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Anhörung zu Gesetzentwurf : Streit um geplante Bildungsreform in Hessen

  • Aktualisiert am

Wie sollen Kinder in Zukunft lernen? Bild: DPA

Die von der Landesregierung vorgesehene Reform des Schulsystems ist bei Experten, Lehrer- und Elternvertretern umstritten. Die Ansichten gingen bei vielen Themen weit auseinander.

          Die von der Landesregierung vorgesehene Reform des Schulsystems ist bei Experten, Lehrer- und Elternvertretern umstritten. Die Ansichten über die von Kultusministerin Dorothea Henzler (FDP) geplante Selbständigkeit der Schulen, über den gemeinsamen Unterricht von behinderten und nichtbehinderten Schülern (Inklusion) sowie die Einführung einer Mittelstufenschule für Haupt- und Realschüler gingen bei einer Anhörung im Landtag am Donnerstag weit auseinander.

          Die Repräsentanten von Städten und Landkreisen forderten mehr Geld. So verlangte der Bergsträßer Landrat Matthias Wilkes (CDU), die Mittel für die schulpolitischen Vorhaben im Gesetz festzuschreiben, das schon vom nächsten Schuljahr an gelten soll. So seien beispielsweise für den gemeinsamen Unterricht mit behinderten Schülern umfangreiche Umbauten notwendig, die je Schule leicht in die Millionen gehen könnten. Daher werde wenigstens ein Stufenplan zur Verwirklichung benötigt. Ohne Finanzierung würden Erwartungen geweckt, die nicht eingehalten werden könnten.

          Landesarbeitsgemeinschaft Schule-Wirtschaft kritisiert Pläne

          Henzler sagte Änderungen an Details des Gesetzentwurfs zu. So werde zum Beispiel das Fach Arbeitslehre auch künftig erteilt und im Gesetz festgeschrieben. Die Ministerin verteidigte, dass die Inklusion nur nach den finanziellen Möglichkeiten in die Tat umgesetzt werden könne. „Ich habe immer gesagt, dass das ein Weg von zehn bis 20 Jahren ist.“ Der Landeselternbeirat verlangte die Rücknahme der G8-Regelung, also des Abiturs nach acht Jahren in der weiterführenden Schule. Ebenso wurde der Verzicht auf Kürzungen im Bildungsetat gefordert. Henzler sagte dazu, dass nur in der Verwaltung, nicht aber an den Schulen gespart werde. Der Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, Jochen Nagel, kritisierte, das neue Schulgesetz zementiere Konkurrenz, Leistungsdruck und Selektion.

          Der Entwurf sei „in allen zentralen Bereichen durchgefallen“, befand die Landtagsabgeordnete Heike Habermann (SPD). Die Novelle sei halbherzig, inkonsequent und rückwärtsgewandt. Die Grünen setzen auf ein Zwei-Säulen-Modell, das neben dem Gymnasium noch die sogenannte Neue Schule anbietet, die Schüler zu allen Abschlüssen führen soll. Auch die SPD will die Kinder in Gemeinschaftsschulen länger zusammen lernen lassen und zudem den Weg zum Abitur wieder um ein Schuljahr verlängern. Fehlendes Geld drohe ein Dauerargument für die Stagnation im Bildungswesen zu werden, warnte die Linken-Abgeordnete Barbara Cárdenas. Aus Sicht der Regierungsfraktionen CDU und FDP wird mit dem Gesetzesvorhaben hingegen der Weg zu einer praxisorientierten und erfolgreicher arbeitenden Schule geebnet.

          Bei einer Veranstaltung der Landesarbeitsgemeinschaft Schule-Wirtschaft, die am Donnerstag zur selben Zeit wie die Anhörung stattfand, kritisierte der Präsident der hessischen Unternehmerverbände, Dieter Weidermann, die im Gesetz geplante Einführung des sogenannten qualifizierenden Realschulabschlusses. Ihn sollen Schüler bei durchweg guten Noten erreichen können. Aus Sicht der Wirtschaft sei das unnötig, sagte Weidermann: „Dieser Abschluss bringt keinen erkennbaren Mehrwert. Er führt eher zu weniger Transparenz und entwertet den normalen Realschulabschluss.“ Für den Fachbereich berufliche Bildung bei den hessischen Industrie-und Handelskammern kritisierte Brigitte Scheuerle, dass eine Berufs- und Studienorientierung nicht im Schulgesetz aufgenommen werden soll. In den nächsten fünf Jahren hätten Betriebe in Hessen Bedarf für mehr als 200.000 nicht-akademische Fachkräfte. Schon jetzt klagten Firmen über Bewerber, die keine klaren Berufsvorstellungen hätten.

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