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E-Perso : Ein Ausweis revolutioniert noch nicht die Welt

Wenn schon, denn schon: Ausweis-Antragsteller beim Fingerabdruck-Scannen Bild: F.A.Z. - Wolfgang Eilmes

Mit dem elektronischen Personalausweis können Verbraucher online mit Behörden und Unternehmen kommunizieren. Die sind aber noch nicht so weit oder warten erst einmal ab.

          3 Min.

          Wer es versäumt hat, noch vor dem 1. November seinen Personalausweis zu verlängern, hat Pech gehabt. Seit diesem Montag geben die Ämter nur noch den neuen elektronischen Personalausweis, kurz E-Perso, aus (siehe auch Info-Kasten). Mit diesem können sich Bürger in Zukunft auch online bei Behörden und Unternehmen identifizieren, Verträge abschließen und einkaufen. Noch freilich ist das alles Theorie. Bisher haben sich bundesweit erst rund 20 Unternehmen und eine Behörde - die Stadt Hagen - registrieren lassen.

          Petra Kirchhoff

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Bei der Deutschen Bank ist man überzeugt, dass der Ausweis Vorteile für alle Beteiligten bringt, weil er die Arbeit effizienter und sicherer mache. „Diese Vorteile stellen sich aber erst mittelfristig ein. Die Einführung der Infrastruktur braucht Zeit“, heißt es auf Anfrage. Auch die Frankfurter Sparkasse ist „offen für das System“. Es gebe aber noch viele rechtliche und technische Fragen zu klären, sagt ein Sprecher. Damit es sich betriebswirtschaftlich rechne, brauche man eine „gewisse kritische Masse“.

          Pin, Puk und Sperrkennnummern

          Die Stadt Frankfurt bietet aktuell keine Behördendienste online an. „Wir sind noch nicht einmal in ernsthaften Vorüberlegungen“, sagt Rainer Orell, Leiter des Bürgeramtes. Sein Haus war in den vergangenen Wochen hauptsächlich damit beschäftigt, die Ausgabe des Ausweises vorzubereiten. Mitarbeiter mussten geschult, Räume umgebaut werden. Fünf Personen zusätzlich wurden abgestellt.

          Der neue Ausweis ist kompliziert und macht Arbeit. Bisher wurden für das Ausstellen acht bis zehn Minuten angesetzt, der neue braucht nach Berechnungen der Behörde 20 bis 25 Minuten Zeit, weil er mehr Funktionen hat und die Mitarbeiter mehr erklären müssen. Das geht schon los mit der Frage, ob der Antragsteller zwei seiner Fingerabdrücke speichern lassen möchte, und setzt sich fort mit der Zusendung persönlicher Identifikationsnummern (Pin, Puk und Sperrkennnummern).

          Die Pin ist Voraussetzung dafür, dass der Ausweis im Internet genutzt werden kann. Die zugesandte Pin wird - sofern der Antragsteller den Ausweis online einsetzen und den Chip mit den gespeicherten persönlichen Daten freischalten lassen will - bei Abholung in eine frei wählbare Pin umgeändert. Das alles steht in einer fünfzehnseitigen Informationsbroschüre, die jeder Bürger bei Antragstellung mit auf den Weg bekommt. Ob diese gelesen wird und ob die eingeplanten 20 bis 25 Minuten letztendlich ausreichen, muss sich in der Praxis erst noch zeigen. Einen Sturm auf die neuen Ausweise hat es in den ersten beiden Tagen der Ausgabe bei den Frankfurter Bürgerämtern nicht gegeben. Im Schnitt bearbeitet die Behörde täglich 400 Anträge auf Personalausweise und Reisepässe, am Montag waren es 550. Die ersten Erfahrungen zeigen allerdings: Die Bürger wollen - wenn sie schon 28,80 statt bisher 8 Euro zahlen - das „volle Programm“, das heißt Ausweis mit Online-Funktion und gespeicherten Fingerabdrücken.

          Polizei rät von Basisgerät ab

          Mit den gut 28 Euro freilich ist es nicht getan. Wer seinen Ausweis auch online einsetzen will, braucht ein extra Kartenlesegerät. Nur so können auf dem Ausweis-Chip gespeicherte Informationen online übertragen werden. Das Lesegerät gibt es in drei Versionen: Basis, Standard und Komfort, wobei Polizei, Daten- und Verbraucherschützer von dem günstigen Basisgerät abraten, da bei diesem die Pin über die Computertastatur eingegeben werden muss. Dieses System sei anfällig für Internetbetrug. Im Handel sind die höherwertigen Lesegeräte aber noch nicht angekommen. Und so werden die Kosten bisher nur geschätzt zwischen 60 und 160 Euro.

          Ohnehin sollten Verbraucher noch zuwarten, rät Alexander Schmid, Leiter des „Kompetenzzentrums neuer Personalausweis“, das mit etwa 200 Unternehmen und Behörden die Anwendung des neuen Personalausweises getestet hat. „Wir gehen davon aus, dass in den nächsten Wochen ein starker Preisverfall einsetzen wird.“ Gleiches erwartet Schmid bei den Gebühren für das sogenannte Signaturzertifikat. Der neue Personalausweis ist für die digitale Unterschrift unter Verträge nur vorbereitet. Um die Unterschrift einsetzen zu können, muss man in einem sogenannten Trustcenter ein Signaturzertifikat kaufen. Hierfür werden jährlich 20 bis 50 Euro Gebühren genannt - Anbieter und Preise herauszufinden ist zurzeit noch ein Abenteuer. Fakt ist: Der Verbraucher muss zurzeit tief in die Tasche greifen, um alle Funktionen des E-Perso sicher nutzen zu können, im ungünstigsten Fall zahlt er mehr als 200 Euro.

          „Eine mahnbescheid-verlässliche Adresse“

          Verwaltungen, Versicherungsunternehmen, Banken und Krankenkassen sind laut Schmid die Branchen, die mit dem elektronischen Personalausweis arbeiten werden. Die nötigen Investitionen seien überschaubar und rechneten sich schnell. Schmid nennt als Beispiel Wiesbaden. Die Stadt habe 150 Formulare im Internet, die sich Bürger herunterladen, ausdrucken und ausgefüllt zurückschicken könnten, damit ein Mitarbeiter die Daten von Hand erfasse. Solche Arbeiten entfallen, wenn die Daten elektronisch geschickt werden.

          Auch für Online-Händler sieht Schmid Vorteile. „Mit dem neuen Ausweis erhalten die Unternehmen eine mahnbescheid-verlässliche Adresse und reduzieren ihr Risiko.“ Allerdings müssten Händler diesen Vorteil über Rabatte oder andere Vorzüge an die Kunden weitergeben.

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