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Hengste müssen weg : Landgestüt künftig ohne Zucht

Künftig ohne Henge: Landgestüt in Dilenburg Bild: dpa

Die traditionsreiche Einrichtung in Dillenburg bleibt nach einem Kompromiss zwischen Umweltministerin und der Stadt doch erhalten. Nur die Hengste müssen weg.

          2 Min.

          Dillenburg kann aufatmen, denn sein energischer Kampf für den Erhalt des mitten in der Innenstadt gelegenen, denkmalgeschützten Landgestüts war erfolgreich. Hessens Umweltministerin Priska Hinz (Die Grünen) hat ihre vor sechs Wochen geäußerte Absicht, das knapp 3,6 Hektar große Landgestüt zu schließen, aufgegeben und sich auf einen Kompromiss eingelassen: Es werden in Dillenburg künftig keine Hengste mehr gehalten und gezüchtet, die 30 verbleibenden Pferde erhalten mehr Auslauf.

          Oliver Bock

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Rheingau-Taunus-Kreis und für Wiesbaden.

          „Mit einer Verringerung des Tierbestandes und zusätzlichem Auslauf ist kurzfristig eine Verbesserung des Tierschutzes erreichbar“, sagte Hinz in Wiesbaden. Der Tierschutz habe im Landgestüt aus ihrer Sicht Vorrang. Für Stuten und Wallache, die im Unterschied zu Hengsten in Gruppen gehalten werden können, ergebe sich die Möglichkeit eines zusätzlichen Auslaufs auf Teilen des 6000 Quadratmeter großen Paradeplatzes, der dann mit mobilen Zäunen unterteilt werde. Weil die Hengstzucht aus Dillenburg seit Jahren an Bedeutung verliere, habe sich das Land entschlossen die Hengsthaltung endgültig aufzugeben. Derzeit stehen noch elf Hengste in den Ställen. Die Reit- und Fahrschule kann damit am bisherigen Standort weiter betrieben werden, wie dies auch diverse reiterliche Vereinigungen und Pferdesportverbände gefordert hatten.

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          Hinz sieht sich durch die von der Stadt kürzlich vorgelegten Gutachten zum Tierwohl in Dillenburg bestätigt, dass die Haltungsbedingungen dort trotz mancher Anstrengung in den vergangenen sechs Jahren noch verbessert werden können. „Es war und ist mein Anliegen, gemeinsam mit der Stadt zu einer Lösung im gegenseitigen Einvernehmen zu kommen“, sagte die Ministerin. Das sei jetzt möglich. Sie hoffe, dass die Stadt, der Pferdesportverband, der Förderverein und alle Bürger in Zusammenarbeit mit dem Land dazu beitragen, das Gestütsgelände als touristische Attraktion zu beleben.

          „Dillenburg freut sich über den Erhalt des Landgestüts“, fasst Bürgermeister Michael Lotz (CDU) trotz der Aufgabe der Hengstzucht die Stimmung in Mittelhessen zusammen. Er verweist auf den Erhalt der Arbeitsplätze und bietet dem Land eine Zusammenarbeit bei den nun anstehenden Schritten der Neuordnung an. Auch die Fraktionsspitzen der nach Wiesbaden mitgereisten Dillenburger Parteien und Wählergruppierungen sind zufrieden mit dem Fortbestand der traditionsreichen Kultureinrichtung.

          „Traditionseinrichtung“

          Das Landgestüt war 1869 gegründet und 1929 um die Reit- und Fahrschule erweitert worden. Die Vorgeschichte reicht allerdings bis ins 16. Jahrhundert zurück. Die ursprüngliche Zielsetzung, nämlich für Armee und Landwirtschaft robuste Tiere zu züchten, ist allerdings schon seit Jahrzehnten nicht mehr aktuell. Nachdem das Landgestüt in Darmstadt schon vor 60 Jahren geschlossen wurde, blieb Dillenburg einzige Bastion der staatlichen Pferdezucht in Hessen.

          Die Grünen im Landtag loben die Entscheidung als sinnvollen Schritt, um den verbleibenden Tieren mehr Auslauf zu ermöglichen und damit dem Tierwohl gerecht zu werden. Der SPD-Vorsitzende Thorsten Schäfer-Gümbel ist ebenfalls zufrieden, dass die „jahrhundertealte Traditionseinrichtung“ erhalten bleibt. Die „emotionalen Diskussionen“ der zurückliegenden Wochen seien aber überflüssig gewesen, „weil der Kompromiss so nah lag“. Nach Ansicht der FDP hat Hinz „ohne Not und ohne Konzept eine ganze Region in Aufruhr versetzt“. Ihr Einlenken sei seltsam, nachdem die Grünen noch in dieser Woche die „angeblich so dramatische Situation“ in Dillenburg erläutert hätten. Die FDP stehe zum Pferdestandort Dillenburg und verlange ein zukunftsfähiges Nutzungskonzept.

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