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Bevölkerungspolitik : Mehr Nachwuchs durch Neubaugebiete

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Die Chancen auf viele Kinderwagen am Ort steigen, wenn auch die Verkehrsanbindung gut ist und es in der Nähe Jobs für die Eltern gibt Bild: dpa

„Wir wollen wachsen und keine Schlafgemeinde sein“, sagt der Bürgermeister von Eppertshausen. Die Gemeinde gewährt Familien mit Kindern einen Preisnachlass auf Baugrundstücke. Mit Erfolg, wie ein Geburtenüberschuss zeigt. Auch Neubaugebieten zahlen sich aus.

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          Wenn kleine Gemeinden in Hessen einen Babyboom auslösen wollen, dann weisen sie am besten Neubaugebiete für junge Familien aus. Die Chancen auf viele Kinderwagen am Ort steigen, wenn auch die Verkehrsanbindung gut ist und es in der Nähe Jobs für die Eltern gibt. Der Statistik nach liegen die meisten Orte mit einem Geburtenüberschuss in Südhessen. Der Süden hat bessere Chancen als der Norden, den demografischen Wandel mit derartigen Anreizen für junge Familien zu bewältigen.

          Kleine Gemeinden bräuchten viele Mittel, um ihren Fortbestand zu sichern, sagte der Geschäftsführende Direktor des Hessischen Städte- und Gemeindebundes, Karl-Christian Schelzke, der dpa. So könnten Dorfläden in Genossenschaften betrieben werden. Außerdem sollte wenigstens für eine ambulante Ärzteversorgung gesorgt werden. Mit jahrgangsübergreifenden Klassen könnten Schulen auch an kleineren Orten erhalten bleiben.

          Geburtenrate in Migrantenfamilien weiter über Mittel

          Die Zuwanderung in die Städte könne gebremst werden: „Eine Mehrheit würde lieber auf dem Land leben“, sagte Schelzke. Zugleich werde sich die Entvölkerung mancher Orte auf lange Sicht nicht verhindern lassen. „Wir werden nicht jeden Weiler erhalten können.“

          Im vergangenen Jahr wurde in 53 von 426 hessischen Städten und Gemeinden ein Geburtenüberschuss gezählt. Dazu gehören wie in den Jahren zuvor die Großstädte des Rhein-Main-Gebietes, also Frankfurt, Offenbach, Wiesbaden und Darmstadt. 2010 wurden in Frankfurt 7405 Babys geboren und 5736 Sterbefälle verzeichnet.

          Allerdings entscheiden weniger die Geburten als Zuzug oder Abwanderung über Wachstum oder Rückgang der Bevölkerung. In den wachsenden Großstädten kommen Wirtschaftskraft, Zuzug von außen und ein höherer Migrantenanteil zusammen. Die Statistiker beobachten, dass die Geburtenrate in Migrantenfamilien immer noch über dem Durchschnitt liegt. Auch in Gießen gab es in den vergangenen Jahren einen Geburtenüberschuss, in Kassel dagegen nicht.

          „Wir wollen wachsen und keine Schlafgemeinde sein“

          Zu den kleinen Gemeinden, die über Jahre einen Geburtenüberschuss verzeichnet haben, gehören etwa Erzhausen und Eppertshausen im Kreis Darmstadt-Dieburg, aber auch Schmitten im Hochtaunus. Eichenzell bei Fulda ist einer der seltenen Fälle in Osthessen. Dort wurden zuletzt 105 Kinder geboren bei 81 Sterbefällen.

          Gemeinsam haben diese Gemeinden meist, dass sie sich um junge Familien bemühen. Eppertshausen und Eichenzell gewähren Familien mit Kindern einen Preisnachlass auf Baugrundstücke. „Wir waren uns klar: Wir wollen wachsen und keine Schlafgemeinde sein“, sagte der Bürgermeister von Eppertshausen, Carsten Helfmann (CDU). Der Zuzug in diese Gemeinden bedeutet indes Abwanderung aus anderen.

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