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Erfolgreich : Hessische Jugendherbergen verzeichnen Spitzenjahr

Bei Schulklassen sehr beliebt: Übernachten in der Jugendherberge Bild: dpa

Im letzten Jahr hatten die hessischen Jugendherbergen so viele Übernachtungsgäste wie seit fünfzehn Jahren nicht mehr. Hauptklientel der Jugendherbergen sind nach wie vor Schulklassen und Vereine. Allerdings werden die Gäste immer anspruchsvoller.

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          Die hessischen Jugendherbergen haben 2007 so viele Übernachtungen verzeichnet wie seit fünfzehn Jahren nicht mehr. Nach Angaben des Landesverbands des Deutschen Jugendherbergswerks (DJH) zählten die 34 Häuser im vergangenen Jahr rund 686.000 Übernachtungen, das waren rund 25.000 mehr als 2006. Die Übernachtungen hätten sich auf knapp 300.000 Gäste verteilt. „Es war ein sehr gutes Jahr“, sagte Vorstandsmitglied Uwe Kathmann.

          Tobias Rösmann

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Grund für das Spitzenergebnis war laut Kathmann die „Documenta 12“, die von Juni bis September 2007 in Kassel stattfand und viele zusätzliche Gäste angezogen habe. Hauptklientel der Jugendherbergen seien aber nach wie vor Schulklassen, die mehr als 50 Prozent der Gäste stellten. Vereine bildeten die zweitgrößte Gruppe.

          Toleranz, Respekt und Gemeinschaftssinn vermitteln

          Zu den 34 DJH-eigenen Häusern in Hessen kommen laut Kathmann drei weitere Herbergen, die sich denselben Grundsätzen verschrieben hätten, aber privat oder von anderen Vereinen betrieben würden. Dazu gehöre etwa die Jugendherberge in Frankfurt, die mit 440 Betten zugleich die größte sei. Die kleinste Herberge des Deutschen Jugendherbergswerks in Hessen, das als gemeinnütziger Verein organisiert ist, stehe in Gießen. Dort gebe es neunzig Schlafplätze. Insgesamt verfügten die 37 Häuser über annähernd 6.300 Betten.

          Kathmann sagte: „Der Trend zu den Jugendherbergen ist ungebrochen.“ Ziel des DJH bleibe es, den oft jungen Gästen Werte wie Toleranz, Respekt und Gemeinschaftssinn zu vermitteln. Zudem böten viele Häuser eigene Programme zum Beispiel zu den Themen Natur, Theater und Gewaltprävention an. Dabei arbeite man auch mit Sozialpädagogen zusammen.

          Auch koschere Speisen

          Allerdings würden die Gäste immer anspruchsvoller, berichtete Kathmann. Selbst Jugendliche seien nur noch selten bereit, in einem Acht-Bett-Zimmer zu schlafen, das nicht über eigene Sanitäranlagen verfüge. Deshalb müsse das DJH Geld ausgeben, damit die Häuser attraktiv blieben. So investiere der Landesverband derzeit 2,3 Millionen Euro in die Modernisierung der Herberge in Fulda. Auch in den anderen Häusern würden Bad und Toilette nach und nach in die Zimmer integriert, die im selben Zug verkleinert würden. „Dass man in einem Acht-Bett-Zimmer aufwacht, in dem man sieben Personen nicht kennt, kommt praktisch nicht mehr vor.“ Dennoch gebe es unterschiedlich gute Ausstattungen, die genauso wie die Lage der Herberge den Preis beeinflussten: Während die zentral gelegene und gut ausgestattete Jugendherberge in Bad Homburg zum Beispiel 24 Euro pro Person und Nacht verlange, koste eine Übernachtung in Gersfeld in der Rhön 17,50 Euro pro Person und Nacht; beide Preise enthielten Frühstück.

          Kathmann wies darauf hin, dass die Jugendherbergen nicht nur auf die Ansprüche der Gäste, sondern auch auf andere Anforderungen reagieren müssten. So litten immer mehr Kinder unter Lebensmittelallergien, auf die zum Beispiel bei Klassenfahrten sehr individuell Rücksicht genommen werde. Außerdem achteten die Köche der Häuser auf religiöse Besonderheiten und bereiteten auch koschere Speisen zu, um keine Kinder auszugrenzen. Dadurch werde zwar die Küchenausstattung teurer, „aber das stärkt auch unser Profil“, sagte Kathmann.

          Hohe Sicherheitsauflagen

          Der Landesverband finanziert sich nach seinen Worten aus den Übernachtungsgebühren und den Beiträgen der rund 163.000 Mitglieder. Diese zahlen bis zum Alter von einschließlich 26 Jahren 12,50 Euro im Jahr als Beitrag, danach 21 Euro. Ob das reiche, um zum Beispiel die Kosten für die etwa 300 Mitarbeiter und die Bauinvestitionen zu decken, beantwortete Kathmann nicht. Er sagte nur: „Die schwarze Null ist angepeilt.“ Bei Bauprojekten helfe zudem das Land. Vor allem die hohen Sicherheitsauflagen, etwa beim Brandschutz, machten die Arbeiten teuer. Deshalb könne das DJH nur eine Herberge im Jahr sanieren. Allein eines der stabilen Etagenbetten koste zwischen 800 und 1.000 Euro.

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