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Flüchtlingsunterkünfte : Nur Teil der Friedberger Kaserne für Flüchtlinge

Mehr als ein Notquartier: Die Ray Barracks in Friedberg werden Flüchtlingsunterkunft, aber dort wird auch ein neuer Stadtteil entstehen. Bild: Rüchel, Dieter

In Friedberg wird nun doch nur ein Teil der früheren amerikanischen Ray Barracks für die Unterbringung von Flüchtlingen genutzt. Bürgermeister Michael Keller ist zufrieden und erleichtert. Auf dem Gelände soll ein neuer Stadtteil entstehen.

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          In Friedberg wird nun doch nur ein Teil der früheren amerikanischen Ray Barracks für die Unterbringung von Flüchtlingen genutzt. Darauf haben sich das Land Hessen, der Wetteraukreis und die Stadt Friedberg verständigt. Damit kann ein großer Teil des 74 Hektar großen Kasernengeländes als neuer Stadtteil zum Wohnen, Arbeiten und als Hochtechnologiestandort gemeinsam mit der Technischen Hochschule Mittelhessen entwickelt werden. „Wir haben einen Kompromiss gefunden, mit dem alle leben können“, teilte der Friedberger Bürgermeister Michael Keller (SPD) mit.

          Mechthild Harting
          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Keller hatte in den vergangenen Wochen befürchtet, dass ihm die Flüchtlingsunterbringung, insbesondere von Seiten des Landes, aber auch durch den Landkreis, einen Strich durch die weitgediehenen Pläne zur Entwicklung des Areals machen könne und die bereits gefundenen Großinvestoren abspringen könnten.

          Bürgermeister Keller sieht neuen Stadtteil als „Jahrhundertprojekt“

          Landrat Joachim Arnold (SPD) hatte Ende Oktober die Kasernenbauten sogar beschlagnahmen lassen, nachdem ihm das Land weitere 1000 Flüchtlinge zur Unterbringung avisiert hatte und er gleichzeitig von Gesprächen des Landes mit der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) erfahren hatte, die Eigentümerin des Kasernengeländes ist. Offenbar hatte das Land selbst mit dem Zugriff auf die Kasernen als Flüchtlingsunterkunft geliebäugelt. Arnold nahm später auf Druck des Landes die Beschlagnahme zurück. Jetzt setzten sich Land, Kreis und Stadt an einen Tisch und vereinbarten die gemeinsame Nutzung einzelner Gebäude.

          Der Sozialdemokrat Keller war bei dem Ringen um die Kaserne in Sorge, dass das seiner Ansicht nach als „Jahrhundertprojekt“ einzustufende Stadtentwicklungsvorhaben blockiert werden könnte. Nun sei es gelungen, die Unterbringung der Flüchtlinge räumlich auf Bauten, die erst in den neunziger Jahren errichtet worden seien, und zeitlich auf drei Jahre zu begrenzen. Keller zufolge wird nur etwa ein Zehntel des Kasernengeländes dadurch in Anspruch genommen. Allerdings lägen die Gebäude für die Flüchtlinge mitten im Stadtentwicklungsgebiet.

          Das Land will „nach Möglichkeit noch vor Weihnachten“, spätestens Anfang nächsten Jahres die frühere amerikanische Kaserne im Süden von Friedberg als Außenstelle der Erstaufnahmeeinrichtung in Gießen nutzen und rund 1000 Flüchtlinge unterbringen. Der Wetteraukreis seinerseits will etwa die Notunterkunft in Nidda in die Kaserne verlegen.

          Die Unterbringung in Bürgerhäusern sorgt für Missmut

          Auch die Stadt Friedberg selbst muss Flüchtlinge, die bereits einen Asylantrag gestellt haben und auf das Ende ihres Verfahrens warten, unterbringen. Dabei ist die Stadt derzeit dabei, auf Bürgerhäuser zurückzugreifen, was nach Angaben von Keller auf Missmut und Widerstand in der Bevölkerung stößt. Eine Unterbringung dieser Flüchtlinge in den Kasernengebäuden würde also auch die Situation für die Stadt entspannen. Die Aussicht, dass im nächsten Jahre in der 30000-Einwohner-Stadt Friedberg zwischen 1500 und 2000 Flüchtlinge leben werden, bezeichnet Keller als „knackig“.

          Doch der Bürgermeister ist gleichzeitig erleichtert, dass es gelungen ist, die Pläne der Stadt für das seit Jahren brachliegende Kasernengelände zu retten. Schließlich benötigten auch die heutigen Flüchtlinge eines Tages richtige Wohnungen. Geht es nach Keller, entstehen auf rund 30 Hektar – das entspricht einem Drittel des Frankfurter Europaviertels – „alle Arten von Wohnungsbau“, von Mietwohnungen bis zu Einfamilienhäusern.

          Für die Entwicklung des Areals hat er als Investor unter anderem eine große Frankfurter Wohnungsbaugesellschaft gewinnen können. Es werde auf keinen Fall nur Mietwohnungen geben, sagte Keller, wohl wissend, dass nach bezahlbaren Mietwohnungen im Ballungsraum Frankfurt/Rhein-Main gerade die größte Nachfrage herrscht. Doch Keller will, dass sich der neue Stadtteil in die Stadt einfügt. Er kündigte für die nächste Woche ein Gespräch mit der Bima an. Er erwartet, dass es schon 2016 eine feste Vereinbarung mit den Investoren gibt, um mit dem neuen Stadtteil beginnen zu können.

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