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Erste Fahrrad-Seilbahn Deutschlands : Im Drahtkorb über die Fulda

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In der Fahrrad-Seilbahn ist Muskelkraft gefragt: Für eine Querung müssen die Kurbeln mehrere Hundert Mal gedreht werden. Bild: ddp

Deutschlands erste Fahrrad-Seilbahn hängt seit Mittwoch über der Fulda. Künftig können Radler den Fluss zwischen Beiseförth und Binsförth bei Melsungen in zwei Metern Höhe überqueren. Dafür müssen die Insassen des Korbs kräftig kurbeln.

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          Deutschlands erste Fahrrad-Seilbahn hängt seit Mittwoch über der Fulda. Künftig können Radler den Fluss zwischen Beiseförth und Binsförth bei Melsungen in zwei Metern Höhe überqueren - mit Muskelkraft. Angetrieben wird der Metallkorb mit zwei Kurbeln, die an Fahrradpedale erinnern und die Kraft auf ein Zahnrad übertragen, das den Korb an einer Kette über den Fluss zieht. Die Fulda ist an der Stelle etwa 40 Meter breit. Für eine Querung müssen die Kurbeln mehrere Hundert Mal gedreht werden. Nach fünf Minuten hakt der Korb am anderen Ufer in eine Halterung ein und kann über zwei Tore verlassen werden. Zugelassen ist das Gefährt für vier Menschen nebst Rädern. Oberhalb der 200 Kilogramm lässt es sich aber kaum noch bewegen.

          „Mit dieser einzigartigen Bahn kann ein sehr gefährliches Stück des Radfernweges R1 entschärft werden“, sagte Wolfgang Fehling vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub. „Er geht sonst über die Kreisstraße, die hier aber sehr verschlungen und bergig ist. Wenn da ein Autofahrer über die Kuppe kommt, steht plötzlich ein Radfahrer vor ihm.“ Die Seilbahn sei aber nicht nur eine Notlösung: „Das wertet den Radweg ganz erheblich auf. Die Radler werden nicht nur deshalb kommen, aber wahrscheinlich will jetzt jeder mal so über den Fluss.“

          Radtouristen als Zielgruppe

          Hessens Wirtschaftsminister Dieter Posch (FDP) sagte, dass der Auslandstourismus Gäste verliere. „Diese Leute müssen wir auffangen, auch durch Fahrradtourismus.“ Schließlich gebe es in Hessen 21.000 Kilometer Radwege - bei nur 16.000 Kilometern Bundes- und Landesstraßen. Die 134.000 Euro teure Seilbahn sei zwar aus einer Zwangssituation entstanden, weil Fähre und Brücke zu teuer oder zu kompliziert seien. „Aber jetzt ist es eine Touristenattraktion. Und jeder Fahrradtourist gibt am Tag 65 Euro bei uns aus.“ Das seien 15 Euro mehr als der Durchschnittstourist. „Und wer sich hier über die Fulda kurbelt, muss mit Sicherheit noch mehr Geld für Essen ausgeben.“

          Die Planung der Seilbahn stieß nach Angaben der Entwickler vor allem auf genehmigungsrechtliche Probleme. „Es gab in Deutschland keine Sachverständigen, die so etwas abnehmen wollten. Wir mussten Seilbahn-Experten aus Österreich bitten, weil die solche Konstruktionen kennen“, sagte Christian Schäffer vom Entwicklungsbüro im nahen Melsungen. „Es ist zwar die erste Fahrrad-Seilbahn, aber sie ist sicher und ausgereift. Sollte wirklich jemand steckenbleiben, kann er über einen Notrufsender Hilfe holen.“ Anscheinend wollten die Entwickler aber auf Nummer sicher gehen: An dem etwa zwei Mal zwei Meter großen Korb hängt ein Rettungsring.

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