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Frauen mit großer Schuhgröße : „Heute kommen die Kundinnen mit erhobenem Haupt“

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Eindeutiger Trend: Immer mehr Frauen tragen übergroße Schuhe. Bild: Cornelia Sick

Schuhgröße 46 in der Damen-abteilung – das ist längst kein Einzelfall mehr. Die Ergebnisse einer umfangreichen Vermessungsaktion zeigen: Die deutschen Frauen leben auf immer größerem Fuß.

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          Die Zahl 44 steht auf dem Papierschild, das an den Stöckelschuhen auf dem Ladentisch baumelt. Irritierend, weil 44 nicht den Preis, sondern die Größe der Schuhe in Schlangenlederoptik angibt. Die Pumps sind noch nicht die größten Exemplare, die das Schuhhaus Sauer in Frankfurt für Frauen zu bieten hat. Es gebe noch längere, sagt Annerose Ebert, die seit 40 Jahren bei Sauer Schuhe in Über- und Untergrößen an den Frauenfuß bringt.

          Zum Glück für Beate Müller-Werner aus Friedrichsdorf. Die schwarzen Ausgehschuhe der 1,89 Meter großen Frau schlagen die „Schlangenleder“-Pumps auf dem Ladentisch noch mal um zwei Längen. Sie braucht Größe 46. Marathonläufe durch die Spezialgeschäfte seien für sie normal, um etwas zu finden, was nicht aussehe, als trüge sie Schneeschuhe, sagt die Laborantin bei Milupa und lacht. Dass die 49 Jahre alte Frau so groß ist, hat seinen medizinischen Grund. Ihre Mutter habe während der Schwangerschaft an unentdecktem Diabetes gelitten. Das Ungeborene habe dann die Insulinproduktion der Mutter unterstützt mit der Folge übermäßigen Wachstums. Müller-Werner maß bei der Geburt schon 61 Zentimeter und hatte überproportional große Hände und Füße.

          Mehr Fleisch am Fuß

          „Früher kamen die Frauen mit gesenktem Kopf in den Laden und fragten im Flüsterton nach Schuhgröße 45. Heute schreiten sie erhobenen Hauptes herein und suchen sich die höchsten Pumps aus“, sagt die 55 Jahre alte Schuhverkäuferin Annerose Ebert. Große Füße sind bei Frauen nämlich längst keine Rarität mehr. Zwar trügen die meisten noch immer Größe 38 und 39, wie das Prüf- und Forschungsinstitut Pirmasens mitteilte. Doch neueste Ergebnisse der Fußstudie des Instituts zeigen: 41 und 42 sind heute durchaus gängige Größen. Studienleiterin Monika Richter vermaß für die größte Studie dieser Art in Deutschland mehr als 10 000 Füße mit Hilfe eines 3D-Scanners und fand heraus, dass immerhin acht Prozent der Frauen Größe 41 tragen. Weitere sieben Prozent kommen auf Größen zwischen 42 und 47.

          Das prägnanteste Ergebnis der Studie, sei aber, dass Frauen und Männer in Deutschland im Schnitt viel fleischigere Füße hätten als vermutet, sagt Richter. 17 verschiedene Weiten schrieb die Forschungsleiterin in ihre Messtabelle. Die meisten Schuhe gebe es aber nur in einer einzigen Weite. Dies habe zur Folge, dass viele Frauen zu ein bis zwei Nummern größeren Schuhen griffen, um die fleischigen Füße in schmal geschnittene Modelle zu pressen, sagt die Forscherin. Dann finde der Fuß aber keinen Halt mehr und rolle nicht richtig ab.

          Nie an eine Operation gedacht

          Auch sie habe sich schon in unpassenden Schuhen die Hacken wund gelaufen und tagelang gelitten, sagt Müller-Werner. Manchmal wünsche sie sich deswegen Schuhgröße 43 statt 46, um problemloser Schuhe kaufen zu können. Denn immerhin 51 Prozent der vom Bundesverband des Deutschen Schuheinzelhandels befragten Schuhgeschäfte haben Damengröße 43 im Sortiment. Und das gelte in Deutschland schon als übergroß, sagt Siegfried Jacobs, Geschäftsführer des Bundesverbandes des Deutschen Schuheinzelhandels. Immerhin 17 Prozent der Schuhgeschäfte führten noch die Größe 44 und sieben Prozent Größe 45. Eine feststehende Definition von Übergröße gebe es in Deutschland aber ohnehin nicht, sagt Jacobs.

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