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Präventionsnetzwerk geplant : Hessen will verstärkten Kampf gegen Salafismus

  • Aktualisiert am

Sammelt derzeit Verbündete im Kampf gegen Salafismus: Innenminister Beuth Bild: dpa

Mit einem neuen Präventionsnetzwerk will Hessen den Kampf gegen den Salafismus, eine Form des radikalen Islamismus, verstärken. Allein in Hessen sind laut Innenminister Beuth etwa 1200 Salafisten aktiv.

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          Hessen will mit anderen Bundesländern energischer gegen Salafisten vorgehen. Innenminister Peter Beuth (CDU) kündigte am Montag an, in den nächsten Wochen ein hessisches Präventionsnetzwerk einzurichten. Hessen wolle auch auf der Innenministerkonferenz in der nächsten Woche in Bonn über den Salafismus sprechen, um an einer Rahmenkonzeption zu arbeiten. Allein in Hessen seien etwa 1200 Salafisten aktiv, sagte Beuth in Wiesbaden.

          Die fundamentalistischen Prediger bekehren vor allem jugendliche Muslime zu ihrem radikalen Kurs. Aus dem Rhein-Main-Gebiet sind sogar Schüler nach Syrien ausgereist, um im Bürgerkrieg zu kämpfen.

          „Ein schwieriges Phänomen“

          In Frankfurt haben Salafisten durch Drohungen erreicht, dass ein Jugendhaus zeitweise schließen musste. Aus einer Kunstausstellung wurde ein Koran gestohlen. Dies seien zwar Einzelfälle, doch verbunden mit dem Salafismus, sagte Beuth. „Der Salafismus ist ein schwieriges Phänomen.“

          Das geplante Netzwerk soll Jugendliche auf dem Pfad der Radikalisierung stoppen, ein Aussteigerprogramm ist geplant. Zugleich sollen Eltern, Schulen und Kommunen besser informiert werden. „Nur mit den Sicherheitsbehörden werden wir dieses Phänomen nicht bekämpfen können“, sagte der Minister.

          Verbindung zu Terroristen

          Der Salafismus ist eine religiöse und politische Bewegung des Islams, die nur von einer kleinen Minderheit der Muslime getragen wird. Salafisten lehnen westliche Demokratien ab und sehen eine „islamische Ordnung“ mit islamischer Rechtsprechung (Scharia) als einzig legitime Staats- und Gesellschaftsform an.

          Sie vertreten einen rückwärtsgewandten Ur-Islam und wenden sich gegen jede theologische Modernisierung. Die Gleichberechtigung der Geschlechter lehnen Salafisten ab. Aus ihrer Sicht weist der Islam Frauen allein die Rolle der Ehefrau und Mutter zu.

          Die Zahl der Salafisten in Deutschland ist nach Angaben des Bundesamts für Verfassungsschutz bis Ende 2013 auf 5500 gestiegen. Die Zahl der Islamisten insgesamt dürfte um ein Vielfaches höher sein. In Hessen etwa ging der Verfassungsschutz für 2012 von 900 dort lebenden Salafisten aus und 6050 Islamisten insgesamt (2010: 5200 Islamisten).

          Die Verfassungsschützer verdächtigen Teile der Salafisten-Bewegung, ein Sammelbecken für gewaltbereiten Islamismus zu sein und Verbindungen zu Terrornetzen zu pflegen. Seit Beginn des Bürgerkriegs in Syrien vor rund drei Jahren sind nach Erkenntnissen des Verfassungsschutzes etwa 320 Islamisten aus Deutschland in das Krisenland gereist, darunter mindestens 30 aus Hessen. (dpa)

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