https://www.faz.net/-gzg-x1a4

Bildungspolitik : Neue Liberalität für die Schulen

Banzer: Alles diskutierbar, vieles vorstellbar Bild: F.A.Z. - Frank Röth

Kultusminister Banzer will für Gymnasien die Wahlfreiheit zwischen G8 und G9 einführen. Auch soll der Nachmittagsunterricht nicht mehr wie bisher begrenzt werden.

          2 Min.

          Die Verordnung über die Begrenzung des Nachmittagsunterrichts an hessischen Gymnasien wird zurückgenommen. Das hat Kultusminister Jürgen Banzer (CDU) am Rande eines Besuchs der Wöhlerschule in Frankfurt angekündigt. Die Rücknahme sei Teil eines im Entstehen begriffenen Programms zur Entlastung von Schülern und Schulen im Zusammenhang mit der Verkürzung der Gymnasialzeit von neun auf acht Jahre (G8). In etwa vier Wochen werde er das Programm vorlegen können, sagte der neue Minister, der in der geschäftsführenden Landesregierung das Kultusressort zusätzlich zu seinem Amt als Justizminister übernommen hat.

          Jacqueline Vogt
          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung, verantwortlich für den Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die Verordnung zum Nachmittagsunterricht hatte Banzers Vorgängerin Karin Wolff (CDU) im November 2007 vorgestellt. Seit Februar sollen Fünft- und Sechstklässler nur einmal, Siebtklässler höchstens zweimal in der Woche nachmittags Pflichtunterricht erhalten. Diese Regelung war bei Einführung von der FDP im Landtag als „Bankrotterklärung“ bezeichnet worden, auch Direktoren und viele Schulgemeinden hatten Kritik geübt: die Anweisung stelle eine unnütze bürokratische Auflage dar, hatte es geheißen, etliche Einrichtungen hatten Ausnahmen beantragt oder erst gar nicht auf die Verordnung reagiert.

          Banzer: Stärkung der Eigenverantwortlichkeit

          „In Zukunft soll jede Schule selbst entscheiden“, sagte Banzer, der seinen Besuch in Frankfurt einen weiteren Versuch nannte, sich „in der Schule zu verorten“. Seine Herangehensweise an das Thema skizzierte er mit dem Worten, er sei angetreten, „ein bisschen Entspannnung in die Sache zu bringen“. Ein „wesentliches Merkmal zukünftiger Politik“ werde die Stärkung der Eigenverantwortlichkeit sein. Seiner Meinung nach können Schulen das meiste, das sie betreffe, auch allein regeln.

          Dass er für alle Vorschläge offen sei und auch keinen abtun werde, ohne ihn erwogen zu haben, hob Banzer in der Wöhlerschule – es ist die dritte Schule, die er in seinem neuen Amt besucht hat – mehrfach hervor. Von der Möglichkeit, dass Schulen anstelle der Kräfte aus dem Programm „Unterrichtsgarantie plus“ festes Vertretungspersonal beschäftigten, bis hin zur freien Entscheidung von Gymnasien, ob sie Schüler in acht oder neun Jahren zum Abitur führen wollten, sei alles ein möglicher Gegenstand von Diskussionen, fügte er hinzu. Vieles sei vorstellbar.

          Die Wahlfreiheit zwischen G8 und G9 auch für Gymnasien hatte Ende vergangener Woche der Landesvorsitzende des Verbands Bildung und Erziehung, Helmut Deckert, gefordert. Er hatte sich damit auf den Antrag bezogen, den am Dienstag die Grünen in den Hessischen Landtag eingebracht hatten und mit dem sie Wahlfreiheit für die Gymnasialzweige an Kooperativen Gesamtschulen gefordert hatten.

          „Kein Übermaß an Regeln“

          Wenn schon das Bildungssystem nicht in dem Maße finanziell ausgestattet werden könne, wie das wünschenswert sei, dürfe es wenigstens nicht durch ein Übermaß an Regeln eingeschnürt werden, sagte Banzer. Als Beispiel nannte er noch die Ausdehnung der „Unterrichtsgarantie plus“ auf die oberen Mittelstufen-Klassen. Unverhandelbar sei die Verlässlichkeit der Schul- und damit auch Betreuungszeiten für die Jahrgangsstufen fünf, sechs und wahrscheinlich auch sieben. Ob ältere Kinder in Randstunden nicht auch einfach mal freibekommen könnten, wenn ein Lehrer kurzfristig ausfalle, könne erwogen werden.

          Weitere Themen

          Pionierleistungen Video-Seite öffnen

          Upländer Molkerei : Pionierleistungen

          Die Geschäftsführerin der Upländer Bauernmolkerei. Katrin Artzt-Steinbrink, spricht über die eigenen Pionierleistungen und den Weg in die Zukunft.

          Impfung im Ballsaal

          Jumeirah-Hotel : Impfung im Ballsaal

          Große Unternehmen haben eigene Impfzentren, doch was machen kleinere? In einem Frankfurter Hotel gibt es ein Angebot. Im Ballsaal des Jumeirah-Hotels wird derzeit nicht getanzt, sondern geimpft.

          Topmeldungen

          In einem mobilen Impfzentrum im sächsischen Markkleeberg lässt sich eine Bürgerin am 10. Mai 2021 gegen Covid-19 impfen.

          Repräsentative Studie : Was die Sachsen über Corona denken

          Ist Sachsen ein Land der „Querdenker“? Ja und nein, ergab eine repräsentative Studie. Besonders weit gehen die Meinungen bei Leuten auseinander, die selbst eine Corona-Erkrankung durchgemacht haben.
          Ein Containerschiff läuft aus dem Hafen von Yantian aus

          Hafen von Yantian : Mega-Stau lähmt den Welthandel

          Unternehmen warten jetzt schon wochenlang auf Waren. Nun droht ein noch größerer Engpass als nach dem Stillstand im Suezkanal: Der Verkehr im Containerhafen Yantian in Shenzhen ist zur Hälfte lahmgelegt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.