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Denkmalschutz : Lob und Anerkennung am Beckenrand

  • -Aktualisiert am

Auch eine Urkunde wert: Das Darmstädter Jugendstilbad war Ort der Preisverleihung Bild: Rainer Wohlfahrt

Hessens Denkmalschutzpreis wird immer begehrter. Neun Preisträger wurden im Darmstädter Jugendstilbad ausgezeichnet. Der Preis wurde in diesem Jahr zum fünfundzwanzigsten Mal vergeben für denkmalpflegerische Leistungen, die über das übliche Maß hinausgehen.

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          Gerd Weiß hat nicht zum ersten Mal an der Verleihung des Hessischen Denkmalschutzpreises teilgenommen. An eine so „wunderbare Location“ wie die in Darmstadt konnte sich der Präsident des Landesamtes für Denkmalpflege aber nicht erinnern. Weiß und die hessische Ministerin für Wissenschaft und Kunst, Eva Kühne-Hörmann (CDU), zeichneten die neun Denkmalschutz-Preisträger, die aus 49 Vorschlägen ausgewählt worden waren, in Darmstadts Jugendstilbad aus, und zwar nur einen Schritt vom Beckenrand entfernt.

          Rainer Hein

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Darmstadt.

          Der Grund für die Ortswahl war nicht die schwülwarme Witterung gewesen, sondern der Umstand, dass dieses für 22 Millionen Euro rekonstruierte Gebäude das passende Ambiente für den festlichen Akt bot. Außerdem durfte auch Darmstadts Oberbürgermeister Walter Hoffmann (SPD) eine Urkunde für die „vorbildliche Sanierung“ des Bades in Empfang nehmen, das genau vor 100 Jahren eröffnet worden war.

          Neuer Teilnehmerrekord

          Der Hessische Denkmalschutzpreis wurde in diesem Jahr zum fünfundzwanzigsten Mal vergeben für denkmalpflegerische Leistungen, die über das übliche Maß hinausgehen und überregionale Bedeutung beanspruchen können. Er ist mit insgesamt 15.000 Euro dotiert, die die Lotterie-Treuhandgesellschaft mbH Hessen finanziert. Seit dem Jahr 1986 stellt sie die Zweckerträge der „Rubbellose“ für die Denkmalpflege zur Verfügung. Innerhalb der vergangenen 23 Jahre hat so die Spielleidenschaft der Menschen 65 Millionen Euro für die Restaurierung von Kulturdenkmälern erbracht.

          Wie der Geschäftsführer der Gesellschaft, Heinz-Georg Sundermann, am Montag sagte, trifft Hessen Lotto mit der Verwendung der Gelder einen breiten Publikumsgeschmack: Eine Umfrage des Instituts Allensbach habe ergeben, dass 88 Prozent der Bevölkerung historische Bausubstanz erhalten sehen möchten. In dieses Meinungsbild passt für Sundermann, dass mit 49 Einreichungen für den Denkmalschutzpreis in diesem Jahr ein neuer Teilnehmerrekord aufgestellt wurde.

          Staatsziel im Grundgesetz

          Für Kühne-Hörmann dokumentiert das Interesse die wachsende Bedeutung der Auszeichnung und die Akzeptanz der Arbeit des Landesamtes für Denkmalpflege. Dieses habe es verstanden, durch seine Arbeit bestehende Vorbehalte auszuräumen und den Preis zu einem „Markenzeichen“ zu machen, sagte die Ministerin: „Das Landesamt zeigt: Es ist keine Verhinderungs-, sondern eine Beförderungsbehörde, die Bürgern Beratung anbietet und ihnen hilft.“ Die Ministerin hob gleichzeitig hervor, dass Denkmalschutz nicht ausschließlich Aufgabe des Staates sei und Bedeutung auch als Wirtschaftsfaktor habe. So setze ein Euro Investition in alte Bausubstanz acht bis zehn Euro auf dem Arbeitsmarkt frei.

          Weiß hob hervor, dass die Pflege der historischen Bauten langfristig als Standortfaktor wirke. Nach Ansicht des Präsidenten nutzt Deutschland hier seine Spielräume noch nicht ausreichend. Mit seinen Denkmalförderprogrammen bilde der Bund in Europa ein Schlusslicht. „Wir hoffen darauf, dass die Förderung in den kommenden Jahren kontinuierlich ausgebaut wird“, sagte Weiß, der sich außerdem für eine Verankerung der Denkmalpflege als Staatsziel im Grundgesetz aussprach.

          Sozialer Treffpunkt

          Zu den diesjährigen Preisträgern gehören Privatpersonen, Kommunen, Förderkreise und Vereine. Der mit 5.000 Euro versehene erste Preis ging an den Förderkreis „Synagoge in Vöhl“ im Landkreis Waldeck-Frankenberg. Dessen Mitglieder haben das 1827 fertiggestellte jüdische Gotteshaus, das später in Privatbesitz überging, 1999 erworben, saniert und instand gesetzt. Durch das Angebot von kulturellen Veranstaltungen sei, so die Jury, die Synagoge mittlerweile zu einem „kulturellen Leuchtturm“ weit über die Kreis- und Landesgrenzen hinaus geworden.

          Das Ehepaar Anke und Jens Kauer aus Wettenberg/Krofdorf-Gleiberg im Landkreis Gießen erhielt den mit 4.000 Euro dotierten zweiten Preis. Sie haben eine Hofreite aus dem 17. Jahrhundert so vorbildlich saniert, dass das Haus in die Liste der Kulturdenkmäler aufgenommen werden konnte. Mit jeweils 3.000 Euro wurden Verena und Markus Vogt aus Fulda und das Diakoniezentrum Groß-Bieberau im Landkreis Darmstadt-Dieburg ausgezeichnet. Das Ehepaar hatte eine 1957 errichtete Industriellenvilla, die als Zeugnis für das Wohnen in den Wirtschaftswunderjahren gilt, wiederhergestellt, der Diakonieverein eine denkmalgeschützte Hofanlage, die ihren Ursprung im 17. Jahrhundert hat, saniert und mit Seniorenwohnungen und evangelischer Gemeindebücherei zu einem sozialen Treffpunkt umgestaltet.

          Weiteres Juwel

          Für Verdienste um den Denkmalschutz wurden außerdem fünf Urkunden verliehen. Neben der Sanierung des Jugendstilbades sprach die Jury Anerkennung für die vorbildliche Sanierung einer Landhausvilla in Bensheim, der Stadtkirche von Babenhausen, der Alten Mühle Trendelburg sowie für den Einsatz des Fördervereins Kleiner Tannenwald in Bad Homburg aus.

          Insbesondere dieses Beispiel zeigt, dass die „Gemeinschaftsaufgabe Denkmalpflege“ ihren Ursprung auch in einem Konflikt zwischen Stadt und Bürgerschaft haben kann. Gründete sich der Verein 1983 doch zunächst, um die Bebauung des Areals, das heute wieder zum Kernstück der landgräflichen Gartenlandschaft gehört, durch ein Kurhotel zu verhindern. Die Mitglieder haben dieses Ziel erreicht und gleichzeitig maßgebend dazu beigetragen, dass die mit schönen Parks und Grünanlagen gesegnete Kurstadt nun über ein weiteres Juwel verfügt.

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