https://www.faz.net/-gzg-11dyq

Hessen-SPD : Ende der Ära Ypsilanti?

  • -Aktualisiert am

Andrea Ypsilanti (SPD): Rücktrittsforderungen aus den eigenen Reihen Bild: AP

Trotz des Wahlkampfs werden an der hessischen SPD-Basis immer offener Forderungen nach dem Rücktritt von Andrea Ypsilanti als Partei- und Fraktionschefin laut. Der neue Spitzenkandidat Thorsten Schäfer-Gümbel geht zunehmend auf Distanz.

          1 Min.

          Der parteiinterne Druck auf die SPD-Landesvorsitzende Andrea Ypsilanti wächst, den Weg für einen personellen Neuanfang frei zu machen. Immer offener wird an der Basis, von kommunalen Funktionsträgern und ehemaligen Spitzenvertretern der SPD die Forderung nach dem Rücktritt Ypsilantis als Partei- und Fraktionschefin erhoben. Gestern ging selbst der neue Spitzenkandidat der Sozialdemokraten für das Amt des Ministerpräsidenten, Thorsten Schäfer-Gümbel, auf Distanz, und mit der Weiterstädterin Heike Hofmann äußerte eine zur Wiederwahl stehende Landtagsabgeordnete Zweifel, ob die Partei mit ihrer jetzigen Führungsriege Erfolg haben könne.

          Ralf Euler
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, verantwortlich für den Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Am Wochenende hatten bereits eine Reihe süd- und mittelhessischer Sozialdemokraten, darunter der frühere Landesvorsitzende Gerhard Bökel, der Darmstädter Oberbürgermeister Walter Hoffmann und der Präsident des Bundesamts für Verfassungsschutz, Heinz Fromm, Ypsilanti zum Rücktritt aufgefordert. Astrid Starke, Landtagskandidatin der SPD im Wahlkreis Darmstadt II, kündigte zudem an, dass sie beim Landesparteitag am 13. Dezember im Kampf um den zweiten Listenplatz gegen Ypsilanti antreten werde. Hofmann sprach sich allerdings dafür aus, die Personaldebatte auf die Zeit nach der Landtagswahl am 18. Januar zu verschieben. Der Vorsitzende des SPD-Bezirks Hessen-Nord, Manfred Schaub, kritisierte die Rücktrittsforderungen. „Die Konzentration auf den Wahlkampf ist wichtiger als parteiinterne Auseinandersetzungen“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur.

          Belastung für die Partei

          Schäfer-Gümbel nannte es in der „Süddeutschen Zeitung“ falsch, dass seine Partei trotz früherer Versprechungen ein Bündnis mit der Linkspartei angestrebt habe. „Der Fehler war der Wortbruch“, sagte er. „Der Fehler war, nach der Wahl etwas anderes zu machen, als wir vorher gesagt haben.“ Damit widersprach er seiner Landesvorsitzenden, die den Fehler bislang lediglich darin sah, vor der Landtagswahl eine Zusammenarbeit mit der Linkspartei ausgeschlossen zu haben.

          Ypsilantis Kritiker meinen, sie sei nach dem Bruch ihres Wahlversprechens und ihrem zweimaligen Scheitern bei der Regierungsübernahme eine Belastung für die Partei. Allerdings hat die Vorsitzende vor allem auf dem linken Parteiflügel noch starken Rückhalt, und Schäfer-Gümbel hat deutlich gemacht, dass er derzeit nicht bereit sei, mehr als nur die SPD-Spitzenkandidatur zu übernehmen.

          Weitere Themen

          Vor der Sprengung wird betoniert

          Salzbachtalbrücke : Vor der Sprengung wird betoniert

          Erst im Oktober soll die Salzbachtalbrücke nahe Wiesbaden in Schutt und Asche liegen. Die Stadt und die Pendler setzen auf die Zusage eines schnellen Neubaus.

          Topmeldungen

          Ein Bild, das um die Welt ging: Wassermassen bahnen sich am 16. Juli ihren Weg durch den Erftstädter Stadtteil Blessem.

          Flutopfer in Erftstadt : Bangen an der Abbruchkante

          In Blessem sind die Bewohner nach der Flutkatastrophe noch immer mit Aufräumarbeiten beschäftigt. Viele stehen vor dem Nichts und fürchten: Was ist, wenn man uns Flutopfer vergisst?
          Die Altersstruktur der Bevölkerung hat starke Auswirkungen auf das Rentensystem.

          Wahlkampf : Land der Verdränger

          Politik und Wähler leugnen kollektiv die Fakten. Ändert sich nichts daran, hat das immense Kosten für uns alle. Das gilt für Extremwetterereignisse – aber auch für die Rentenpolitik.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.