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Hessens Kultusminister Lorz : „Wahlfreiheit bei G8 wäre besser gewesen“

  • Aktualisiert am

Aufsteiger: Nach anderthalb Jahren als Staatssekretär ist Alexander Lorz an die Ministeriumsspitze gerückt. Bild: Sick, Cornelia

Seit zwei Wochen ist Alexander Lorz hessischer Kultusminister. Statt schulpolitische Kämpfe von gestern zu führen, will er die Qualität des Unterrichts verbessern. Im Interview erläutert er unter anderem seine Meinung zum „Turbo-Abi“.

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          Was ist in Ihren Augen ein guter Lehrer?

          Zu einem guten Lehrer gehört die Fähigkeit, bei den Schülern Motivation und Begeisterung zu wecken, Freude am Lernen, am Fragenstellen, am Wissenwollen. Ob das gelingt, ist jenseits des pädagogischen Handwerkszeugs auch eine Frage der inneren Einstellung - eine Art Wertorientierung.

          Gibt es in Hessen genügend solcher Lehrer?

          Es gibt sie, und es gibt zum Glück sehr viele davon. Das Ziel muss es sein, ihnen zu helfen, noch besser zu werden.

          Anderseits weiß jeder, der selbst in der Schule war, dass es auch schlechte Lehrer gibt.

          Denen müssen wir natürlich helfen, besser zu werden. Außerdem geht es darum, die Eignung für den Lehrerberuf möglichst früh zu prüfen. Manchen müssen wir bei der Erkenntnis helfen, dass dieser Beruf nicht der richtige für sie ist.

          Wie geht das? In einem Praxissemester? Oder schon vor dem Studium?

          Wir streben in Abstimmung mit den Universitäten einen verstärkten Einsatz von entsprechenden Tests an. Das soll idealerweise vor dem Studium geschehen. Die Einführung eines Praxissemesters ist aber auch notwendig, weil es den Studierenden ermöglicht, in der Konfrontation mit dem Lehreralltag festzustellen, ob das ein Beruf ist, den sie ihr ganzes Leben mit Freude und Engagement ausüben möchten.

          Davon ist mancher als Referendar noch überzeugt, wird dann aber eines Schlechteren belehrt. Angeblich fühlt sich jeder vierte Lehrer ausgebrannt.

          Da sind wir bei der Frage, wie wir Lehrer im Beruf begleiten können. Es geht um Qualifikationsangebote, aber auch um Lehrergesundheit. Denn ein Lehrer ohne Freude an seinem Beruf ist kein guter Lehrer.

          Stimmt es, dass Sie die Qualität der Lehrer als das wichtigste Thema Ihrer Amtszeit sehen?

          Das ist sicher etwas, das in der schulpolitischen Diskussion stärker in den Fokus rücken muss. Denn vor allem von den Lehrern hängt die Qualität des Unterrichts ab - mehr als von den Schulstrukturen, auf die sich in der Vergangenheit die Debatten und Kämpfe konzentriert haben.

          Damit ist auch der Schulfrieden angesprochen, den die Regierung mit der Opposition schließen möchte. Wenn das jemandem gelingen kann, dann Ihnen, hieß es nach Ihrer Ernennung zum Kultusminister.

          Wir wollen den Tag nicht vor dem Abend loben. Ich hoffe jedenfalls, dass ich zur Entkrampfung und Entideologisierung der Debatte beitragen kann. Ich traue es mir zu, eine ausgleichende und moderierende Rolle zu übernehmen. Aber man muss auch ganz ehrlich sagen, dass wir erst am Anfang eines intensiven Kommunikationsprozesses stehen, an dem viele beteiligt sein werden und müssen.

          Obwohl Sie unter Nicola Beer Staatssekretär waren, haben viele nicht mit Ihrer Nominierung zum Kultusminister gerechnet. Waren Sie auch überrascht?

          Ich habe auf meine Nominierung gehofft, aber nicht damit gerechnet.

          Wenn Sie die freie Wahl gehabt hätten, welches Ministerium hätten Sie gewählt? Sie kommen schließlich von einer Hochschule und waren auch schon Staatssekretär für Wissenschaft.

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