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Nord- und Osthessen : Zwei-Prozent-Ziel für Windkraft erreicht

  • -Aktualisiert am

Herausragend: Windräder im Nebel nahe Istha im Kreis Kassel Bild: dpa

Nord- und Osthessen gehen bei der Energiewende voran und weisen zügig Vorrangflächen für Rotoren aus. Und das fast immer im Konsens.

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          Nord- und Osthessen stellen die Weichen für eine verstärkte Nutzung der Windenergie in der Region. Im Entwurf des „Teilregionalplans Energie“ des Regierungspräsidiums Kassel, dem der zuständige Ausschuss der Regionalversammlung Anfang der Woche einmütig zustimmte, sind 173 Gebiete in Nord- und Osthessen für den Bau von Windkraftanlagen vorgesehen. Damit wären etwa 17 000 Hektar oder 2,05 Prozent der Gesamtfläche des Regierungsbezirks grundsätzlich für Bau und Betrieb von Windrädern freigegeben. Die Zwei-Prozent-Vorgabe der Landesregierung ist fast auf den Punkt genau erfüllt.

          Ralf Euler

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, verantwortlich für den Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Wenn die Regionalversammlung Nord- und Osthessen der Beschlussempfehlung des Ausschusses wie zu erwarten Anfang Oktober zustimmt, dürfen nur noch auf den ausgewiesenen Gebieten Windräder gebaut werden. 98 Prozent der Fläche des Regierungsbezirks blieben dann frei von Windkraftanlagen, dort schon stehende Anlagen müssten, wenn sie abgewirtschaftet haben, abgerissen werden. Drei Kommunen im Osten von Kassel haben allerdings angekündigt, gegen den Plan zu klagen, weil er den Bau von 230 Meter hohen Rotoren in ihrer Region ermöglicht.

          Der Landtag hat den drei hessischen Regionalversammlungen im Landesentwicklungsplan als Ziel vorgegeben, zusammen möglichst zwei Prozent der Landesfläche als Windvorranggebiete auszuweisen. Wie in Kassel steht ein entsprechender Beschluss auch für das Gebiet des Regierungspräsidiums Gießen noch in diesem Jahr an. Für Südhessen ist damit wegen zahlreicher Komplikationen möglicherweise erst 2019 zu rechnen. Ob die Zwei-Prozent-Vorgabe, die als wichtige Voraussetzung für eine Energiewende in Hessen gilt, am Ende für die Landesfläche insgesamt erfüllt sein wird, bleibt bis dahin offen. Der für Energie zuständige Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Die Grünen) hält das Ziel für „sportlich, aber erreichbar“.

          Der Haupt- und Planungsausschuss der Regionalversammlung Nord- und Osthessen stimmte dem Windflächenentwurf am Montag mit den Stimmen von CDU, SPD und Grünen zu, ein Vertreter der Freien Wählergemeinschaft (FWG) enthielt sich. Die Entscheidung des Ausschusses ist eine Beschlussempfehlung für die Regionalversammlung, die am 7. Oktober abschließend über den Regionalplanentwurf befindet. Die Aufstellung des „Teilregionalplans Energie“ nahm inklusive Bürgerbeteiligung und zwei Offenlegungen fünf Jahre in Anspruch, die Regionalplaner mussten rund 32 000 Einwendungen verarbeiten. Im Vergleich zum zweiten Offenlegungsentwurf werden jetzt rund 1600 Hektar und 15 Einzelflächen weniger für Windkraftnutzung ausgewiesen. Die meisten Vorranggebiete (45 mit 4100 Hektar) sind im Landkreis Waldeck-Frankenberg geplant. Danach folgen mit 31 Flächen der Kreis Kassel (4300 Hektar) sowie mit je 30 Flächen die Landkreise Hersfeld-Rotenburg (2750) und Schwalm-Eder (1850). 20 Flächen mit 2600 Hektar sind nach Angaben des Regierungspräsidiums im Kreis Fulda, 17 Flächen mit 1400 Hektar im Werra-Meißner-Kreis geplant.

          In Hessen drehen sich nach Angaben des Wirtschaftsministeriums derzeit rund 860 Windräder. Um das im Landtag überparteilich vereinbarte Ziel von 100 Prozent Strom aus erneuerbaren Energien bis zum Jahr 2050 zu erreichen, sind nach Angaben des Ministers nach heutigem Stand 2100 bis 2500 Windräder erforderlich. Ende vergangenen Jahres stammten 16,4 Prozent des hessischen Stroms aus erneuerbaren Energien, sprich Wind, Sonne, Biomasse, Deponie- und Klärgas oder Wasserkraft.

          Seit Amtsantritt der schwarz-grünen Regierung hat sich der Anteil damit um vier Prozentpunkte erhöht. CDU und Grüne haben in ihrem Koalitionsvertrag vereinbart, bis zum Ablauf der Wahlperiode Ende 2018 möglichst 25 Prozent des in Hessen verbrauchten Stroms aus regenerativen Energien zu erzeugen.

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