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20 Schutzräume im Angebot : Hessen sucht Käufer für Bunker

  • Aktualisiert am
Örtchen hinterm Vorhang: Blick in den Sanitärbereich eines ehemaligen Luftschutzbunkers am Marienkrankenhaus in Kassel
          2 Min.

          20 Schutzräume, die für Kriege oder Katastrophen eingerichtet wurden, sollen in diesem Jahr in Hessen verkauft oder vermietet werden. Insgesamt gibt es nach Angaben der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben mit Sitz in Bonn noch rund 70 öffentliche Schutzräume wie Bunker und Tiefgaragen. Zu den 20 bundeseigenen Objekten zählen fünf Bunker in Kassel.

          „Der Erwerberkreis für die Bunkeranlagen ist nicht eingeschränkt, so dass sich jeder Interessent mit ernsthaften Umnutzungsabsichten bewerben kann“, sagt Georg Schedler, der in der Nebenstelle der Anstalt in Kassel arbeitet. Sobald die Bundesanstalt die Räume übernommen hat, müssen die bisherigen Nutzer wie beispielsweise Museen raus.

          Unterschlupf für 4000 Menschen

          Auf die Erwerber kommt aber einiges zu - etwas in Kassel: Kaum geht die schwere Stahltür des Bunkers auf, haut einen der modrige Geruch fast um. Im schmalen verwinkelten Gang, der über Stufen nach unten führt, sind überall Spinnweben, an den Wänden bröckelt der Putz. Je weiter es in den vierstöckigen Bunker aus dem Dritten Reich am Marienkrankenhaus geht, desto schlimmer wird die Luft. Das Labyrinth aus Türen und Gängen ist feucht, weißer Schimmel zerfrisst die Wände. Es ist unheimlich. Fast unvorstellbar, dass dort im Krieg bis zu 4000 Menschen Unterschlupf fanden.

          For sale: Hinter Stacheldraht ist ein ehemaliger Luftschutzbunker in der Kasseler Unterneustadt zu sehen
          For sale: Hinter Stacheldraht ist ein ehemaliger Luftschutzbunker in der Kasseler Unterneustadt zu sehen : Bild: dpa

          Der Grund für den Verkauf ist die veränderte Sicherheitslage seit dem Ende des Kalten Krieges zwischen West und Ost. „Für aktuelle Bevölkerungsschutz-Szenarien - etwa Naturkatastrophen, Stromausfälle oder Terroranschläge - sind die bestehenden Schutzräume aufgrund ihrer technischen Ausstattung und Funktionsfähigkeit nur bedingt tauglich“, sagt die Sprecherin des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe in Bonn, Ursula Fuchs. Deshalb habe die Bundesregierung 2007 entschieden, das bisherige Konzept aufzugeben. „Die Schutzräume können jedoch grundsätzlich nach Aufgabe durch den Bund von den für den Katastrophenschutz zuständigen Ländern übernommen werden.“

          Für die Bunker in Kassel zeigte das Land Hessen bisher kein Interesse. Ob sich private Investoren finden lassen, ist auch unklar. „Die Instandhaltung von solchen Bunkern ist sehr kostspielig“, sagt Jürgen Sittig von der Feuerwehr Kassel, die bis zur Übernahme durch die Bundesanstalt dafür zuständig ist. Dies soll noch in diesem Jahr über die Bühne gehen, berichtet Claus Umbach von der Bundesanstalt. Sittig beantragt jährlich die Gelder vom Bund, um etwa mit Lüftern die Luftfeuchtigkeit in den Bunkern so gering wie möglich zu halten und die entstehenden Stromkosten zu zahlen. Außerdem ist die Feuerwehr für die Sicherheit auf dem Gelände der Bunker verantwortlich: Im Winter streuen, im Sommer aufräumen.

          „Wir zahlen keine Miete und würden es auch nicht tun“

          „Die Mittel sind in den letzten Jahren immer weiter runtergefahren worden“, sagt Sittig. „Zum Schluss hatten wir zwischen 10.000 und 20.000 Euro im Jahr.“ Früher habe er für die acht bundeseigenen Bunker in Kassel jährlich etwa 100.000 Mark (rund 51.000 Euro) zur Verfügung gehabt. „Mit dem Geld ist es kaum möglich, die Schutzräume trocken zu halten.“ Am Marienkrankenhaus werden deswegen lediglich die Räume belüftet, die das Naturkundemuseum und das Stadtmuseum als Lager benutzen. Dafür beteiligt sich die Stadt Kassel an den Nebenkosten.

          „Wir zahlen keine Miete und würden es auch nicht tun“, sagt der Leiter des Naturkundemuseums, Kai Füldner. Seit 1994 benutzt sein Museum den Bunker am Marienkrankenhaus als Lager „zum Aufbewahren von Objekten, an die wir nur selten ran müssen“. Das sind alte Steinplatten oder ausgestopfte Tiere. Weil es dort aber keine Lastenaufzüge und keine Fenster gibt, ist es nur solange attraktiv, wie es nicht viel kostet. „Wenn wir Miete zahlen müssten, würden wir woanders hinziehen.“ Dass die Bundesanstalt den Bunker nach der Übernahme kostenlos zur Verfügung stellt, schließt Umbach aus. Was genau passiert, entscheide sich aber erst im Laufe des Jahres.

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