Regierungschef. Volker Bouffier (CDU) verabschiedet sich in der zweiten Wochenhälfte auf die Balearen. Seit mehr als zwei Jahrzehnten entspannt der Neunundfünzigjährige mit seiner Familie und nahen Verwandten in einer Ferienanlage auf Ibiza. Das Risiko unangenehmer Überraschungen hält sich für Stammgäste in Grenzen, und das Wetter ist in der Regel besser als in Hessen. Für heute haben die Meteorologen 29 Grad Celsius und Sonne pur versprochen.

          Ewald Hetrodt
          (htr.), Rhein-Main-Zeitung

          Wissenschaftsministerin Eva Kühne-Hörmann (CDU) ist ebenfalls in bekannten Gefilden unterwegs. Allerdings scheint sie auf ein mildes Klima keinen großen Wert zu legen. Sie segelt mit einer kleinen Yacht an der Küste Ostenglands entlang. Wenn sie nachts in ihrer Koje liegt und nicht schlafen kann, greift sie zu einer Biographie über Prinz Philip. Jörg-Uwe Hahn (FDP) Minister für Justiz, Integration und Europa, wandert wieder einmal durch das geliebte Allgäu. Der SPD-Vorsitzende Thorsten Schäfer-Gümbel, der dort geboren wurde, ist mit seiner Familie auf die Nordseeinsel Föhr aufgebrochen. Im Gepäck hat er das Kinderbuch: „Rico, Oskar und das Herzgebrechen“.

          Keine lange Reise für den kleinen Sohn

          Mit Grimms Märchen sollen sich die beiden Söhne des Fraktionsvorsitzenden der Grünen, Tarek Al-Wazir anfreunden – meint der Vater. Gelegenheit dazu bietet der Aufenthalt in Österreich. Ganz in der Nähe, nämlich in Bayern und Tirol, ist die liberale Kultusministerin Dorothea Henzler auf Schusters Rappen unterwegs. Im Rucksack hat sie das Buch „Wer Wind sät“. Nicht nur der Titel, sondern auch die auf dem Klappentext skizzierte Handlung ist von politischer Relevanz: „Ein geplanter Windpark erzürnt die Taunusbewohner.“

          Wandern steht auch auf dem Programm des Sozialministers Stefan Grüttner (CDU). Der 54 Jahre alte Offenbacher erkundet den südlichen Schwarzwald. Wirtschaftsminister Dieter Posch (FDP) ist mit dem Fahrrad in Hessen unterwegs. Auch Finanzminister Thomas Schäfer (CDU) zieht es nicht in die Ferne. Er will seinem erst vor drei Monaten zur Welt gekommenen Sohn eine lange Reise ersparen. Vergleichsweise aufregend könnte dagegen der Urlaub der Umweltministerin Lucia Puttrich (CDU) werden. Bei gutem Wetter will die Inhaberin eines Pilotenscheins sich an den Steuerknüppel eines Motorflugzeugs setzen und sich das Hessenland aus der Luft anschauen.

          Mehr Kapitalismus, weniger Kapitalismus

          Die autofreie Insel Amrum genießt der Fraktionschef der CDU, Christean Wagner. Der Bestseller im Reisegepäck macht seinem Ruf als Konservativer alle Ehre: „Jesus von Nazareth“ aus der Feder von Papst Benedikt XVI.

          Mit extrem unterschiedlichen Büchern zur Wirtschaftsordnung setzen sich die Fraktionsvorsitzenden Florian Rentsch (FDP) und Willi van Ooyen (Linke) auseinander. Der junge Liberale liest „Mehr Kapitalismus wagen“, das Werk des ehemaligen Unions-Fraktionschefs im Bundestag, Friedrich Merz. Rentsch verbringt seine Ferien im heimischen Wiesbaden und freut sich auf das Fußball-Pokalspiel des SV Wehen gegen den VfB Stuttgart am 29. Juli. Van Ooyen hat eine Studie seines Parteigenossen, des Marburger Politikwissenschaftlers Frank Deppe, im Urlaubsgepäck. Der Altlinke genießt die Geißelung des Kapitalismus in Südfrankreich.

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