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Hessen : Welterbe-Stätten sollen mehr Touristen anziehen

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Teil des Welterbes Oberes Mittelrheintal: Der Strom mit der zu Rüdesheim gehörenden Burg Ehrenfels. Auf der gegenüberliegenden Rheinseite ist Bingen zu sehen. Bild: Marcus Kaufhold

Hessen hat vier Welterbe-Stätten. Wie sie touristisch interessanter werden können, ist Inhalt einer neuen Studie. Eine Idee lautet, „Angebotspakete“ zu schnüren, die Besuchern auch die Region um die jeweilige Stätte herum erschließen.

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          In Hessen sollen die Anstrengungen verstärkt werden, die vier Welterbe-Stätten der Unesco für Besucher interessanter zu machen. „Dabei wollen wir nicht nur Tagestouristen ansprechen, sondern auch nationales und internationales Publikum“, sagte Wissenschaftsministerin Eva Kühne-Hörmann (CDU) gestern vor einem Fachkongress in Bad Homburg. Gemeinsam mit Gerd Weiß, dem Präsidenten des Landesamts für Denkmalpflege, und Christian Schmidt, dem Leiter des Hessen-Marketings bei der Hessen-Agentur, stellte sie eine Machbarkeitsstudie vor, die Vorschläge für eine bessere Vermarktung der vier hessischen Welterbe-Stätten macht.

          Dies sind das im Jahr 764 erstmals erwähnte südhessische Kloster Lorsch, eines der bedeutendsten klösterlichen Zentren der Karolingerzeit, die Fossilienfundstätte Grube Messel bei Darmstadt, das Obere Mittelrheintal als historische Kulturlandschaft und der obergermanisch-rätische Limes, die römische Grenzbefestigung mit dem Kastell Saalburg bei Bad Homburg. Ob es mit dem Bergpark Wilhelmshöhe in Kassel eine fünfte hessische Unesco-Welterbe-Stätte geben wird, entscheidet sich im Jahr 2012.

          Schwierigkeiten bei der Vermarktung

          Die Unesco ist die Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur. 1972 verabschiedete sie eine Konvention zum Schutz von Kultur- und Naturstätten, die einen „außergewöhnlichen universellen Wert“ besitzen. In Deutschland haben 33 Denkmäler einen Status als Welterbe, weltweit sind es mehr als 870.

          Die Machbarkeitsstudie wurde vom Landesamt für Denkmalpflege, das zum Ministerium Kühne-Hörmanns gehört, und vom hessischen Wirtschaftsministerium in Auftrag gegeben. Sie listet auf 40 Seiten noch bestehende Schwierigkeiten bei der Vermarktung der einzelnen Stätten auf und macht Verbesserungsvorschläge. Wichtig ist Kühne-Hörmann und Weiß, dass es aufgrund der Heterogenität der vier Orte keine umfangreiche gemeinsame Vermarktung geben könne. „Vorrangiges Ziel ist, die einzelnen Stätten zu stärken“, sagte Weiß. Allein das Gütesiegel „Unesco-Welterbe“ sichere die Attraktivität eines Standorts nicht. „Es gilt, dass alle vier Stätten ihr Alleinstellungsmerkmal herausstellen“, hob die Ministerin hervor.

          Stärkere Kooperation mit den Kommunen

          Als wichtig erachtet es Weiß beispielsweise, Besuchern „Angebotspakete“ zu machen, die die Region um die jeweilige Welterbe-Stätte mit einbezieht. Als Beispiel nannte Karl Weber, Direktor der Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten, die drei karolingischen Orte Kloster Lorsch, Michelstadt-Steinbach und Seligenstadt gemeinsam touristisch attraktiver zu machen. Er gab außerdem zu bedenken, dass jährlich 1,2 Millionen Menschen das Niederwalddenkmal in Rüdesheim „am Eingangstor zum Mittelrheintal“ besuchten. Es müsse gelingen, mehr von ihnen für das Welterbe zu interessieren.

          Carsten Amrhein, stellvertretender Museumsleiter der Saalburg, regte eine stärkere Kooperation von Kommunen an, um den hessischen Abschnitt des Limes besser vermarkten zu können – etwa mit Hilfe einer eigenen gemeinnützigen GmbH. Eine solche gibt es schon für den Limes-Erlebnispfad im Taunus.

          Geld aus den Konjunkturprogrammen

          Gemeinsam sollen alle vier Welterbe-Stätten ausländischen Touristen vorgestellt werden, wie Schmidt von der Hessen-Agentur sagte. Die Studie schlägt überdies gemeinsame Präsentationen bei Veranstaltungen wie dem Hessentag vor. Außerdem sei ein „Hessischer Welterbetag“ denkbar. Um ein breiteres Publikum anzusprechen, sei eine bessere Kooperation zwischen den Welterbe-Stätten und der Tourismusbranche „zwingend nötig“. Als verbesserungsfähig gelten überdies das Angebot an Führungen – etwa für Kinder oder solche in Englisch und Französisch – und die Einbindung der Welterbe-Stätten in Rad- und Fernwanderwegenetze. Wie Weiß ankündigte, wird die Diskussion in der Arbeitsgemeinschaft Hessische Welterbe-Stätten weitergeführt.

          Unterdessen kommen allen vier Welterbe-Stätten die Konjunkturprogramme von Bund (zwölf Millionen Euro) und Land (8,4 Millionen Euro) zugute. Kühne-Hörmann hob hervor, dass allein für das Kloster Lorsch 11,5 Millionen Euro zur Verfügung stünden. 4,5 kämen jeweils von Bund und Land, 2,5 zahle die Kommune. Mit dem Geld werden sieben Projekte finanziert, die das Gelände aufwerten und Besuchern das Leben in der Karolingerzeit veranschaulichen sollen. Mit weiteren 2,2 Millionen Euro können Sanierungsarbeiten an der Saalburg finanziert werden.

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