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Ausstellung zu Goethes Briefroman : Werther leidet auf der Bühne und im Film

Auftritt Werther: Das Bühnenbild von Markus Lüpertz zu Jules Massenets Oper „Werther“ in Ulm wird aufgebaut. Bild: Wonge Bergmann

Erstmals trägt eine Ausstellung in Wetzlar zusammen, wie Goethes „Die Leiden des jungen Werther“ sich in anderen Gattungen niedergeschlagen hat.

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          Gedemütigt vom Vorgesetzten, eine nicht erwiderte Liebe zur Ehefrau eines Kollegen: Karl Wilhelm Jerusalem, Gesandtschaftssekretär am Reichskammergericht in Wetzlar, sah am Ende keinen anderen Ausweg aus seiner Verzweiflung, als seinem Leben ein Ende zu setzen. Am 30. Oktober 1772 erschoss sich Jerusalem. Außerhalb der Provinzstadt wäre von dem tragischen Ereignis vermutlich kaum Notiz genommen worden, hätte es sich bei Jerusalem nicht um einen guten Bekannten von Goethe aus gemeinsamer Studienzeit gehandelt.

          Wolfram Ahlers
          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für Mittelhessen und die Wetterau.

          Der tragische Tod Jerusalems gab Goethe den Impuls für seinen Werther-Roman, in dem er das Schicksal Jerusalems und seine eigenen Erlebnisse in Wetzlar während seiner Monate als Praktikant am Reichskammergericht, besonders seine vergebliche Zuneigung zu Charlotte Buff, die bereits verlobt war, literarisch verarbeitete. Der Briefroman avancierte rasch zu einer Art Bestseller nicht nur in Deutschland, und schon bald nach dem Erscheinen boten „Die Leiden des jungen Werther“ auch den darstellenden Künsten viel Stoff, was sich bis in unsere Tage fortgesetzt hat.

          Viele Originale erstmals öffentlich zu sehen

          Mit der Rezeption des Werther in Theater, Musik und Film beschäftigt sich eine Ausstellung, welche die Städtischen Museen jetzt im Wetzlarer Stadt- und Industriemuseum zeigen. Anlass bietet das Erscheinen des Romans vor 240 Jahren. Es ist eine umfangreiche Schau, und die Präsentation, die Museumsleiterin Anja Eichler mit ihrem Team zusammengestellt hat, ist die erste, die sich diesem Thema ausführlich widmet. Dabei sah es zunächst nicht danach aus. Denn es stellte sich heraus, dass es trotz breiter Goethe-Forschung kaum Literatur zu dieser Rezeptionsgeschichte des Werther gab. Also machten sich Eichler und ihre Mitarbeiter an die Recherche und waren überrascht, wie die Kuratorin sagt, was sich alles in Archiven und Sammlungen fand und wovon die Geschichts- und Kultureinrichtungen bisweilen selbst nichts wussten.

          Zu sehen sind viele Originale, von denen manche erstmals öffentlich präsentiert werden. Neben Beständen aus den eigenen Sammlungen zeigt die Ausstellung herausragende Leihgaben aus dem In- und Ausland wie seltene Drucke aus dem 18. Jahrhundert, handschriftliche Aufzeichnungen, Originale aus Notenbüchern und Skizzen von Bühnenbildern. Die Exponate stammen unter anderem aus Einrichtungen wie der Österreichischen Nationalbibliothek, der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, der Herzogin Anna Amalia Bibliothek in Weimar, dem Wiener Theatermuseum.

          Werther-Oper: Theaterplakat von 1893
          Werther-Oper: Theaterplakat von 1893 : Bild: Wonge Bergmann

          Die erste Theaterbearbeitung des Werther-Stoffs, die zugleich die bekannteste werden sollte, entstand schon im folgenden Jahr der Veröffentlichung des Romans. Der Schweizer Schriftsteller Johann Rudolf Sinner verfasste sein Stück „Les Malheurs de l’Amour“ noch bevor überhaupt eine französische Übersetzung vorlag, so dass er seinem Bühnenstück eine Zusammenfassung von Goethes Buch voranstellen musste. Übersetzungen der Aufführungstexte sorgten später dafür, dass Sinners Fassung auch in Deutschland und Österreich gezeigt werden konnte, was das damalige Werther-Fieber weiter beflügelte. Wobei es sich nicht immer um ernsthafte Interpretationen des Originals handelte, auch Parodien und Possen mit Lokalkolorit zählten dazu, an denen sich das Publikum zum Teil alsbald sattgesehen hatte, wie aus zeitgenössischen Kritiken hervorgeht.

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