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Hessenpark : Flacher Bau mit viel Glas und ganz ohne Fachwerk

Neue Technik für alte Fassaden: Der Hessenpark bekommt ein millionenteures Eingangsgebäude Bild: Dieter Rüchel

Dem Hessenpark in Neu-Anspach stehen moderne Zeiten bevor. Das Land investiert 23 Millionen Euro in Neubauten für Eingang, Ausstellungen und Magazin.

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          Der Opel-Zoo hat ihn. Bei der Saalburg wird er gerade gebaut. Und auch der Hessenpark bekommt ihn: Die drei bedeutendsten Attraktionen im Hochtaunus wollen ihre Besucher zeitgemäß empfangen. Deshalb geht bei allen dreien die Zeit der einfachen Holzhäuschen am Tor zu Ende, hinter dessen kleinem Fenster der Mitarbeiter Eintrittskarten verkauft. Stattdessen hat der Opel-Zoo schon einen repräsentativen Eingang errichtet, und die Nachbildungen zweier römischer Streifenhäuser werden die Kasse der Saalburg aufnehmen.

          Bernhard Biener

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Hochtaunuskreis.

          Moderne Glasfassaden sorgen für Durch- und Einblicke

          Beim Hessenpark merkt man erst durch die Häuserzeile mit den Handwerkern, wo man sich befindet. Eine Informationsmöglichkeit am Eingang fehlt völlig, weil das eintrittspflichtige Museumsgelände erst hinter dem Marktplatz beginnt. Das soll anders werden: 23 Millionen Euro investiert das Land, um das Freilichtmuseum bei Neu-Anspach auf den aktuellen Stand der Museumstechnik zu bringen. In dem Betrag ist die Sanierung der historischen Bauten enthalten.

          Wenn im Hessenpark gebaut wird, entstehen normalerweise alte Häuser neu. Doch das Eingangsgebäude wird sich absetzen: 30 Meter lang und mit einem flachen Pultdach versehen, versucht es erst gar nicht, die Besucher mit aufgesetztem Fachwerk zu täuschen. Die moderne Konstruktion parallel zur Zufahrt soll stattdessen durch große Glasfassaden den Durchblick auf die Handwerkerzeile und bis zum Marktplatz zulassen. Deshalb wird es versetzt zum heutigen Tor errichtet, etwa an der Stelle des Drehkreuzes.

          Neue Räume für Wanderausstellungen

          Gegenüber sind Bagger dabei, auf einem gerodeten Waldstück 164 Parkplätze sowie 16 Behindertenparkplätze anzulegen. In dem 500 Quadratmeter großen Empfangsgebäude wird ein Museumsladen unterkommen. Dort würde Hessenpark-Geschäftsführer Joachim Renz außer den üblichen Souvenirs gerne eine eigene Produktlinie anbieten: Brot, Wurst, Seife oder Holzspielzeug, die jetzt schon im Museumsgelände zu kaufen sind. Eine Informationsmöglichkeit am Bildschirm soll den Überblick darüber erleichtern, wo in dem weitläufigen Gelände gerade ein Seiler oder Wagner seinem Handwerk nachgeht. Auch eine Kasse wird es geben, um leichter ins Museum zu gelangen. Der Marktplatz bleibt frei zugänglich.

          Der Eingang ist für Renz der „krönende Abschluss“ des Ausbauprogramms. Es beginnt mit der Scheune aus Asterode, an deren Fundament schon gebaut wird. In der Hülle des historischen Bauwerks aus dem Jahr 1802 wird sie 300 Quadratmeter Ausstellungsfläche auf modernem Stand bieten, was Klimatisierung, Sicherheit und Beleuchtung angeht. „Das fehlt uns bisher“, sagt Renz. Im Juni 2009 soll dort die erste Ausstellung „In Bewegung“ eröffnet werden, die der Hessenpark erarbeiten lässt. Die neuen Räume dienen auch dazu, Wanderausstellungen im Austausch mit den Freilichtmuseen Molfsee bei Kiel, Berlin-Dahlem, am Kiekeberg bei Hamburg und dem Museumsdorf Cloppenburg präsentieren zu können.

          Neues Magazin für die Museumsschätze

          Die Ausstellungsscheune entsteht in der Baugruppe Nordhessen, und gegenüber soll die Schänke aus Remsfeld wieder aufgebaut werden, um eine Einkehrmöglichkeit zu bieten. Zum Gasthaus gehört eine Scheune, deren Boden schon am Originalstandort ein Versammlungsraum für 100 Menschen war. In das Erdgeschoss zieht die Schaubrauerei von Licher, die Schänke wird im Stil der fünfziger Jahre eingerichtet. „Eine Musikbox haben wir uns schon gesichert“, so der Geschäftsführer. Ein Apfelweingarten und ein Spielplatz kommen noch hinzu.

          Mit etwa 1,1 Millionen Euro schlägt der Eingang, mit gut zwei Millionen die Ausstellungsscheune zu Buche. Noch mehr Geld, nämlich 3,5 Millionen stehen dem Hessenpark für die eigenen Bestände zur Verfügung. Denn 100 000 Stücke, die das Publikum bisher nicht zu sehen bekommt, sind in 30 Gebäuden auf dem Gelände verteilt. Sie werden im neuen Magazin zusammengeführt. Eine erste Systemhalle steht schon, weitere kommen hinzu.

          Die Anforderungen für die Lagerung sind angesichts des vom Fingerhut bis zur Kutsche reichenden Bestands sehr unterschiedlich. Trocken und temperiert soll der Magazininhalt vor dem Verfall geschützt sein. Gegenstände aus Holz werden zuvor wärmebehandelt, damit sie den Holzwurm nicht ins Archiv tragen. Renz will sich ein Beispiel an anderen Museen nehmen und das Magazin bei Führungen zugänglich machen.

          Auch hier könnte er sich die Mitwirkung des Theaterpädagogen vorstellen, der an der Belebung des Freilichtmuseums arbeitet. Als Landbriefträger und Nachtwächter wird dieser demnächst den Besuchern begegnen. Für nächstes Jahr sind umfangreichere Spielszenen mit Laiendarstellern geplant, die etwa einen typischen Waschtag oder die Ankunft von Vertriebenen nach 1945 zeigen.

          Sanierung der Museumshäuser bis 2012

          Mit der Fertigstellung des Eingangs als letztem der Neubauten soll 2012 auch die Sanierung der vorhandenen Museumshäuser abgeschlossen sein. Die Bauabschnitte werden künftig nochmals unterteilt, um den Besuchern nicht zu viele Exponate zur selben Zeit zu entziehen – die Baugruppe Mittelhessen war in den vergangenen Monaten zur sehr eingeschränkt zugänglich. Bis zum Abschluss der Sanierung werden außer den beschriebenen auch keine neuen Häuser aufgebaut. Danach müsse das Land als Eigentümer entscheiden, wie es weitergehe, sagt Renz. Denn jedes zusätzliche Haus bedeute zusätzliche Betriebskosten. Genug zu tun gäbe es: Neben den 100 aufgebauten Häusern warten noch einmal so viele in Einzelteilen auf ihr zweites Leben als Museumsstück.

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