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Fehlerhafte Matheprüfung : Schüler fordern Wiederholung des Abiturs

Nicht immer sind alle Aufgaben lösbar Bild: ddp

Mit Empörung haben Schüler, Eltern, Lehrer und Oppositionsparteien auf fehlerhafte Mathematik-Aufgaben beim hessischen Zentralabitur reagiert. Die Landesschülervertretung fordert ein Wiederholung der Prüfung. Das Kultusministerium prüft noch andere Auswege.

          Mit Empörung haben Schüler, Eltern, Lehrer und Oppositionsparteien auf fehlerhafte Mathematik-Aufgaben beim hessischen Zentralabitur reagiert. Die Landesschülervertretung fordert, dass Abiturienten die Prüfungen wegen der Panne wiederholen dürfen. Kultusministerin Dorothea Henzler (FDP) versicherte gegenüber dieser Zeitung, dass keinem Schüler ein Nachteil entstehen werde. Falls nötig, müssten die Mathematik-Klausuren abermals geschrieben werden. Das Ministerium prüfe weiterhin die Möglichkeit, dass andere als die vorgesehenen Lösungswege anerkannt werden. Auch sei es denkbar, einzelne Aufgaben aus der Bewertung herauszunehmen. Genaueres zum geplanten Vorgehen will Henzler heute mitteilen.

          Matthias Trautsch

          Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

          Am Freitag waren in den zentral vorgegebenen Klausuren für die Grund- und Leistungskurse Mathematik Fehler entdeckt worden. Hiervon waren etwa 15 000 der rund 23 000 Abiturienten betroffen. Nach Angaben von Schülern wurde in den Grundkurs-Aufgaben ein t mit einem x und ein Plus- mit einem Minus-Zeichen verwechselt. In den Aufgaben für die Leistungskurse soll ein alternativer Lösungsweg nicht funktioniert haben. Nachdem die Pannen am Freitag morgen im Ministerium bekannt geworden waren, hatten die Mitarbeiter versucht, die Schulen zu alarmieren. Offenbar kam diese Nachricht aber nicht überall rechtzeitig an. Teils wurden die Abiturienten erst gegen Ende der Prüfungszeit über die falsche Aufgabenstellung informiert.

          „Elementare Fehler“

          Landesschülersprecherin Katharina Horn sprach von „elementaren Fehler, an denen die Schülerinnen und Schüler verzweifelt sind“. Es reiche nicht aus, für die fehlerhaften Aufgaben auch eine zweite Lösung zu akzeptieren. Einige Schüler hätten sich an den missverständlichen Formulierungen festgebissen und so viel Zeit verloren. Weil die Schulen unterschiedlich auf die Entdeckung der Fehler reagiert hätten, seien die Ergebnisse landesweit nicht vergleichbar. Man werde auch juristische Schritte prüfen. Horn forderte zudem, das Zentralabitur abzuschaffen.

          Anders als die Landesschülervertretung sprach sich der Landeselternbeirat am Samstag zunächst gegen neue Mathematik-Klausuren aus. Die Elternbeiratsvorsitzende Kerstin Geis forderte, die Bewertung der Prüfungen den Umständen anzupassen. Für die Panne zeigte sie kein Verständnis: „Man darf von den mit der Prüfung Befassten erwarten, dass sie ihre Hausaufgaben machen, wie man das von Schülern auch erwartet: sauber, sorgfältig, korrekt.“ Sie beklagte auch die psychische Belastung der Abiturienten: Die Aufregung um die Fehler verunsichere die Prüflinge zusätzlich, nachdem sie wegen des Abiturs ohnehin schon mit Druck und Anspannung fertig werden müssten.

          „Bedauerlich und ärgerlich“

          Als „bedauerlich und ärgerlich“ bezeichnete der Verband der Oberstudiendirektoren in Hessen die Fehler beim Landesabitur. „Obwohl die Aufgabenstellungen von einem Team aus Fachleuten erarbeiten wurden, scheinen die Sicherungssysteme an dieser Stelle nicht auszureichen“, sagte der Verbandsvorsitzende Volker Räuber. Wichtig sei, dass Sicherungen geschaffen würden, damit sich solche Vorfälle nicht wiederholten. Der Verband, in dem die Leiter der Gymnasien zusammengeschlossen sind, werde in den nächsten Wochen darüber wachen, dass den hessischen Schülern durch die Panne keine Nachteile entstünden.

          Die bildungspolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, Heike Habermann, griff Kultusministerin Henzler an: Offensichtlich nehme das Ministerium die Prüfungen nicht ernst genug, dafür sollte sich Henzler bei den Schülern entschuldigen. „Wenn man schon am Zentralabitur gegen alle Bedenken festhält, dann muss es wenigstens professionell vorbereitet sein.“ Der bildungspolitische Fraktionssprecher der Grünen, Mathias Wagner, forderte Henzler zu Konsequenzen auf. Sie müsse die Panne zum Anlass nehmen, „den Zentralismuswahn und die Misstrauenskultur gegenüber den Schulen zu beenden“. Es sei absurd, dass die Lehrer an den Schulen die fehlerhaften Aufgaben auf den ersten Blick erkannt hätten und die Fachleute des Ministeriums nicht.

          250 ausgewählte Lehrer erstellen Abitur-Aufgaben

          Das Landesabitur gibt es in Hessen seit 2007. Es soll die Vergleichbarkeit und die Verlässlichkeit der Abschlüsse verbessern. Zentral gestellt werden aber nur die Klausuraufgaben für die beiden Leistungskurse und das dritte schriftliche Prüfungsfach, das vierte Fach wird mündlich geprüft, beim fünften können die Schüler zwischen einer Präsentation und einer mündlichen Prüfung wählen. Die landesweit einheitlichen Aufgaben werden von 43 Fachkommissionen erarbeitet. Sie sind besetzt mit insgesamt 250 Lehrern, die von den Staatlichen Schulämtern benannte werden. Die von ihnen erarbeiteten Aufgaben werden noch einmal von einem Fachgremium überprüft. Am Vortag der jeweiligen Klausur laden die Schulleiter die Aufgaben von einem Server herunter, drucken sie aus und verschließen sie im Tresor. Am nächsten Morgen werden sie an die Prüflinge ausgeteilt. (trau.)

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