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Emil von Behring : Auf den Spuren eines Nobelpreisträgers

Wohnsitz: Emil von Behrings Villa Bild: Florian Manz

Die Stadt Marburg will auf einem Behringpfad mit dem Leben und Wirken des berühmten Serologen bekanntmachen.

          3 Min.

          Dank Emil von Behring ist Marburg bis heute einer der wichtigsten Standorte der pharmazeutischen Forschung und Industrie. Seine herausragenden Entdeckungen zur körpereigenen Immunabwehr und Forschungen zur Entwicklung der Serumtherapie gegen Diphtherie und Tetanus fallen in seine Marburger Zeit. Dafür hat er den Noblpreis bekommen. Anders als die geschichtsprägenden Persönlichkeiten der Heiligen Elisabeth mit der ihr geweihten bedeutendsten Kirche Mittelhessens und dem Universitätsgründer Landgraf Philipp mit dem Schloss als Wahrzeichen der Stadt ist Emil von Behring als einer der Marburger Koryphäen der jüngeren Vergangenheit im Stadtbild allerdings wenig präsent.

          Wolfram Ahlers
          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für Mittelhessen und die Wetterau.

          Das soll sich ändern. In Zusammenarbeit mit der Universität und den Nachfolgefirmen der Behringwerke will die Stadt einen Rundgang entwickeln, der die Wohn- und Arbeitsstätten Behrings erschließt. Einen entsprechenden Beschluss hat der Magistrat getroffen und erhofft sich von diesem Projekt weiteren Auftrieb im Tourismus. Die Zustimmungen der Stadtverordneten und die Bewilligung von Geld – das unter anderem für Ausstellungen und Gebäudesanierungen benötigt wird – vorausgesetzt, soll der Behringpfad im nächsten Jahr angelegt werden.

          Ehrenbürger der Stadt

          Von 1895 bis zu seinem Tode 1917 hatte Behring, der seine Laufbahn als Militärarzt in Preußen begann, den Lehrstuhl für Hygiene an der Marburger Universität inne und leitete das Institut für Hygiene. Schon im Jahr seiner Berufung betrieb der Bakteriologe und Serologe auf dem Schlossberg ein für damalige Verhältnisse ungewöhnlich großes und gut ausgestattetes Laboratorium. Für die Entwicklung der ersten wirksamen Seren gegen Diphtherie und Wundstarrkrampf wurde er 1901 mit dem ersten Nobelpreis für Medizin geehrt. In Marburg begründete er die pharmazeutische Industrie, die alsbald Weltruf erlangte. Mit Beginn des Ersten Weltkriegs avancierte die Impfstoffproduktion in Marburg zu einer Art Schlüsselzweig der Branche, weil Behrings Tetanusheilserum für viele der in verdreckten Schützengräben verharrenden Soldaten zum Retter vor dem Wundstarrkrampf wurde.

          Anfangs in Marburg angefeindet, weil er aufgrund der Fürsprache eines einflussreichen Ministerialrats und gegen den Willen der medizinischen Fakultät zum Professor berufen worden war, pflegte er später zu den Gremien der Hochschule und vieler seiner Kollegen ein gutes Verhältnis. Die Stadt ernannte Emil von Behring zum Ehrenbürger, denn er kümmerte sich nicht nur um Forschung und das Wohlergehen seiner Firma. Über viele Jahre engagierte sich der Wissenschaftler und Unternehmer in der Kommunalpolitik seiner Wahlheimat. So hat Marburg auch dem Stadtrat einige Errungenschaften zu verdanken. Dazu zählt die Verbesserung der Trinkwasserversorgung, und er sorgte für die Etablierung eines ersten Gesundheitsamts.

          Arbeitszimmer Behrings im Originalzustand zu besichtigen

          Im Mittelpunkt des vom Kulturamt entwickelten Konzepts für den Behringpfad steht eine Ausstellung, die in einem Nebengebäude des Marburger Chemikums gezeigt werden soll und mit den wesentlichen Ereignissen aus Leben und Wirken des Nobelpreisträgers bekannt macht. Start des Rundgangs ist auf dem neugestalteten Platz vor dem Bahnhof, wo Tafeln Informationen über Behring liefern und den Weg weisen. Stationen des Ausflugs sind unter anderem das ehemalige Hygieneinstitut am Pilgrimstein, dessen Leitung von Behring kurz nach seiner Ankunft in Marburg übernommen hatte. Von der Unterstadt geht es über die historische Oberstadt auf den Schlossberg, wo sich Behring sein erstes Laboratorium aufgebaut hatte. Nicht weit davon befindet sich eines der besonders repräsentativen Gebäude der Oberstadt, wo die erste Abfüllstation für die von Behring entwickelten Seren in Betrieb ging.

          Ein Abstecher führt zum früheren Wohnsitz der Familie Behring, eine Villa am Rande der Innenstadt, wo von Behring 1899 mit seiner Frau Else einzog, die sich für ihr soziales Engagement in Marburg ebenfalls einen Namen machte, und zum Behring-Mausoleum auf einer Anhöhe am Stadtwald, das nach Plänen des Nobelpreisträgers erbaut wurde. Dort sind Behring und seine Angehörigen bestattet. Am Stammsitz der Behringwerke ist eines der Arbeitszimmer Behrings im Originalzustand erhalten geblieben, dass bei Führungen zu besichtigen ist. Im Stadtteil Marbach befindet sich ein ehemaliger Gutshof, wo Behring Versuchslabore eingerichtet und einen großen Teil seiner Arbeitsgeräte untergebracht hatte.

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