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Dokumente des Schreckens : Größtes NS-Opfer-Archiv für Forschung geöffnet

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Das Archiv des Schreckens: In Bad Arolsen lagern die Akten von Opfern der nationalsozialistischen Konzentrationslager Bild: AP

Nach mehr als 60 Jahren ist das weltweit größte Archiv über die Opfer des Nationalsozialismus im nordhessischen Bad Arolsen jetzt auch für die Öffentlichkeit zugänglich. Mehr als 50 Millionen Akten geben Auskunft über die Schicksale von 17 Millionen KZ-Gefangenen und Zwangsarbeitern.

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          Das weltweit größte Archiv mit Dokumenten über die Opfer des Nationalsozialismus im nordhessischen Bad Arolsen ist jetzt auch der weltweiten Öffentlichkeit zugänglich. Am Mittwoch öffnete der Chef des Internationalen Suchdienstes des Roten Kreuzes (ITS), Reto Meister, nach mehr als sechs Jahrzehnten die Akten für Wissenschaftler und Institutionen. Bislang hatten ausschließlich die Opfer von damals das Recht, die Akten einzusehen.

          In Bad Arolsen liegen mehr als 50 Millionen Akten, die Auskunft über die Schicksale von 17 Millionen KZ-Gefangenen, Zwangsarbeitern und Verschleppten geben. Das bekannteste Papier ist „Schindlers Liste“ mit den Namen der Juden, die von dem deutschen Unternehmer Oskar Schindler gerettet wurden. In den vergangenen Jahren sind die zumeist 70 Jahre alten Akten in einer beispiellosen Aktion digitalisiert worden. Die Daten haben ein Volumen von fast 18 Terabyte - das sind mehr Informationen als in der größten Bibliothek Deutschlands in Leipzig. Die Öffnung des Archivs war vor allem von den USA und Israel gefordert worden, um mit Aufklärung einem wachsenden Antisemitismus und der Leugnung des Holocausts zu begegnen.

          „Es ist wie ein gedeckter Tisch, vor dem man verhungert“

          „Was nützt ein Archiv, dass man nicht benutzen kann? Nichts!“, sagte der frühere Präsident des Baseler Anne-Frank-Fonds, Vincent Frank-Steiner. „Es ist wie ein gedeckter Tisch, vor dem man verhungert.“ In Arolsen fänden sich Millionen Mosaiksteine, die zahlreiche Schicksale noch klären könnten. „Das Argument, damit könnten Persönlichkeitsrechte verletzt werden, ist unsinnig. Alle KZ-Gefangenen hatten die Welt ihr Schicksal wissen lassen wollen.“ Die Öffnung des Archivs sei deshalb vor allem ein Kampf gegen neue Diktaturen: „Der Ruf 'Nie wieder!' darf nur dann tönen, wenn man diese Zeit wirklich verstanden hat.“

          „Wir haben es zwar mit Millionen Akten zu tun, aber es ist in erster Linie die Masse der Einzelschicksale, die den Betrachter bedrückt“, sagte der Staatssekretär im Bundesinnenministerium, Hans Bernhard Beus. Für nachgeborene Generationen müsse das Gedenken wachgehalten werden. Der frühere Präsident des Bundesarchivs, Friedrich Kahlenberg, sprach ebenso von Verantwortung: „Das Archiv diente und dient der Erinnerung des Leids und der Klärung der Täter.“ An der Öffnung des Archivs nahmen auch Vertreter des US-Holocaust-Museums in Washington und der israelischen Gedenkstätte Yad Vaschem teil.

          Gründung im Jahr 1943

          Der ITS wurde 1943 in London geschaffen, um Vermisste zu suchen und Familien wieder zusammenzuführen. Nach dem Krieg siedelte er nach Arolsen über. Vertragspartner sind die USA, Israel und neun europäische Länder. Der Haushalt des ITS mit seinen 280 Mitarbeitern beträgt 14 Millionen Euro im Jahr und wird von Deutschland finanziert. Die Stelle soll nicht nur das Leid dokumentieren, sondern zum Beispiel auch Entschädigungsansprüche beweisbar machen.

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