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Badeunfälle in Hessen : „Unterströmungen werden oft unterschätzt“

Unterströmungen nicht unterschätzen: Diese Jugendlichen genießen das Baden im Arheiliger Mühlchen in Darmstadt (Archivbild). Bild: Fricke, Helmut

Mehrere Badeunfälle in Hessen endeten in den vergangenen Tagen tödlich. Ein Junge in Frankfurt war erst 16 Jahre alt. Die DLRG warnt davor, Strömungen zu unterschätzen.

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          In Hessen sind in den vergangenen Tagen mehrere Menschen in Flüssen und Seen ums Leben gekommen. Am Dienstag ertrank ein 16 Jahre alter Junge im Main auf Höhe des Frankfurter Gutleutviertels. Der Schüler konnte zwar von Tauchern der Feuerwehr geborgen und reanimiert werden, er starb aber später im Krankenhaus, wie die Polizei Mittwoch mitteilte.

          Katharina Iskandar
          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Der Jugendliche hatte nach derzeitigen Erkenntnissen mit Freunden im Sommerhoffpark Fußball gespielt, als er sich von der Gruppe entfernte und in den Main sprang; wahrscheinlich, um sich abzukühlen. Einige Meter soll er noch geschwommen sein, dann ging er unter. Augenzeugen verständigten sofort die Feuerwehr, die den Main an der Stelle mit Tauchern absuchte und den Jungen schließlich auch fand. 25 Minuten war er zu diesem Zeitpunkt schon unter Wasser.

          Gefahr durch Strömungen sei groß

          Die Polizei sprach von einem „tragischen Fall“, weil der Ertrunkene noch so jung gewesen sei. Es werde ermittelt, was zum dem Unglück geführt habe. Nicht auszuschließen ist es, dass eine Strömung den Jugendlichen erfasst hat. Nach Angaben von Dennis Hartmann, Vorsitzender der Deutschen Lebensrettungs-Gesellschaft (DLRG), gibt es gerade in Höhe des Sommerhoffparks viele Verwirbelungen unter der Wasseroberfläche.

          „Man sieht ja immer nur die oberflächliche Strömung“, sagt Hartmann. „Aber durch die Begradigung des Mains gibt es viele gefährliche Unterströmungen, die von Schwimmern oft unterschätzt werden.“

          Kreislaufversagen im Wasser

          Außerdem weist Hartmann darauf hin, dass viele tödliche Badeunfälle zustande kämen, weil der Kreislauf der Schwimmer versage. Gerade bei hohen Außentemperaturen könne der Körper im Wasser so schnell abkühlen, dass auch ein junger Mensch bewusstlos werde.

          In Frankfurt war es der erste Badeunfall mit tödlichem Ausgang in diesem Jahr. Allerdings war schon am vergangenen Samstag in einem See in Vöhl (Landkreis Waldeck-Frankenberg) ein 19 Jahre alter Mann ertrunken, als er mit zwei Freunden zu einer Plattform schwimmen wollte. Die Polizei vermutet, dass ihn beim Schwimmen die Kräfte verlassen haben. Genaueres soll eine Obduktion ergeben.

          19 Badeunfälle an einem Wochenende

          Am Tag darauf wurde ein 21 Jahre alter Mann tot im Altrhein bei Lampertheim geborgen. Auch er hatte sich ersten Erkenntnissen zufolge im Fluss abkühlen wollen und ist dabei ertrunken. Nach Angaben der DLRG gab es in diesem Jahr zwar bisher nicht auffällig viele Badeunfälle, allerdings hätten sich viele innerhalb kurzer Zeit ereignet, und das im gesamten Bundesgebiet. Allein am vergangenen Wochenende sind 19 Personen ertrunken – allein sechs davon in der Ostsee.

          Die Wasserwacht des Deutschen Roten Kreuzes warnt davor, in der Nähe von fahrenden Booten zu schwimmen. Im Main ist an Brückenpfeilern, Schleusen und Hafeneinfahrten das Baden ohnehin untersagt, wie der Leiter der Frankfurter Wasserschutzpolizei, Jürgen Dingeldey, sagt. Gefährlich sei es auch, von Brücken ins Wasser zu springen. „An einigen Stellen ist der Main so flach, dass man auf dem Boden aufschlägt.“ Auch Alkoholkonsum bei Schwimmern sei ein Problem. In den nächsten Wochen, sagt Dingeldey, werde die Wasserschutzpolizei besonders wachsam sein.

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