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Haft nicht angetreten : Sechsfacher Mörder in Marburg zufällig geschnappt

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In diesem Düsseldorfer Mietshaus, das der inzwischen als Mörder verurteilte Mann hatte sprengen lassen, starben 1997 sechs Menschen Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Die Polizei hat einen sechsfachen Mörder, der am Dienstag nicht zu seinem Haftantritt erschienen war, in Marburg eher zufällig verhaftet. Der Mann hatte 1997 sein Mietshaus in Düsseldorf von einem Komplizen in die Luft sprengen lassen - dabei starben sechs Menschen. Nun sollte er seine Haft antreten.

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          Eher zufällig hat die Polizei in Hessen einen sechsfachen Mörder verhaftet. Der bundesweit gesuchte 49-Jährige hatte 1997 in Düsseldorf sein Mietshaus mitsamt der schlafenden Mieter von einem Komplizen in die Luft sprengen lassen. Der Gesuchte war als „hilflose Person“ von einem Hotelier in Stadtallendorf der Polizei gemeldet worden. Unter dem falschen Namen Ralf Möller ließ sich der ehemalige Immobilien-Unternehmer von fürsorglichen Polizisten in die Marburger Uni-Klinik bringen, berichtete Staatsanwalt Johannes Mocken in Düsseldorf.

          Erst bei ihrer Rückkehr auf die Wache hätten die Beamten anhand von Fahndungsbildern erkannt, wen sie soeben transportiert hatten. Sie kehrten sofort um und verhafteten den Patienten in der Nacht zum Freitag noch in der Klinik, wo er nun scharf bewacht werde.

          Medikamente in selbstmörderischer Absicht geschluckt?

          Der 49-Jährige sei nach der Einnahme von Medikamenten verwirrt und kaum noch ansprechbar gewesen. Ob er die Medikamente in selbstmörderischer Absicht geschluckt hat, blieb zunächst unklar. Die Mutter des Straftäters hatte berichtet, ihr Sohn habe angekündigt, sich „eher etwas anzutun“, als wieder ins Gefängnis zu gehen. Der Mann soll zuletzt an der hessisch-thüringischen Grenze in einer Fliesenleger-Kolonne gearbeitet haben. Zuvor war er als Staubsauger- Vertreter durch die Lande gezogen.

          Das Bundesverfassungsgericht hatte den ehemaligen Unternehmer 2005 auf freien Fuß gesetzt, weil nach mehr als acht Jahren Untersuchungshaft noch kein rechtskräftiges Urteil vorlag. Der Bundesgerichtshof hatte zweimal Urteile des Landgerichts Düsseldorf aufgehoben, bevor er ein drittes Urteil - diesmal des Landgerichts Duisburg - bestätigte und damit rechtskräftig werden ließ. Erst als das schriftliche Urteil vorlag, konnte die Staatsanwaltschaft den Mann zum Haftantritt laden.

          Am Dienstag hatte der Verurteilte seine Reststrafe in Hagen antreten sollen, war am Gefängnistor aber nicht erschienen. An seiner Meldeadresse und bei seiner Mutter in Thüringen hatten die Beamten dann vergeblich nach ihm gesucht, als sie schließlich einen neuen Haftbefehl gegen ihn in der Hand hatten. Schon am Mittwoch hatte die Polizei das Handy des Mörders in Stadtallendorf geortet, bevor dieser es abgeschaltet hatte.

          „Wir hatten keinen Anlass, Fluchtgefahr anzunehmen“

          Staatsanwalt Mocken wies den Vorwurf einer Justizpanne energisch zurück: „Es ist überhaupt nichts schief gegangen und alles korrekt abgelaufen.“ Es habe keine frühere Handhabe gegen den Mörder gegeben. „Wir hatten keinen Anlass, Fluchtgefahr anzunehmen.“

          Die Behörden hätten damit rechnen müssen, dass der sechsfache Mörder verschwindet, hatte dagegen Rechtsanwältin Leonora Holling kritisiert, die im Prozess den Angehörigen eines Opfers vertreten hatte. „Da verzweifelt der eine oder andere sicherlich an unserem Rechtssystem“, meinte Jörg Beck von der Opferschutz-Organisation „Weißer Ring“.

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