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Eingetragene Lebenspartnerschaft : Zehn Jahre Jawort für Homosexuelle

  • Aktualisiert am

Partner im Glück: Fernsehmoderator Holger Weinert (rechts) im September 2006 mit seinem Mann Roland Klostermann. Bild: DPA

Seit 1. August 2001 gibt es die eingetragene Lebenspartnerschaft. Etwa 2800 gleichgeschlechtliche Paare in Hessen haben die Möglichkeit genutzt.

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          Bald feiern ein Stadtplaner aus Kassel und sein Mann ihren zehnten Hochzeitstag. Die beiden gehören zu den ersten homosexuellen Paaren in Hessen, die sich hochoffiziell das Jawort gaben. Die eingetragene Lebenspartnerschaft – umgangssprachlich „Homo-Ehe“ genannt – ist seit dem 1. August 2001 in Deutschland möglich. Die Öffnung der im Grundgesetz besonders geschützten Ehe für Lesben und Schwule ist aber nicht in Sicht.

          Nach einer Schätzung des hessischen Innenministeriums sind bis Ende 2010 in Hessen etwa 2800 gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften eingetragen worden. Das Ministerium geht davon aus, dass sich jedes Jahr 250 bis 270 homosexuelle Paare das Jawort gegeben haben. Zum Vergleich: Rund 27.000 Ehen werden jährlich in Hessen geschlossen.

          Der Bürgermeister war dabei

          Genaue Zahlen zu den eingetragenen Lebenspartnerschaften gibt es nach Angaben des Innenministeriums und des Statistischen Landesamts nicht, weil das Bundesstatistikgesetz nicht vorsieht, entsprechende Daten zu erheben. Die Schätzungen beruhen laut Ministerium auf Zahlen, die 2005 bei den Standesämtern erhoben wurden, als die Verlängerung des Gesetzes über eingetragene gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften anstand. Zahlen über Trennungen gibt es nicht, diese liegen nur bei den Amtsgerichten vor.

          Der 60 Jahre alte Kasseler Stadtplaner und sein 52 Jahre alter Partner, ein Friseurmeister, gaben sich am 20. September 2001 im Beisein des Bürgermeisters das Jawort – als erstes homosexuelles Paar in der nordhessischen Stadt. Lange hatten die beiden Männer auf den Moment gewartet, 20 Jahre waren sie damals schon zusammen gewesen. „Wir hatten schon immer heiraten wollen, wenn es möglich gewesen wäre“, sagt der Stadtplaner, der namentlich nicht genannt werden will. Als es dann möglich war, „haben wir gesagt, wir wollen dann auch die ersten sein“.

          Auch auf anderen Feldern nicht gleichgestellt

          Sie seien im Urlaub gewesen, als der Gesetzgeber das neue Recht geschaffen habe. Nach ihrer Rückkehr hätten sie dann innerhalb von 14 Tagen ihre Hochzeitsfeier geplant. Nach den Worten des Stadtplaners hat sich danach nicht viel geändert, außer eben dem Gefühl, verheiratet zu sein. Veränderungen kamen nach und nach: Das Erbschaftsrecht wurde angepasst, auch Regelungen zum Versorgungsausgleich, wie der Sechzigjährige erzählt. Mittlerweile sind der Stadtplaner, der einen Sohn mit in die Beziehung gebracht hat, und sein Partner Großväter.

          Mit ihrer Verpartnerung wollten die beiden auch ein Zeichen setzen. „Wir wollten anderen homosexuellen Paaren Mut machen. Wir wollten zeigen: Man kann auch ganz normal leben, man muss sich nicht verstecken. Wir leben, arbeiten, verdienen Geld, haben Familie wie andere auch.“ Aber Wünsche sind natürlich da: Es wäre schön, wenn auch beim Steuerrecht eingetragene Lebenspartnerschaften Eheleuten gleichgestellt würden, meint der Stadtplaner.

          Die Partnerschaften sind Ehen von heterosexuellen Paaren auch auf anderen Feldern nicht gleichgestellt. Schwule und Lesben, die sich verpartnert haben, können zum Beispiel gemeinsam keine Kinder adoptieren. Auch im Einkommensteuerrecht gibt es Unterschiede. Zwar sei der 1. August 2001 „ein Meilenstein hin zu mehr Toleranz und Anerkennung von Homosexualität in der Gesellschaft“ gewesen, sagt der 60 Jahre alte Kasseler. Doch werde er zuweilen noch immer angefeindet. „Wir gehen immer noch nicht Hand in Hand, Arm in Arm durch die Stadt.“

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