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Grube Messel : Nicht nur Ida und das Urpferdchen im Blick

  • -Aktualisiert am

m Werden: Das neue Besucher- und Informationszentrum der Grube Messel soll Gästen wissenschaftliche Hintergründe erläutern. Bild: Verena Müller

Das Informationszentrum der Grube Messel nimmt Form an. Das Land hat den Bau an die Betreiber übergeben, nun steht der Innenausbau an.

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          Es ist kein Museum für die faszinierenden Fossilien aus der Zeit vor 47 Millionen Jahren, das hier entsteht. Das neue Besucher- und Informationszentrum an der Grube Messel hat andere Ziele: Es soll zwar auch in einer Schatzkammer bedeutende Funde zeigen, darüber hinaus vor allem aber Themen der Natur- und Geowissenschaften beleuchten, die für die Grube und die Region von Bedeutung sind. Am Donnerstag übergab das Land Hessen als Bauherr das neue Gebäude an die künftigen Nutzer, die gemeinnützige Grube Messel GmbH. Von jetzt an wird die Innenausstattung, die als Szenographie bezeichnet wird, von dem darauf spezialisierten Züricher Unternehmen Holzer Kobler Architekturen eingebaut.

          Der Anspruch, Informationen über die Grube, ihre Entstehung unterhaltsam zu vermitteln, atmosphärisch erlebbar zu machen, ohne dabei auf fundierte Fakten und wissenschaftliche Hintergründe zu verzichten, schlägt sich auch in der Architektur des Gebäudes nieder. Es nimmt die Struktur der Ölschieferplatten auf, zwischen deren Schichten inzwischen mehr als 40 000 Fossilien gefunden und gesichert worden sind. Das Architekturbüro Landau + Kindelbacher in München, das nach einem Wettbewerb den Zuschlag erhalten hatte, drehte den Schiefer gedanklich um 90 Grad und setzte einen ungewöhnlichen Betonbau in die unwirtliche Landschaft am Grubenrand. Er lässt keine Assoziation zu einem herkömmlichen Gebäude erkennen. Vielmehr durchwandert der Besucher die Erdschichten sinnbildlich. Der weitgehend eingeschossige Bau setzt sich aus Räumen zusammen, die sich zwischen monolithischen Wandscheiben aufspannen. Die Architektin Constanze Linke, die sonst Wohngebäude konzipiert, orientierte sich genau an dem exakt formulierten Ausstellungskonzept und entwarf unterschiedliche Räume: enge und weitere, niedrige und hohe, dunkle und helle.

          Investitionen von 8,5 Millionen Euro

          Die Gestalttypologie des Gebäudes setzt sich in den von dem Münchner Landschaftsarchitekten Keller entwickelten Außenanlagen fort mit Themengärten zu Maarvulkanismus, Bohrungen, Regenwald und Klima, Evolution und Bio-/Geodiversität. Gezeigt wird auch die Industriegeschichte mit der Ölschiefergewinnung und schließlich der Kampf in den neunziger Jahren gegen die Pläne, die Grube Messel zu einer Mülldeponie zu machen.

          Besucher können von innen von einer Rampe aus in die Grube blicken, außen in den Gärten bis zum Rand gehen. Für das Besucherzentrum und damit für die Infrastruktur an dem Unesco-Weltnaturerbe investiert das Land Hessen rund 8,5 Millionen Euro. Davon entfallen 6,5 Millionen Euro auf das Gebäude selbst, weitere zwei Millionen auf die Innenausstattung. Zudem kommen aus dem „Investitionsprogramm nationale Unesco-Welterbestätten“ für die Straße in die Grube, die am Hang befestigt werden muss, und für ein Tourismuskonzept knapp 3,4 Millionen Euro, die zu zwei Dritteln der Bund und zu einem Drittel das Land finanzieren.

          Kein Café, keine Toiletten

          Eröffnet wird das Besucher- und Informationszentrum, wie der Staatssekretär im Ministerium für Wissenschaft und Kunst, Gerd Krämer, ankündigte, am 19. August. Damit wird ein langjähriger Mangel abgestellt. Zwar wurde die Grube Messel schon 1995 zum Unesco-Weltnaturerbe erklärt, doch zu sehen gab es für Besucher eigentlich nichts anderes als ein Loch von 800 Meter Durchmesser und rund 100 Meter Tiefe in einer unwirtlichen Industrielandschaft. Später installierte der Landkreis zumindest eine Besucherplattform mit einigen Schautafeln. Einen Kiosk, ein Café, Toilettenanlagen suchte der Besucher vergebens. Immerhin kam vor drei Jahren eine provisorische Station am Grubenrand hinzu.

          Um die weltberühmten Fossilien wie das Messeler Urpferdchen und das legendäre Uräffchen Ida zu sehen, müssen die Interessenten immer noch weite Wege auf sich nehmen. Denn ausgestellt sind Fundstücke in dem kleinen Heimat- und Fossilienmuseum in der Gemeinde Messel selbst, im derzeit auf Jahre geschlossenen Hessischen Landesmuseum in Darmstadt sowie im Senckenbergmuseum in Frankfurt, das eine eigene Messelabteilung unterhält.

          Ein neues Bähnchen

          Von August an werden die drei Museen einige ihrer Prachtexemplare in der Schatzkammer des Besucherzentrums präsentieren. In einem eigenen Raum sollen die Besucher den Präparatoren über die Schulter schauen und erleben können, wie diese die Funde aus der Grube retten und bewahren.

          Zunächst aber stimmt ein spektakulärer Film die Ankömmlinge im Besucherzentrum auf die Themen ein. Eine Simulation wird sie dann, so ist angekündigt, in die Tiefe fahren und die Forschungsergebnisse aus Bohrungen sehen lassen. Ein lichtheller Raum wird das Leben im einstigen Regenwald an dem Maarsee illustrieren.

          Messels Bürgermeister Udo Henke (CDU) stellte heraus, dass auch der Ort selbst sich den Besuchern öffne, sie dazu gewinnen will, die Gastronomie wahrzunehmen. Neuerdings pendelt ein Bähnchen zwischen Grube, Bahnhof Messel und dem Museum in der Ortsmitte.

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