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Folge der Trockenheit : Stauseen schrumpfen und drosseln Wasserabgabe

  • Aktualisiert am

So wie im Oktober 2001, als dieses Bild entstand, sieht es am Diemeltalsee wieder aus Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

Edersee, Diemeltalsperre und auch der kleinere Marbach-Stausee - allen fehlt Regen-Nachschub. Weniger Wasser heißt, dass Schiffe nicht mehr fahren können - aber auch, dass Versunkenes sichtbar wird. Die Trinkwasserversorgung ist nicht betroffen.

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          Die Talsperren in Hessen leiden unter der anhaltenden Trockenheit. Der fehlende Regen hat die Pegelstände deutlich sinken lassen, das könnte Folgen für die Schifffahrt auf der Oberweser haben. „Dann werden wir nicht mehr genug Wasser für die Oberweser geben können“, sagte Odo Sigges vom Wasser- und Schifffahrtsamt Hannoversch Münden der Nachrichtenagentur dpa. Zu einer Wasserknappheit für Menschen wird der sinkende Vorrat im Edersee aber nicht führen. „Daraus wird kein Trinkwasser gewonnen, aber der Stand hat Auswirkungen auf die Natur“, sagte Sigges.

          Derzeit enthält Hessens größter Stausee rund 140,5 Millionen Kubikmeter Wasser. Eigentlich sollte er jetzt mit rund 200 Millionen Kubikmetern prall gefüllt sein. „Das Frühjahr war zu trocken“, sagte Sigges.

          Wasser-Nachschub ist vorerst nicht zu erwarten. Bis auf einige lokale Gewitterschauer werde es auch in den nächsten Tagen keinen Regen geben, sagte Meteorologe Jens Hoffmann vom Deutschen Wetterdienst (DWD) am Mittwoch. „Das was wir bräuchten, ist nicht in Sicht.“

          Grünes unter dem Kiel: ein Ruderboot im trockenen gefallen Edersee-Gebiet bei Herzhausen
          Grünes unter dem Kiel: ein Ruderboot im trockenen gefallen Edersee-Gebiet bei Herzhausen : Bild: dpa

          Der Stausee „schrumpft“ zusehends

          Um den Weser-Pegel für die Schifffahrt in Hannoversch Münden auf 1,20 Meter zu stabilisieren, fließen aus dem Edersee derzeit rund 18 Kubikmeter pro Sekunde ab. „Es könnte sein, dass wir das nicht halten können“, sagte Sigges. Nach Angaben des Regierungspräsidiums Kassel fließen wegen der Trockenheit nur bis zu fünf Kubikmeter pro Sekunde aus Bächen in den See, so dass dem Edersee unter dem Strich pro Tag rund eine Million Kubikmeter verloren gehen - der Stausee „schrumpft“ zusehends.

          Enthält der See nur noch 40 Millionen Kubikmeter Wasser, drosselt das Amt die Abgabe in die Weser. Das könnte Mitte Juli so weit sein - falls es bis dahin nicht reichlich Regen-Nachschub gibt. Die Folge: Der Weser-Pegel in Hann. Münden sinkt. „Schiffe mit einem größeren Tiefgang können dann nicht mehr fahren“, sagte Sigges. Sollte der Inhalt des Edersees sogar unter 20 Millionen Kubikmeter fallen, gilt das Prinzip „Zufluss gleich Abfluss“. Um den Stand zu halten, wird dann nur soviel abgelassen wie auch zufließt.

          „Wir halten unseren Stand“

          In der Diemeltalsperre - die zweitgrößte in Hessen - an der Grenze zu Nordrhein-Westfalen ist die sogenannte Mindestabgabe bereits erreicht. „Schon seit Wochen geben wir hier nur noch einen Kubikmeter pro Sekunde ab“, sagte Sigges. Der Weser-Pegel in Hannoversch Münden werde damit vor allem mit dem Wasser der Edertalsperre gestützt. Der Diemelsee ist selbst komplett gefüllt mit 20 Millionen Kubikmetern Wasser nur ein Zehntel so groß wie der Edersee.

          Der Twistesee im Kreis Waldeck-Frankenberg mit einem Volumen von neun Millionen Kubikmetern läuft sozusagen außer Konkurrenz. Er ist nämlich nur ein Regenwasserrückhaltebecken. „Wir halten unseren Stand bei 4,5 Millionen Kubikmetern vom 1. Mai bis 1. Oktober. Wenn wir weniger Zulauf haben, wird auch der Ablauf reduziert“, sagte der Stauwärter Wilfried Zimmermann. Das Wasser wird in die Twiste abgelassen.

          Nicht alle Touristiker freuen sich

          Im Süden des Landes läuft beim Marbach-Stausee im Odenwaldkreis alles nach Plan - noch. Mit rund 200 Litern pro Sekunde seien Zu- und Abfluss derzeit noch auf einem Level, sagte der Geschäftsführer des Wasserverbandes Mümling, Heinrich Hess. Der Marbach-Stausee fasst etwa 3,1 Millionen Kubikmeter Wasser. Mehr als doppelt so groß ist der Niddastausee im Vogelsbergkreis mit bis zu 6,81 Millionen Kubikmetern Wasser.

          Auch ein sich leerender Edersee ist eine Attraktion für Touristen. Je tiefer der Wasserstand, desto mehr Bauten versunkener Dörfer kommen zum Vorschein - von einer Brücke bis zum Friedhof. „Einiges müsste schon jetzt zu sehen sein“, sagte Sigges. Doch nicht alle Touristiker freuen sich: Die „Personenschiffahrt Edersee“ musste bereits jetzt die Fahrt nach Herzhausen einstellen. Für einen höheren Pegel dürfe es gern wieder regnen, sagt Geschäftsführer Wilfried Meyer. „Aber wir wünschen uns den Regen nachts.“

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