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Lehrerausbildung : „Fünftes Rad am Wagen“

Zu wenig: Hessen will den Personalmangel an Grundschulen beheben. Bild: dpa

Von ihnen wird immer mehr verlangt, gleichzeitig werden sie immer weniger: Grundschullehrer in Hessen. Den Personalmangel will das Land jetzt beheben. Dafür gibt es mehrere Vorschläge.

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          Lehrerverbände geben den Universitäten eine Mitschuld am Personalmangel in den hessischen Grundschulen. „Für manche Uni ist die Lehrerausbildung ein fünftes Rad am Wagen“, sagt Stefan Wesselmann, der Landesvorsitzende des Verbands Bildung und Erziehung (VBE). Die Landesregierung müsse dafür sorgen, dass die Fachbereiche das Geld, das sie für die Lehrerausbildung zugewiesen bekämen, auch tatsächlich in die Fachdidaktik und deren Dozenten investierten und nicht für andere Zwecke ausgäben, wie es häufig der Fall sei.

          Matthias Trautsch

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Auch Jochen Nagel, der Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), sieht in der geringen Ausbildungsbereitschaft der Universitäten einen Grund dafür, dass in den hessischen Schulen derzeit 300 Stellen nicht besetzt werden können. „Es hakt auch an den Universitäten.“ Diese bevorzugten Studiengänge mit höherem Renommee. Ein Professor, „der sich um die Niederungen der Pädagogik in der Schule kümmert“, genieße kein großes Ansehen.

          Lehrer zu „Einzelkämpfern“ ausgebildet

          In der Diskussion um fehlende Nachwuchskräfte für die Grundschulen hatte das hessische Kultusministerium in dieser Woche darauf hingewiesen, dass es durchaus viele Abiturienten gebe, die sich für den Beruf interessierten, an den Universitäten aber nicht aufgenommen würden. Auf Grundschullehramt kann man in Hessen an der Frankfurter Goethe-Universität, der Justus-Liebig-Universität Gießen und der Universität Kassel studieren. Allerdings gibt es für diese Studiengänge überall Zulassungsbeschränkungen. Zu diesem Wintersemester betrug der Numerus clausus in Frankfurt 2,2, in Gießen 2,3 und in Kassel 2,5.

          Am Mittwoch hatte das Kultusministerium angekündigt, mit den Universitäten über eine Ausweitung der Ausbildungskapazitäten zu sprechen. Ein Schritt, der nach Meinung des VBE-Vorsitzenden Wesselmann überfällig ist. Es müsse dabei jedoch nicht nur um Quantität, sondern auch um Qualität gehen. „Die Lehrerausbildung muss dringend verbessert und den Realitäten angepasst werden.“ Inklusiver Unterricht zum Beispiel verlange nach multiprofessionellen Teams, also nach einer Zusammenarbeit der Lehrer unter anderem mit Sonderpädagogen, Inklusionsassistenten und Sozialpädagogen. Im Studium komme diese veränderte Arbeitsweise aber kaum vor, Lehrkräfte würden zu „Einzelkämpfern“ ausgebildet.

          Guter Unterricht nur noch schwer möglich

          Im Studium müssten heutzutage auch der Umgang mit Verhaltensauffälligkeiten, der Unterricht an der Ganztagsschule, die Elternarbeit und das Fach Deutsch als Zweitsprache behandelt werden, sagt Wesselmann. Derzeit aber gewännen junge Leute in der Lehrerausbildung immer noch den Eindruck, dass Schule nur Wissen vermittele und ihre Arbeitszeit um 13 Uhr ende. „Im Arbeitsalltag erleben sie dann, wie viel Erziehungsarbeit sie leisten müssen, die weit über die Unterrichtszeit hinausgeht.“

          Wie groß die Herausforderungen in den Grundschulen sind, hat jüngst ein Brandbrief der Frankfurter Grundschulleiter an Kultusminister Alexander Lorz (CDU) verdeutlicht. Die 57 Rektoren und 18 Konrektoren wiesen auf die massiven Probleme unter anderem bei der Verwirklichung der Inklusion und der Aufnahme von Flüchtlingen hin. Sie beklagen, dass die Lehrer immer mehr Erziehungsaufgaben zu bewältigen hätten, die früher Sache der Eltern gewesen seien.

          Viele Kinder kämen aus bildungsfernen oder zerrütteten Familien oder sprächen bei der Einschulung kaum Deutsch. Das führe für die Lehrer zu einer „kaum zu bewältigenden Arbeitsbelastung, sowohl in zeitlicher als auch psychischer Dimension“. Guter Unterricht sei unter diesen Bedingungen nur noch schwer zu halten.

          Mehr Stunden für weniger Lohn

          Insbesondere in Frankfurt kommen zu den pädagogischen Herausforderungen auch noch Wohnungsknappheit und hohe Mieten hinzu. Dementsprechend schwer ist es, junge Grundschullehrer zu gewinnen. Zu Beginn dieses Schuljahres hat mehr als die Hälfte der Kandidaten das Angebot einer Stelle im größten hessischen Schulbezirk ausgeschlagen. In ihrem Brief an den Kultusminister fordern die Frankfurter Rektoren deshalb, eine Ballungsraumzulage für Nachwuchskräfte zu zahlen.

          Jochen Nagel von der GEW steht diesem Vorschlag skeptisch gegenüber. Wenn es durch eine Zulage gelinge, Lehrer nach Frankfurt zu locken, dann fehlten sie andernorts in Hessen. Der VBE-Vorsitzende Wesselmann will die Idee einer Zulage zwar nicht grundsätzlich verwerfen, sieht aber beamtenrechtliche Probleme. Außerdem müsse die Tätigkeit an den Grundschulen allgemein besser vergütet werden. Dort sei die Unterrichtsverpflichtung mit 29 Stunden je Woche höher, der Sold aber niedriger als in allen anderen Schulformen. Außerdem gebe es, anders als in Gymnasien, kaum Möglichkeiten zur Beförderung.

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