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Arbeitsniederlegungen im Flugverkehr : Und täglich grüßt ein Streikposten

Opfer der Streikwelle: Für die Passagiere wird Fliegen zur Geduldsprobe Bild: AP

Für die Lufthansa waren die letzten Wochen teuer. Erst legte das Bodenpersonal die Arbeit nieder, dann die Piloten der Cityline. Nun drohen die Flugbegleiter mit Streik. Pech für den Konzern, dass er es gleich mit mehreren Gewerkschaften zu tun hat.

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          Erst die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, dann die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit und demnächst die Flugbegleitergewerkschaft Ufo. Im Lufthansa-Konzern herrscht derzeit kein Mangel an zum Streik entschlossenen und fähigen Gewerkschaften. Inzwischen fordern Vorstandschef Wolfgang Mayrhuber und Personalvorstand Stefan Lauer gar von der Politik, regelnd einzugreifen. Am liebsten wäre ihnen, sie müssten nur mit einer Gewerkschaft verhandeln, mindestens aber nur über eine von allen im Konzern aktiven Arbeitnehmerorganisationen akzeptierte Tarifforderung.

          Jochen Remmert

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, zuständig für Flughafen und Offenbach.

          Kosten in Millionenhöhe verursacht

          Aus Unternehmenssicht ist klar: Von der Höhe des Abschlusses einmal ganz abgesehen, wäre dann die Gefahr gebannt, innerhalb kürzester Zeit von Streiks der verschiedenen Gewerkschaften immer wieder aufs Neue verlustreich lahmgelegt zu werden. Tatsächlich waren die vergangenen Wochen ziemlich kostspielig für den Lufthansa-Konzern, und die nächsten werden es wohl auch: Allein der von Verdi Ende Juli begonnene Streik über fünf Tage hinweg, der vor allem von den Technikern, den Cateringmitarbeitern und Mitarbeitern der Frachtsparte getragen wurde, soll den Konzern einen „nicht unerheblichen zweistelligen Millionenbetrag“ gekostet haben.

          Streik-Rhythmus: Protest von Lufthanseaten vor dem Abschluss mit Verdi

          Ausgefallene Flüge könne eine Airline nun einmal nicht wieder aufholen, äußerte dieser Tage Vorstand Lauer, nachdem der Abschluss mit Verdi gerade unter Dach und Fach war. Wenige Stunden nach dieser Einlassung begann dann schon wieder ein Streik, diesmal über 36 Stunden, der am Freitag um 12 Uhr mittags endete. Das Ergebnis: 500 von 570 geplanten Verbindungen mussten annulliert werden. Die Kosten sind noch nicht beziffert. Diesmal ließen einmal mehr die Piloten der Lufthansa-Tochter Cityline die Muskeln spielen, nachdem die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit sie dazu aufgefordert hatte.

          Konzernweite Personalvertretung exklusiv für Piloten gefordert

          Eine präzise Forderung der Vereinigung Cockpit liegt nach wie vor nicht auf dem Tisch. Nur der Hinweis, dass das Angebot der Cityline-Geschäftsleitung nicht verhandelbar sei. Die Geschäftsführung hatte der Pilotengewerkschaft zuletzt eine Entgelterhöhung von 5,5 Prozent bei 18 Monaten Laufzeit geboten, plus Einmalzahlungen von bis zu 7000 Euro. Dazu immer wieder das Signal – da gehe noch etwas, man solle doch bitte erst einmal am Verhandlungstisch Platz nehmen.

          Aber auch, wenn diese Einigung gelänge, ist zwischen dem Konzern und den Piloten noch eine weitere Rechnung offen: Die Männer und Frauen im Cockpit fordern seit langem eine konzernweite Personalvertretung exklusiv für Piloten, was deren Stellung im Konzern weiter stärken würde – beispielsweise dann, wenn es darum ginge, Geschäftsfelder auszugliedern. Und ihre Gewerkschaft ist nach eigenem Bekunden auch in dieser Sache wieder zum Streik bereit. Die Auffassung des Konzernvorstands, dass es rechtlich unzulässig wäre, teilt Cockpit bislang jedenfalls nicht.

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