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Gesundheit : Wieder mehr gefährliche Zeckenbisse in Hessen

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Eine Zecke auf dem Weg zum Blutmahl Bild: dpa

In Hessen haben Zecken im vergangenen Jahr wieder öfter gefährlich zugebissen. Die Zahl der mit dem Erreger der Hirnhautentzündung infizierten Menschen stieg deutlich, wenn auch auf überschaubarem Niveau. In Hessen gibt es acht Landkreise mit erhöhtem Zeckenbiss-Risiko.

          In Hessen haben Zecken im vergangenen Jahr wieder öfter gefährlich zugebissen. 16 Menschen wurden nach offiziellen Zahlen mit dem Erreger der Hirnhautentzündung infiziert - vier mehr als 2008. Menschen in Risikogebieten sollten sich daher impfen lassen, sagte Uta Meyding-Lamadé, Chefärztin der Neurologischen Klinik am Nordwest-Krankenhaus in Frankfurt. „Ein bis drei Prozent der Patienten sterben an der Erkrankung“, erläuterte sie.

          Als sie im Sommer 2006 Fieber bekam und sich abgeschlagen fühlte, dachte Evelyn Bachmann an eine Sommergrippe. Erst als die Schmerzen unerträglich waren, sich eine Lähmung einstellte und das Fieber weiter stieg, kam die damals 44 Jahre alte Frau ins Krankenhaus. Untersuchungen des Nervenwassers bestätigten die Diagnose der Ärzte: Hirnhautentzündung. Sie hatte eine sogenannte Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME).

          Je wärmer, desto aktiver die Zecke

          Bachmann wohnt im Kreis Miltenberg. Sie war immer sportlich, ging zum Joggen und mit dem Hund in den Wald, wie sie auf der Veranstaltung des Deutschen Grünen Kreuzes in Frankfurt sagte. Doch der Odenwald gilt als eines der FSME-Risikogebiete, die sich überwiegend im Süden Deutschlands finden, und 2006 als das Jahr mit der höchsten Infizierungsrate seit Einführung der Meldepflicht 2001. In Deutschland erkrankten seinerzeit 546 Menschen an dem Virus, 51 davon in Hessen.

          Mit steigenden Temperaturen werden Zecken, die das Virus übertragen, aktiv. Schon bei sieben Grad und feuchter Witterung beginnen sie sich Wirte zu suchen. Anders als bei der ebenfalls von Zecken übertragenen Borreliose werden die FSME-Viren sofort beim Einstich übertragen, wie der Biologe Olaf Kahl sagte.

          Es gibt keine Medikamente gegen das FSME-Virus, aber einen Impfstoff, wie Uta Meyding-Lamadé von der Neurologischen Klinik am Frankfurter Nordwestkrankenhaus sagte. Die Impfung wird vor allem Menschen in Risikogebieten empfohlen. In Hessen sind dies die Kreise Bergstraße, Darmstadt-Dieburg, Groß-Gerau, Main-Kinzig, Offenbach, Odenwald, Marburg-Biedenkopf sowie die Städte Darmstadt und Offenbach.

          Für einen vollständigen Schutz sind drei Impfungen erforderlich. Die ersten beiden sollten im Abstand von bis zu drei Monaten erfolgen, nach etwa einem Jahr sei die dritte erforderlich, sagte der Frankfurter Allgemeinmediziner Ulrich Klinsing. Die dritte Impfung könne noch bis zu fünf Jahre nach der Erstimpfung nachgeholt werden. Auch danach besteht laut Klinsing kein lebenslanger Schutz, vielmehr müsse alle drei bis fünf Jahre eine Auffrischung erfolgen.

          Fehlende Impfbereitschaft älterer Menschen

          Wie Ulrich Falk vom Gesundheitsamt des Odenwaldkreises ausführte, konnte die Impfrate bei Kindern deutlich erhöht werden. Bei der Einschulungsuntersuchung im Odenwaldkreis waren 2004 nur 13 Prozent der Kinder geimpft, 2006 schon 33 Prozent, 2009 sogar 67 Prozent. Die allgemeine Impfrate im Kreis liege nur bei 30 Prozent, obwohl 80 Prozent der Erkrankten 30 Jahre und älter seien. Auch Meyding-Lamadé bemängelte die fehlende Impfbereitschaft älterer Menschen. Gerade Rentner seien gefährdet.

          Nach einem Rückgang nahm die Zahl der Infektionen 2009 wieder zu, wie Falk sagte. Es träten zunehmend auch schwere Verläufe auf, zudem kämen die Zecken mittlerweile auch in Städten vor.

          Für Bachmann bestand nach wenigen Tagen keine Lebensgefahr mehr, doch Sprechen und Laufen musste sie wieder mühevoll lernen. Während der Therapien war sie oftmals entmutigt, sie fand die psychische Betreuung mangelhaft. Deshalb hat sie zusammen mit anderen Betroffenen ein Netzwerk gegründet. Der Verein (www.fsme-netzwerk.de) will Erkrankten beistehen, ihnen Wegweiser anbieten und über die Krankheit aufklären.

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