https://www.faz.net/-gzg-7bs1j

Hessen : Zahl der Flüchtlinge steigt wieder an

  • -Aktualisiert am

Ankunft: Flüchtlinge betreten die hessische Erstaufnahmeeinrichtung in Gießen. Sie hat derzeit einschließlich einer Außenstelle Plätze für mehr als 1200 Menschen. Bild: dapd

Fast doppelt so viele Flüchtlinge wie noch vor einem Jahr sind im ersten Halbjahr 203 nach Hessen gekommen. Das Land fordert von den Kommunen eine „adäquate Unterbringung“, denn vielerorts fehlen Unterkünfte.

          4 Min.

          Von Januar bis Ende Juni sind 3399 neue Asylbewerber nach Hessen gekommen, nahezu doppelt so viele wie im ersten Halbjahr 2012, als es 1705 Flüchtlinge waren. Das teilten die Regierungspräsidium Gießen und Darmstadt auf Anfrage mit. Sie gehen davon aus, dass bis Ende Dezember noch einmal rund 4000 weitere Asylbewerber kommen werden.

          Die für die Zuteilung zuständige Darmstädter Behörde hat die Kommunen mehrfach auf die steigenden Zahlen hingewiesen, zuletzt in diesem Monat, und ihnen die „Notwendigkeit weiterer Anstrengungen bezüglich einer adäquaten Unterbringung der Flüchtlinge“ verdeutlicht. Wie berichtet, hatte Hans-Jürgen Hielscher (FDP), Sozialdezernent des Main-Taunus-Kreises, Kommunen vorgehalten, die Quote zur Aufnahme von Flüchtlingen nicht zu erfüllen.

          86,5 Prozent mehr Flüchtlinge als 2012

          Mehr als die Hälfte der Flüchtlinge in Hessen kam im ersten Halbjahr 2013 aus vier Ländern: Somalia (18,6 Prozent), Syrien (14,1), Afghanistan (13,5) und der Russischen Föderation (9,4). Bundesweit war die Russische Föderation mit 23,1 Prozent das größte Herkunftsland, aber weil Hessen besonders für Somalia zuständig ist, fallen die Ranglisten der Hauptherkunftsländer unterschiedlich aus.

          Insgesamt gab es von Januar bis Juni in Deutschland 43.016 neue Asylanträge, 86,5 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum 2012. Das Regierungspräsidium Darmstadt geht bundesweit bis zum Jahresende von insgesamt rund 100.000 neuen Flüchtlingen aus, weil die Zugangszahlen in der zweiten Jahreshälfte traditionell höher lägen als in der ersten. Weil Hessen 7,3 Prozent aller Flüchtlinge aufnehmen muss, könnten demnach bis zum Jahresende 7300 Menschen in das Bundesland kommen.

          Für nahezu alle Syrienflüchtlinge gab es Asyl

          Flüchtlinge können auf dreierlei Weise geschützt werden: durch das Asyl, wie es im Grundgesetz festgelegt ist, und nach zwei Bestimmungen im Aufenthaltsgesetz: dem Schutz nach der Genfer Flüchtlingskonvention und dem Abschiebungsverbot, wenn ihnen in einem Land zum Beispiel Folter droht. In Hessen wurde von Januar bis Juni 41 Menschen Asyl zuerkannt, das waren 1,93 Prozent aller 2127 Entscheidungen über Asylanträge. 407 Personen (19,1 Prozent) bekamen einen Schutz nach der Flüchtlingskonvention, außerdem dürfen weitere 633 Flüchtlinge (29,7 Prozent) nicht abgeschoben werden. Damit lag die sogenannte Schutzquote in Hessen im ersten Halbjahr bei 50 Prozent.

          Deutschlandweit wurde in diesem Zeitraum nach Angaben des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge 32,1 Prozent der Antragsteller ein Schutz nach Asylrecht, Flüchtlingskonvention oder Abschiebungsverbot gewährt. Positive Entscheidungen gab es für nahezu alle Flüchtlinge aus Syrien (95,3 Prozent) und für mehr als die Hälfte der Menschen aus Somalia (64,3), Irak (52,9) und Iran (52,7).

          Unterbringung fordert Kommunen heraus

          Die steigenden Flüchtlingszahlen stellen das Land und die Kommunen vor die Herausforderung, die Menschen angemessen unterzubringen. Nachdem im vergangenen Herbst die Zahl Asylsuchender angewachsen ist, vor allem durch Menschen aus Serbien und Mazedonien, hatte die Hessische Erstaufnahmeeinrichtung in Gießen ihre Kapazität erweitert und einen Teil einer ehemaligen amerikanischen Kaserne gemietet. Dadurch sei Hessen auf den aktuellen Anstieg der Zahlen besser vorbereitet als einige andere Bundesländer, so das Regierungspräsidium Gießen.

          Weitere Themen

          Am nächsten Morgen war er tot

          Prozessbeginn in Frankfurt : Am nächsten Morgen war er tot

          Am Freitag hat am Landgericht Frankfurt der Prozess um einen fatalen Streit unter Freunden in Hattersheim begonnen. Die Strafkammer gibt an, dass der Fall komplizierter sein könnte, als bislang angenommen.

          Drei Tote nach Schüssen in Eddersheim

          Großeinsatz der Polizei : Drei Tote nach Schüssen in Eddersheim

          Die Polizei fand ihre Leichen auf einem Industriegelände in dem Stadtteil von Hattersheim und auf der gegenüberliegenden Seite des Mains. Anwohner hatten zuvor Schüsse gehört. Hintergründe zur Tat sind bislang unbekannt.

          Topmeldungen

          Vorsicht vor dem Virus: Menschen unterwegs in Istanbul

          Pandemie im Überblick : WHO warnt warnt vor voreiliger Entspannung

          Auch Kanzlerin Merkel ruft die Bürger zur Vernunft auf. Weltweit steigt die Zahl der Coronavirus-Infektionen. Allein Europa zählt mehr als 40.000 Corona-Tote – besonders in Frankreich steigt die Zahl. In Italien keimt zumindest etwas Hoffnung auf.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.