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Bouffier in Israel : Zu viele Mauern, zu wenig Brücken

  • -Aktualisiert am

Im Angesicht der Opfer: Bouffier und seine Frau Ursula in Yad Vashem. Bild: DPA

Offene Worte unter Freunden: Ministerpräsident Bouffier besucht Israel und die Palästinenser.

          Sicherheitsstufe eins in Bethlehem: Als der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) am Samstag durch die Altstadt flaniert, wird er von einem Dutzend schwerbewaffneter, in modische blau-schwarze Uniformen gekleideter Polizisten der palästinensischen Autonomieverwaltung in alle Richtungen abgeschirmt. Der bizarre martialische Auftritt lässt ein einziges Mal während Bouffiers fünftägigem Aufenthalt im Nahen Osten die Lage wirklich unsicher erscheinen. Vorbei an der „Friedensfontäne“, die längst nicht mehr sprudelt, führt der Marsch, zum Kongresshaus „Friedenszentrum“, wo der Frieden wie überall in Israel und Palästina nur eine Illusion ist. Hier, auf dem Platz vor der Geburtskirche Jesu Christi, wo vor Einführung der Kontrollen zwischen Israel und den von Palästinensern kontrollierten Regionen das Leben wogte, halten sich heute nur wenige Menschen auf.

          Ralf Euler

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, verantwortlich für den Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Vor der Kirche trifft der Ministerpräsident die palästinensische Tourismusministerin Khouloud Daibes, die in der Bundesrepublik studiert hat und perfekt Deutsch spricht. Der Tourismus sei ein Schlüssel zur Zukunft, sagt Daibes. Ihr Land müsse sich nach außen öffnen, und die Voraussetzungen, mehr Gäste anzulocken, seien gut; schließlich befinde sich die Mehrzahl der biblischen Stätten auf palästinensischem Territorium. „Wir können stolz darauf sein, dass wir Städte wie Jerusalem und Bethlehem haben.“ Ein Anfang sei immerhin gemacht: Die Zahl der Übernachtungen ausländischer Gäste sei von einer Million 2009 auf 1,4 Millionen im vergangenen Jahr gestiegen, viele neue Hotels würden gebaut. Aber noch immer gäben die Touristen 90 Prozent ihres Geldes jenseits der Grenze, in Israel, aus.

          „Entweder man ist Teil der Lösung, oder man ist Teil des Problems“

          Bouffier zeigt sich bewegt vom Besuch jenes Ortes, an dem Jesus zur Welt gekommen sein soll. Toleranz sei eine der wesentlichen christlichen Botschaften, sagt er, und nicht zuletzt daran mangele es im Verhältnis zwischen Israelis und Palästinensern. Die Visite des hessischen Regierungschefs fällt in eine schwierige Zeit: Auf palästinensischer Seite ist die extremistische Hamas wieder erstarkt, groß ist die Ungewissheit darüber, welche Blüten der „arabische Frühling“ treibt, der iranische Staatspräsident stößt noch immer wüste Drohungen gegen Israel aus. Er wolle mit seiner Reise „ein Zeichen setzen“, sagt Bouffier, ein Zeichen für die unzerbrechliche Verbundenheit zwischen Deutschland und Israel. Aber wahre Freundschaft sei auch durch Ehrlichkeit im Umgang miteinander gekennzeichnet.

          Eine Reise nach Israel ist für deutsche Politiker immer eine diplomatische Gratwanderung, doch Bouffier hat das Ziel seiner ersten Delegationsreise als Ministerpräsident bewusst gewählt. In der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem bekennt er sich zur fortwährenden Verantwortung der Deutschen für ihre historische Schuld an der Vernichtung der Juden im Zweiten Weltkrieg. Der Politiker gedenkt der Millionen Opfer und legt einen Kranz nieder. Schweigend lässt er sich zusammen mit seiner Frau Ursula durch die Ausstellung führen. „Der Holocaust bleibt ein unfassbares Verbrechen“, schreibt er anschließend ins Gästebuch des Museums. „Ich verneige mich in Demut vor den Opfern.“

          Seinen Gesprächspartnern, zu denen auch der stellvertretende Ministerpräsident Dan Meridor und der palästinensische Ministerpräsident Salam Fajad gehören, tritt Bouffier selbstbewusst und entschieden gegenüber. Im Gespräch mit dem Bürgermeister von Jerusalem, Nir Barkat, will er wissen, warum nur wenige arabische Vertreter im Stadtparlament säßen, und er deutet an, dass es nicht nur an einer Seite liegen könne, dass die Verhandlungen zwischen Israelis und Palästinensern wieder einmal ins Stocken geraten seien. „Entweder man ist Teil der Lösung, oder man ist Teil des Problems.“

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