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Bildungspolitik : Banzer: Ganztagsbetreuung ausbauen, G8-Schüler entlasten

  • Aktualisiert am

Ist außer für Justiz nun auch für Schulpolitik in Hessen zuständig: Jürgen Banzer (CDU) Bild: dpa

An hessischen Schulen soll nach dem Willen des neuen Kultusministers Banzer die Ganztagsbetreuung ausgebaut werden. Als größte Baustelle im neuen Ressort sieht Banzer die Verkürzung der Gymnasialzeit an. Die Gewerkscahft GEW reagierte mit Kritik.

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          An hessischen Schulen soll nach dem Willen von Justiz- und Kultusminister Jürgen Banzer (CDU) die Ganztagsbetreuung ausgebaut werden. Dies sei wichtig für Haupt- und Realschulen wie zur Lösung der Probleme mit der verkürzten Gymnasialzeit G8, sagte der Minister im Gesprächin Wiesbaden. „G8 geht nur mit Ganztagsschule, das muss man so erkennen.“ Derzeit gebe es in Hessen noch 68 Schulen, die auf dem Weg zum Abitur nach acht Jahren keine Ganztagsbetreuung leisteten. Sie sollten die dafür notwendigen Mittel erhalten, versprach Banzer, dessen Aussagen bei der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft auf Kritik stieß. Der Minister verstehe die grundlegenden Schwierigkeiten mit G8 nicht und verstehe und Ganztagsbetreuung „den ganzen Tag Schule mit anschließenden Hausaufgaben, abgefedert durch Kantinenessen in der Mittagspause“.

          In der geschäftsführenden hessischen Landesregierung betreut Banzer neben dem Justiz- auch das Kultusressort, weil Ministerin Karin Wolff (CDU) ausgeschieden ist. „Man darf auch die sozial- und integrationspolitische Wirkung von Ganztagsschulen gerade im Haupt- und Realschulbereich nicht unterschätzen“, sagte er. Um deren Schüler zu erreichen, solle die Ganztagsbetreuung an diesen Schulen in einem ersten Schritt auch verpflichtende Schulangebote enthalten.

          „Konsens für die Ganztagsschule“

          Der Minister kündigte an, im neuen Landtag fraktionsübergreifend nach Mehrheiten für zusätzliche Mittel zum Ausbau der Ganztagsbetreuung zu suchen. „Ich glaube, es entsteht ein Konsens für die Ganztagsschule.“

          Als größte Baustelle im neuen Ressort sah Banzer die Verkürzung der Gymnasialzeit von neun auf acht Jahre. Die noch von Ministerin Wolff eingeleitete Entlastung der G8-Lehrpläne solle mit Beginn des neuen Schuljahres nach den Sommerferien in Kraft treten: „Das ist ein erster Schritt auf dem Weg, Lehrpläne grundlegend auf den Prüfstein zu stellen. Es muss ja nicht jetzt schon der abschließende große Wurf sein, bei dem in Stein gemeißelte neue Lehrpläne herauskommen.“ Bei der Entlastung sollten alle Möglichkeiten genutzt werden wie ein Streichen von Lerninhalten, eine Verlagerung bestimmter Inhalte in Wahlfächer und eine andere Verteilung auf den achtjährigen gymnasialen Bildungsgang.

          Gleichzeitig trat Banzer dafür ein, an bestimmten Schulen parallel das Abitur nach acht oder neun Jahren zu ermöglichen. „Ich denke, dass es bei den kooperativen Gesamtschulen sinnvoll ist, Wahlfreiheit zu ermöglichen“, sagte er.

          „Der Staat tut sich unendlich schwer loszulassen“

          Für die nächsten Wochen setzte sich Banzer das Ziel, „mit möglichst vielen am System Schule Beteiligten und von Schule Betroffenen Gesprächsfäden zu knüpfen“. Er werde deshalb soviel Zeit im Kultusministerium wie möglich verbringen.

          Nach Kritik der Schulen an einer zu engen Führung durch das Ministerium sagte Banzer einen Abbau von Bürokratie zu. „Der Staat tut sich unendlich schwer loszulassen“, gestand er ein. „Aber es geht nicht anders als den Schulen zu vertrauen und ihnen mehr Selbstständigkeit zu geben.“ Sie sollten das Gefühl haben, dass sie Rückenwind bekommen. Das Kultusministerium solle „nicht das kontrollierende und strafende Bürokratiemonster“ sein.

          GEW: Banzer erkennt grundlegende Probleme nicht

          Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Hessen hat Banzer umgehend vorgeworfen, die grundlegenden Probleme mit der verkürzten Gymnasialzeit G8 nicht erkannt zu haben. GEW-Landeschef Jochen Nagel bezeichnete am Montag Banzers Ankündigung, wegen der Probleme mit G8 die Ganztagsbetreuung auszubauen, „als enttäuschende Fortsetzung des hilflosen Herumreparierens am rasenden Unglücksfahrzeug G8“.

          Banzer verstehe unter Ganztagsschule offenkundig „den ganzen Tag Schule mit anschließenden Hausaufgaben, abgefedert durch Kantinenessen in der Mittagspause“, bemängelte Nagel. Die Probleme der Schulzeitverkürzung im Gymnasien lägen aber „in dem hohen Druck und in den unerträglichen zeitlichen Belastungen der jungen Menschen, denen für außerschulische Aktivitäten praktisch keine Zeit mehr gelassen wird“.

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